Wir vergleichen gern die Bankenrettung aus 2008/9 mit einer nicht geplatzten Blase: Banken waren insolvent, sind aber nicht in die Insolvenz gegangen. Und so fragen wir uns, ob die nicht geplatzte Blase in den Rentenmarkt, den Markt der festverzinslichen Papiere gewandert ist.  Das mag zwar zunächst intuitiv nicht so leicht ersichtlich sein, denn hat man durch das sogenannte „Gelddrucken“ nicht eher eine Aktienblase oder Immobilienblase erwartet?  Aber leider funktioniert die Wirtschaft, Finanzwelt und Ökonomie nicht immer so, wie man es auf den ersten Blick erwartet. Daher hier eine Sammlung von Pressemitteilungen und Aussagen zu den möglichen Risiken des Rentenmarktes, des Marktes der festverzinslichen Wertpapiere, der doch häufig als viel sicherer angenommen wird als der Aktienmarkt.

Mangelnde Liquidität auf Märkten führt zunächst zu stärkeren Kursschwankungen, kann zu deutlichen Verlusten führen und könnte im Extrem dazu führen, dass Papiere (zeitlich befristet) überhaupt nicht mehr gehandelt werden. Dies würde zu einer Situation wie in der Vergangenheit bei offenen Immobilienfonds führen können, dass der Anleger (zeitlich befristet) nicht mehr an sein Geld kommt.

09.06.2016 Nachfrage auf Veranstaltung von Kames-Capital in Hamburg

Ich war mit verschiedenen Vermögensverwaltern und weiteren verantwortlichen Mitarbeitern von Finanzdienstleistungsunternehmen auf einer Veranstaltung zum Thema Posiotionierung der Rentenfonds von Kames Capital eingeladen. Da ich vor längerer Zeit bereits einmal mit einem Mitarbeiter dieses Hauses zum Thema Illiquidität der Renten telefoniert hatte, wollte ich wissen, ob sich die Situation  zwischenzeitlich verbessert habe. Die Antwort fiel leider negativ aus.

12.02.2016 Neue Zürcher Zeitung : Die Liebe zu Unternehmensbonds ist ein Problem

Recht verständlich dargestellt wir das potentielle Risiko der Nichthandelbarkeit von Unternehmensanleihen und zwar auch als Risiko für Anleger, die ETFs bevorzugen, in diesem Beitrag. Besonders hervorzuheben ist folgendes Zitat:  „Auf die grosse Verkaufswelle am Markt, die erfahrungsgemäss irgendwann einmal kommen wird, freut sich allerdings niemand. Im Extremfall müssten dann Fonds geschlossen werden. Das heisst, die Rücknahme von Anteilen müsste ausgesetzt werden, … „

04.02.2016 Schroders Investment Conference 2016, London – Liquidity of Bonds? Bad!

Wir hatten die Freude an der diesjährigen Investmentkonferenz der englischen Fondsgesellschaft Schroders in London teilzunehmen. Weil wir ein starkes Interesse an der Frage nach der Liquidität, das heißt der Handelbarkeit von Unternehmensanleihen haben, nutzen wir – wo immer möglich – die Gelegenheiten Fondsmanager persönlich zu fragen, wie sie das Thema Handelbarkeit der Unternehmensanleihen einschätzen. So wurde die Frage auch in London gestellt. Die Antwort, wie die Liquiditätssituation eingeschätzt wird, war knapp aber deutlich: „In one word: bad!“

13.01.2013 Ein Telefonat mit einem Key-Account-Manager einer Investmentfondsgesellschaft

Zuweilen kann man auch sehr gut zwischen den Zeilen lesen. Zum Beispiel, worauf es hinweisen könnte, wenn einem Fondsmanager eines 4 Mrd. US-$ Rentenfonds extra ein Risikomanager beseite gestellt wird, dessen Aufgabe es ist, laufend die Handelbarkeit des Portfolios von Unternehmensanleihen zu prüfen. Das Telefonat können Sie hier nachlesen: Unternehmensanleihen: Weil sonst ja kaum jemand darüber schreibt, lasse ich Sie ein Telefonat mithören …

31.08.2015 Credit Suisse Trends Instituional Monthly

Den institutionellen Anlegern wird unter dem Stichwort „Denkanstösse“ folgende Empfehlung gleich mit der Artikelüberschrift gegeben: „Wappnen Sie sich für weniger liquide Märkte“. Vergleicht man die bisherigen Aussagen von Fondsmanagern und Analysten (und zum Beispiel unserem Blogartikel Einen Aktienmarktcrash würden die meisten ja verstehen, aberdiesen Crash? ) so wird wenig Neues gesagt. Grund für die abnehmende Liquidität in einigen Anlagemärkten ist der teilweise Rückzug von Banken und Brokern aus ihrer Funktion als Marketmaker. Dies wiederum resultiert aus verschärften Eigenkapitalvorschriften zum Beispiel für Banken ( aufgrund der Bankenkrise 2008 – wann sind deren Folgen wohl endlich einmal überwunden?)

Interessant aber, was der Chef-Finanzmarkt-Analyst daraus folgert. So müssen Staatsfonds und Privatanleger in Zukunft häufiger bereit sein, in liquiditätsmässig engen und turbulenten Marktphasen durch den Kauf der entsprechenden Wertpapiere für die Liquidität zu sorgen.

So wie ich die Privatanleger kenne, sehe ich darin aktuell nur eine geringe Chance.

26.08.2015 Euro Fund Research: Ist die Regierung schuld am Chrash?

Dieser Beitrag trifft zwar nicht direkt die Unternehmensanleihen, weist aber darauf hin, dass mangelnde Liquidität auch den Aktienmarkt trifft. Dort sehen wir das Risiko zwar anders teilweise anders gelagert als im Markt der Unternehmensanleihen. Dennoch auch hier spielt der Rückgang der potentiellen Market Maker eine Rolle:

„Die Märkte seien grundlegend angeschlagen, es fehle an Liquidität. „Am Montagmorgen gab es praktisch keinen Markt mehr“, führt Folkerts-Landau (Anmerkung: Chef-Volkswirt der Deutschen Bank) aus.“

„„Es gab viele Verkäufer, aber keine Käufer.“ Marktteilnehmer, die solche Schocks absorbieren könnten – wie z.B. große Banken – fehlten. Doch aufgrund neuer Regulierungsvorschriften dürften sie keinen Eigenhandel mehr betreiben.“ (Quelle: Link oben)

13.08.2015 citywre: Columbia Threadneedle reduziert Anteil an Unternehmensanleihen

Unternehmensanleihen als Anlageklasse werden zwar nicht ganz „verlassen“ aber sowohl mangelnde Liquidität als auch nachlassende Kreditwürdigkeit führt zu einer Reduktion des Engagements.

24.07.2015 Onvista  Dachfondsmanager Eckhard Sauren warnt vor großen Rentenfonds

Die Warnung bezieht sich zwar in erster Linie darauf, dass große Fonds zu wenig Möglichkeiten haben besondere Gelegenheiten in Spezialsituation in Performance umzusetzen. Er warnt aber auch vor der Illiquidität, wenn große Fonds ihre Bestände schnll verkaufen wollen, dies könnte zu einer Liquiditätskrise führen: „Daher versuchen wir, auch keine zu großen Fonds zu kaufen.“

21.07.2015 FondsOnline M&G Fondsmanager und Anleiheexperte: Am Rentenmarkt drohen hohe Verluste

„… und die möglicherweise enormen Marktbewegungen, wenn diese Interventionen (Anmerkung: damit sind die Zenntralbanken gemeint)  …“  Unsere Anmerkungen: Hoffen wir, dass diese enormen Marktbewegungen dann wenigstens möglich sind und es nicht zu einer Liquidtätskrise kommt.

16.07.2015 DAS INVESTMENT.COM Fondsgesellschaften könnten im Zweifel nur an sich selbst verkaufen

Immerhin warnt hier der legendäre Ex-Pimco-Chef Bill Gross. Aus dem Beitrag: „Dabei ist es offensichtlich, dass nicht alle Investoren zur gleichen Zeit durch einen immer schmaleren Ausgang passen, wenn sie verkaufen wollen.“ Unsere Anmerkung: Und dann würde es nicht nur weniger Geld aufgrund der Kursverluste geben können, sondern möglicherweise – vorübergehend- gar kein Geld, als Folge der Liquiditätskrise.

7.07.2015 Kames Capital: Sich gegen weniger liquide Anleihemärkte wappnen

Kames Capital ist sicher nicht so bekannt, aber aufgrund der Größe (Kames Capital verwaltet 71 Mrd. € ) und weil Kames Capital zwei mehrfach prämierte Rentenfonds verwaltet, sicher eine Gesellschaft, die sich im Markt der Renten/festverzinsliche Papiere auskennt.  Zitat in Hinblick auf mögliche Liquiditätsrisiken bei Unternehmensanleihen : „Es ist unseres Erachtens wichtig, dass Anlegern die Bedeutung dieser Problematik und möglicher Folgen für ihre Portfolios bewusst ist.“

Wichtig ist auch der Hinweis,dass die Bank of England und die britische Finanzaufsicht (FCA) ankündigten, die Liquidität von Anleihemärkten einer ausführlichen Untersuchung zu unterziehen. Also nicht nur Fondsmanager erkennen das Problem.

19.06.2015 Finanz und Wirtschaft Die dunkle Gefahr am Bondmarkt

Unter Bezugnahme auf Analysten der Fondsgesellschaft Pictet wird auf das Liquiditätsrisiko am Rentenmarkt hingewiesen und berechtigt gefragt: „Doch angenommen, es kommt aus irgendeinem Grund zu einer Verkaufswelle am Bondmarkt: Wer steht dann auf der Gegenseite?“

26.05.2015 citywire:  Pimco Fondsmanager Mather sorgt für zu geringe Liquidität vor

Die immense Liquidität durch die Zentralbankenpolitik hat die Anleihemärkte auf Hochtouren gebracht. Diese „unnatürliche“ Liquidität werde aber nicht ewig anhalten. Und er spricht zumindest von der Möglichkeit einer „wirklichen“ Liquiditätskrise .

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