ETFs besiegen, geht das? Und wenn ja, wie? Ein Erklärungsversuch


Niemand würde sagen, der Sportler XY sei unbesiegbar. Und wenn sich doch eine solche Aussage findet, dann bezieht sich diese, ohne dass dies ausdrücklich gesagt wird, auf die spezielle Sportdisziplin, in der dieser Sportler zu seinem Ruhm gelangt ist. Jede Sportdisziplin verlangt andere Fähigkeiten, um erfolgreich zu sein und man muss nicht den Vergleich eines 100 Meter Sprint zum Ultramarathon  heranziehen, um dies zu verdeutlichen.

Was hat dies mit Geldanlagen zu tun, zu denen eben auch ETFs gehören? Nun, auch der Erfolg von Geldanlagen hängt davon ab, welcher – um beim Vergleich mit dem Sport zu bleiben –„ Disziplin“ man die jeweilige Geldanlage zuordnet.  Betrachtet man Schlagzeilen und Berichterstattung zu ETFs scheint dies aber meist unterzugehen.  In aller Regel wird die Vorteilhaftigkeit der ETFs „nur“ an der Rendite gemessen. Hier – in der Disziplin „Rendite“ -scheinen ETFs zu den unbesiegbaren Spitzensportlern zu gehören.

Mindestens zwei Fragen ergeben sich hier:

Ist dies tatsächlich so? Gibt es keine aktiv gemanagten Fonds, die ETFs in deren Disziplin Rendite schlagen können? Und wenn es so ist, welche praktische Relevanz hat dies für Anleger?

Um uns einer Antwort zu nähern, schränken wir die erste Frage wie folgt ein: Sind passive ETFs, die einen großen Aktienmarkt abbilden, unschlagbar? Um bei der Analogie zum Sport zu bleiben: Eine genauere Beschreibung scheint schon notwendig, denn es gibt nicht den besten Läufer, sondern den besten Sprinter und den besten Langstreckenläufer. Der „große Aktienmarkt“ muss jetzt noch genauer definiert werden. Hier wählen wir einen sehr großen Aktienmarkt, den der Welt. Alle Aktien der Welt zu betrachten ist aber unpraktikabel und wohl kaum messbar. Eine Einschränkung ist also notwendig, deshalb wird ein Index gewählt, der wesentliche Teile des Weltaktienmarkts repräsentiert. In unserer Betrachtung haben wir den MSCI World gewählt und zwei ETFs betrachtet, die diesen Index abbilden: den Lyxor ETF MSCI World D € und den Amundi ETF MSCI World €.

Jetzt muss aber noch das weitere Teilnehmerfeld in dieser Disziplin bestimmt werden. Dazu haben wir die Aktienfonds ausgewählt, die in dem Auswertungsprogramm FVBS in die Kategorie Internationale Aktienfonds eingeordnet sind. Wir wollten wissen, welche Fonds ein besseres Ergebnis als die ETFs aufweisen, und zwar in Euro gerechnet.

Bei der Aufbereitung der Zahlen zeigt sich aber, dass die Sache mit den Sportdisziplinen einfacher ist als wenn man Ergebnisse von Geldanlagen (und sei es nur in einer einzigen Disziplin) ermitteln möchte. Selbst ein Ultramarathon endet irgendwann. Aber welchen Zeithorizont für die Geldanlagedisziplin „Rendite“ soll man heranziehen?

Fangen wir mit der Betrachtung eines 10-Jahreszeitraums bis zum Juni 2017 an:

Das beste Ergebnis eines aktiv gemanagten Fonds betrug  175,4%. Es handelt sich dabei um den Allianz Global Insights. Dies stellt aber einen absoluten Ausreißer dar, denn der Median aller Fonds betrug 50,14%, was bedeutet, dass die Hälfte aller Fonds ein besseres Ergebnis als 50,14% hatten und die andere Hälfte unter diesem Ergebnis lag. Der ETF Lyxor ETF MSCI World D €  wies ein Ergebnis von 79,07% auf.

Wenn überhaupt kann dieses Ergebnis nur für den Anleger interessant sein, der sein Geld für 10 Jahre investiert und die zwischenzeitliche Entwicklung nicht betrachtet. Weil dies nicht realitätsnah erscheint, haben wir im Weiteren nur die Fonds betrachtet, die in jedem Kalenderjahr von 2013 bis 2016 und im ersten Halbjahr 2017 ein Ergebnis oberhalb des Medians erzielten. Damit reduzierte sich die Anzahl der aktiv gemanagten Fonds deutlich, wie die folgende Übersicht zeigt:

Sortiert ist diese Tabelle danach, welcher der in der Auswahl verbliebenen Fonds über einen Drei-Jahreszeitraum das beste Ergebnis erzielte. Die Tabelle zeigt, dass dies auf zehn Fonds zutraf (gelbe Spalte).

Wenn man aber noch höhere Hürden setzt

und einen aktiv gemanagten international anlegenden Aktienfonds sucht, der

  • im Dreijahresdurchschnitt von 2013 bis 2016 kummuliert ein besseres Ergebnis als die beiden betrachteten ETFs hatte
  • und kumuliert im 10-Jahreszeitraum das beste Ergebnis hatte
  • und in jedem einzelnen Kalenderjahr von 2013 bis 2016 sowie im ersten halben Kalenderjahr 2017 ein besseres Ergebnis als die beiden ETFs hatte (und nicht nur über dem Median lag) bleibt nur ein Fonds übrig, wie die folgende Tabelle zeigt.

Um wieder zum Sportvergleich zurück zu kommen: Weltweit in Aktien investierende ETFs sind generell in Hinblick auf die Disziplin „Rendite“ vielfach den aktiv gemanagten Fonds überlegen, jedenfalls wenn wir den Wettkampf wie in diesem Vergleich definieren:

Es ging hierbei um die aufsummierte 10-Jahres-Wertentwicklung, wobei nur aktiv gemanagte Fonds betrachtet wurden, deren Ergebnis im Drei-Jahreszeitraum in der Summe und in einzelnen Jahren über dem Median lagen.

Wenn Ihnen diese „Wettkampfkriterien“ zu eng erscheinen, könnten wir  hier wieder auf die ebenso genauen Regeln für Sportwettkämpfe verweisen. Angebrachter ist aber der Hinweis, dass eine solche Eingrenzung des „Wettkampfs“ in der Realität häufig den Vorstellungen der Anleger entspricht.

Welcher Betrachtungszeitraum?

Allerdings ergibt sich hieraus eine weitere Überlegung in Hinblick auf die üblichen Vergleiche von ETFs und aktiv gemanagten Fonds, denn alle Untersuchungen müssen zwangsläufig den Untersuchungsgegenstand und den Betrachtungszeitraum definieren. Dies wiederum bedeutet, dass Sie bei allen Vergleichen von passiven ETFs mit aktiven Fonds sich sehr genau anschauen sollten, welche Zeiträume betrachtet wurden.  So erscheint uns – die auch hier vorgenommene Betrachtung – der Wertentwicklung für Kalenderjahre vom 1. Januar bis 31. Dezember nicht repräsentativ für den einzelnen Anleger. Dieser investiert zum Beispiel zum 15. März oder 20. August selten aber genau zum 1. Januar, und dann können die Ergebnisse schon wieder anders aussehen. Etwas mehr Realitätsnähe ergibt daher die Betrachtung rollierenden Zeiträume, wobei auch hier wieder meist der Monatserste gewählt wird.

Mögliche Gründe für das gute Ergebnis

Natürlich können Vergangenheitswerte niemals verlässlich Auskunft über eine zukünftige Wertentwicklung liefern. Allerdings kann man, wie es in der Management-Ratgeber-Literatur üblich ist, versuchen zu erkunden, was die Gründe gewesen sein könnten, weshalb der Sieger, hier der Allianz Global Insights A €, so erfolgreich gewesen sein könnte. Man müsste dazu nach Eigenschaften suchen, die andere weniger erfolgreiche Fonds nicht hatten. Diese Eigenschaften müssen natürlich nicht kausal für den Erfolg sein, sondern könnten auch zufällig maßgebend für den Erfolg gewesen sein oder bei genauer Betrachtung sogar irrelevant. Deshalb keinen Versuch zu unternehmen, zu ergründen, was diesen Fonds möglicherweise zum Erfolg verholfen hat, hieße aber auf einen möglichen Erkenntnisgewinn zu verzichten.  So etwas halten wir für gerade im Finanzbereich für fatal. Wie die Vergangenheit zeigt, brauchen wir deutlich mehr Erkenntnisse. Diese Aufgabe sehen wir aber primär für die Wissenschaften und dann hätten die Medien und Journalisten die Aufgabe diese Erkenntnisse zu verbreiten, wobei noch Verbände und zum Beispiel Verbraucherschutzorganisationen dazwischen stehen.

Weil aber „abwarten auf einen Idealzustand nicht gilt“, wollen wir hier zwei Eigenschäften des Fonds hervorheben, die möglicherweise zum Erfolg beigetragen haben:

  1. Der Fonds orientiert sich nicht strikt an der Benchmark  MSCI World sondern am MSCI AC World Total Return net. Dieser Index ist gegenüber dem MSCI World um die Schwellenländer erweitert.
  2. Der Fonds hatte in der Vergangenheit mehrfach die Merkmale gewechselt. Es gibt diesen Fonds mit unterschiedlichen Anlageschwerpunkten seit dem September 1999. In der Wesentlichen Anlegerinformation wird darauf explizit hingewiesen:

Vergleicht man den Fonds auf lange Sicht, seit seinem Bestehen, mit dem Durchschnitt der international anlegenden Fonds so scheint er auf den ersten Blick allerdings doch weniger vorteilhaft:

Dies ändert sich mit Verkürzung des Betrachtungszeitraums, wie unsere kleine Untersuchung gezeigt hat, schließlich war er hier der deutliche „Sieger“.  Aber auch die Betrachtung längerfristiger Charts zeigt eine im Vergleich zum Fondsdurchschnitt deutlich bessere Entwicklung. Hier die letzten 15 Jahre:

Insoweit könnte man meinen, dass eine Lernfähigkeit des Fonds zu deutlich besseren Ergebnissen führen kann. Dazu wäre es wiederum erforderlich zu wissen, ob es Fondsmanagerwechsel gegeben hatte. Das haben wir bis dato nicht recherchiert. Zunächst mag die Erkenntnis ausreichen, dass Strategiewechsel durchaus zu überdurchschnittlichen Erfolgen führen kann. Ein Strategiewechsel kann natürlich auch zu Misserfolgen führen, dennoch sollte Überlegungen auf diesen Aspekt nicht vernachlässigt werden, denn zumindest seit 2016 gab es erkennbar bessere Renditeergebnisse bei diesem Fonds als in den genannten ETFs.

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