Impressionen vom Fondskongress Mannheim 2018, die auch Privatanleger interessieren können: Liquiditätsrisiken, Derivate und Künstliche Intelligenz


Unsere Sammlung von Presseartikeln zum Thema Liquidität wollten wir fast einstellen, stellt dieses Thema  vielleicht doch keinen Sprengstoff für die Zukunft mehr dar? „Sprengstoff“ – ist die Formulierung zu reißerisch?

Möglicherweise, aber die Formulierung „Sprengstoff“ soll Aufmerksamkeit wecken, denn allzu leicht wird vergessen, dass Geldanlagen nicht nur möglichst viel Rendite bringen sollen und dabei möglichst wenig Verluste einfahren sollten. Eine wesentliche weitere Erwartung vieler Anleger wird bei Beurteilung unterschiedlichster Formen der Geldanlage als selbstverständlich vorausgesetzt. Und dies ist die Annahme, der Anleger würde immer problemlos über sein angelegtes Geld verfügen können, seine gewählte Geldanlage sei also immer liquide. Dass dies nicht so ist, haben in der Vergangenheit zwar einige Anleger erfahren, die Offene Immobilienfonds im Depot hatten und zum Teil über Jahre nicht (regulär) über ihr angelegtes Geld verfügen konnten.

Mögliche Probleme sind aber nicht auf den Bereich der Offenen Immobilienfonds beschränkt. Sie sind auch denkbar im Bereich der Renten (festverzinsliche Wertpapiere). Unbemerkt von der Öffentlichkeit wurde dies Thema bereits vor Jahren diskutiert, wie wir in unserer Pressesammlung dargelegt haben.  Verschwunden scheint die denkbare Gefahr aber nach.

Von einer schlechten Liquiditätssituation in diesem Teilbereich derGeldanlagemöglichkeiten berichteten uns auf dem Fondskongress Mannheim auch der Vermögensverwalter  Wallrich Wolf Asset Management AG und ein Kundenbetreuer der Investmentgesellschaft M&G.

Für bestimmte eigene Fonds der  Wallrich Wolf Asset Management AG, die wesentlich auch in Renten investieren, wurde die potentielle Gefahr aber relativiert, weil dieser Fonds zwar Unternehmensanleihen als Underlay für Optionsstrategien verwendet, aber das Fondsvolumen so klein sei, dass immer irgendwie verkauft werden können.

Dieser Fonds ist tatsächlich klein, so dass hier die Liquiditätsgefahr wohl tatsächlich gering ausfällt. Was aber ist mit den großen und bekannten Publikumfonds, die im Bereich der Rente Milliardenbeträge investieren?

Einen sinnvollen Weg scheint M&G eingeschlagen zu haben. Der M&G Global Dynamic Allocation Fund nutzt zwar auch Anleihen als Renditequelle. Dies erfolgt aber zum Großteil durch Derivate, während die eigentlichen „nicht künstlichen, also nicht abgeleiteten“ Geldanlagen zu sehr großen Teilen in kurzlaufenden Staatsanleihen mit guten Bonitäten erfolgen (na ja … und wenn diese nicht mehr handelbar sind …)

Ersichtlich wird dies auch durch diesen Auszug aus dem Fact Sheet, hier vom 31.12.2017:

Übrigens gelten viele Derivate als sehr liquide, wobei man aber unterscheiden sollte, ob diese an Börsen gehandelt werden oder ob es sich um Strukturen handelt, hinter denen nur Versprechen der Herausgeber dieser Derivate stehen. Fragen Sie hier auf jeden Fall Ihren Berater.

Noch etwas mehr zum Thema Liquidität bzw. Illiquidität bei Unternehmensanleihen?

Wie uns ebenfalls berichtet wurde, gab es dieses Problem erneut zuletzt um den 9. November des letzten Jahres. Hier sei in einem bestimmten Teil des Marktes für Unternehmensanleihen über 2-3 Tage kein Handel möglich gewesen.

Man sieht, nicht alle „realen“ Geldanlagen wie Aktien und Unternehmensanleihen, die noch relativ leicht verständlich, sind in jedem Fall gut. Und Derivaten müssen nicht, wie leicht in der Öffentlichkeit angenommen, immer „schlecht sein“. Derivate können es unter Umständen auch ermöglichen, mögliche Erträge aus ganz konventionellen Anlagenklassen zu erzielen und dabei hoffentlich neu aufgekommen Risiken, wie hier die Liquiditätsrisiken, zu umschiffen.

Im Zusammenhang mit Derivaten können sich aber auch grundsätzlich ganz andere Anlagemöglichkeiten ergeben. Man spricht hier auch von marktneutralen Strategien, weil diese unabhängig von der Entwicklung von Aktienmärkten und Rentenmärkten sind.

Wenn es sich um sehr ausgefeilte Strategien und sehr erfahrene Manager handelt, lassen sich tatsächlich zuweilen auch recht auf Jahresebene konstante positive Ergebnisse und zum Großteil auch monatlich wenig schwankende Ergebnisse erwirtschaften. Ein Beispiel ist der Feri Optoflex, denn wir für unsere Kunden auf dem Mannheimer Fondskongress vor 2 Jahren ausfindig gemacht haben. Allerdings, auch wenn das meiste Geld in diesem Fonds in sehr sicheren kurzlaufenden Staatsanleihen angelegt ist, und die Optionsstrategie in sich noch einmal abgesichert ist, bleibt ein grundsätzliches Risiko bei einem massiven Verfall der Aktienmärkten durch die bei dieser Art von Geschäften zu stellenden Sicherheiten (Margins). Auch gute Vergangenheitswerte bieten also nie eine absolute Sicherheit.

Auf dem Fondskongress in Mannheim trifft der Anlageberater sowohl die für ihn zuständigen Betreuer, hat aber auch immer wieder Gelegenheit Fondsmanager persönlich zu sprechen. Dies zeigt sich in Einzelfällen immer mal wieder als hilfreich, weil bei weitem nicht jeder Kundenbetreuer einer Fondsgesellschaft alle Fragen sofort beantworten kann. Das ist aber nicht unbedingt dem Mitarbeiter der Fondsgesellschaft anzulasten, denn er hat Fragen, wie sie bei uns meist ausfallen, eben noch nicht oder nur zu selten gehört. Wir finden Anlageberater sollten neugieriger sein….

Künstliche Intelligenz

Ein Highlight war unser persönliches Gespräch mit Dr. Leber, Gründer der ACATIS. ACATIS hat vor nicht so langer Zeit einen auf künstlicher Intelligenz (KI) aufgebauten Investmentfonds aufgelegt. Hierzu berichtete Dr. Leber ausführlich – und er konnte natürlich alle Fragen beantwortet. Es gibt allerdings bei quantitativen – nicht von menschlicher Entscheidung geprägten – Fonds natürlich immer eine Frage, die dem Frager nie beantwortet wird. Hierbei handelt es sich um die Frage nach dem Algorithmus, der die Anlageentscheidungen  steuert. Nur, im engen Sinne wäre bei einem KI gesteuerten Fonds diese Frage unsinnig. Denn bei KI-Fonds handelt es sich optimaler Weise um selbstlernende Programme. Es gibt also keinen statischen Algorithmus.

Es gab aber ausreichend andere Fragen und ebenso ausreichende Antworten. Hierzu werden wir noch in einem späteren Beitrag berichten.

Es ist – glauben wir – verständlich geworden, dass es sich nicht um einen Fonds handelt, der in Unternehmen investiert, die im Bereich KI tätig sind, sondern um einen Fonds der KI nutzt, um Investitionsentscheidungen zu treffen. Auch wenn es sich also um einen quantitativen Fonds handelt- in einer solchen Fondsart spielt die Entscheidung von Menschen keine oder so gut wie keine Rolle – sind die Ergebnisse der KI nach Meinung von Dr. Leber für Fondsmanager durchaus von Bedeutung. In aller Kürze: Sie haben das Potential das Weltbild der Fondsmanager zu vergrößern.

 

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