ETFs und was uns die Geschichte lehrt


Google zeigt es uns. Wer eine Suche nicht nur mit einem einzelnen Stichwort eingibt, sondern gezielt einen Satzteil als Suche eingibt, bekommt häufig nur ähnliche, nicht aber passgenaue Ergebnisse. Geben Sie als Suche allerdings „ unaufhaltsamer Siegeszug der ETFs“ ein, so erhalten Sie sogleich passgenaue Ergebnisse:

Die Geschichte aber zeigt uns, dass es noch nie einen unaufhaltsamen Siegeszug gab. Dies gilt für Produkte und für Nationen.

Nun ist es bei Produkten häufig so, dass alte Produkte nur durch bessere neue Produkte abgelöst werden. Das ist nicht weiter schlimm. Gut für die Konsumenten, schlecht nur für die Produzenten, die den Wandel verschlafen haben.  Für Nationen dagegen kann es schon ganz anders aussehen, wenn der „unaufhaltsame“ Siegeszug endet.

Ist also der „unaufhaltsame“ Siegeszug der ETFs kein Problem? Denn was sind die börsengehandelten ETFs anderes als Produkte. Nun, sie sind Produkte, aber eine spezifische Art von Produkten: Finanzprodukte.

Und hier kann ein Ende des Siegeszug sehr viel gravierendere Auswirkungen haben, als wenn ein Siegeszug eines klassischen Konsumprodukts endet. Man nehme als Beispiel den „Siegeszug“ von verbrieften Hypothekenkrediten in den USA, der mit der Lehman Pleite am 15. September  2008 endete und die Welt in eine der größten Finanzkrisen überhaupt stürzte.

Aber was war eigentlich so schlimm an den verbrieften Hypothekenkrediten?

Grundsätzlich waren sie eine gute Idee. Kredite, die durch Immobilen besichert waren, wurden gebündelt und damit diversifiziert, und dann verkauft. Eigentlich doch keine schlechte Idee:  Ein einfaches Anlageprodukt, welches gute Rendite versprach, innerhalb eines Marktsegment breit gestreut war  und wahrscheinlich günstiger zu kaufen war, als würde der Anleger sich selbst ein individuelles Paket von einzelnen Anleihen zusammen stellen . (Anmerkung: Das ist nicht ironisch gemeint).

Das Problem war nur, dass es sehr viel gehandelt wurde, aufgrund seiner einfachen Konstruktion sehr beliebt war und kaum jemand sehr genau in diese Pakete reinschaute.

Besteht hier unter Umständen nicht Ähnlichkeit zu ETFs?

Als Vorteil der ETFs gelten: Rentabel, einfach und preisgünstig. An diesen Vorteilen gibt es tatsächlich nichts auszusetzen. Nur dies ist nicht gleichbedeutend damit, dass alle ETFs auch sicher sind und es heißt auch nicht, dass von ETFs keine Gefahren für das Finanzsystem ausgehen können.

Auf die Gefahren für das Finanzsystem wollen wir hier nicht weiter eingehen, aber durchaus renommierte Quellen weisen daraufhin:

Für den einzelnen Anleger und auch für den normalen Finanzberater ist es nun nicht unbedingt verpflichtend,  sein Geld so anzulegen, dass das Finanzsystem nicht weiter gefährdet wird. Und der individuelle Geldbetrag, den ein einzelner Privatanleger investiert, wird auch nicht ursächlich für die nächste denkbare Krise sein. Aber sollte doch eine Krise durch ETFs entstehen, ist es mit Sicherheit nicht vorteilhaft, wenn man gerade dann in der Anlageform investiert ist, die der Auslöser der Krise ist.

Was ist also zu tun?

Zunächst einmal sollte der Fehler vermieden werden, den selbst institutionelle Anleger gemacht hatten, die seinerzeit in Lehman-Papiere investiert haben. Jeder Anleger sollte sehr genau schauen, wie sein Geld innerhalb der ETFs angelegt ist. Und einen guten ersten (leider nicht immer ausreichenden)  Anhaltspunkt bieten die Unterlagen einiger Gesellschaften, die ETFs anbieten. Vorbildhaft ist hier zum Beispiel die Investmentfondsgesellschaft Templeton, die selbst für eher konventionelle ETFs aus dem Aktienbereich schreiben:

Unseren Beitrag hierzu können Sie in unserem Geldanlage-Katalog lesen, wenn Sie auf dieses Bild klicken

Aber selbst in den speziell für Privatanleger erstellten „Wesentlichen Anlegerinformationen“ finden sich zu einem Rohstoff-ETF folgende Aussagen:

Wirklich ausreichend, um die Risiken einzuschätzen sind diese Ausführungen unserer Meinungen nach noch nicht, aber möglicherweise zeigen Sie doch auf, dass ETFs durchaus nicht so einfache Anlageformen sind, wie vielfach propagiert wird. Wir halten sehr viele ETFs für wesentlich komplizierter als klassische Investmentfonds.

Und in diesem Zusammenhang denken Sie bitte daran: Sie sollten nur kaufen, was Sie wirklich verstehen (oder Ihnen sehr verständlich und umfassend erklärt wird) und nicht etwas, was sich nur dadurch auszeichnet, dass es preiswert ist und eine rentablere Anlageform sei.

Wenn Sie ETFs kaufen sollten Sie mindestens wissen:

  • was der Unterschied zwischen replizierenden und synthetischen ETFs ist
  • was Swaps sind
  • wie Wertpapierleihe funktioniert
  • in welchem Umfang Derivate enthalten sind
  • wozu Derivate eingesetzt werden
  • ob und in welchem Umfang der ETF andere Papiere als im zugrundeliegenden Index kaufen darf
  • mit welchen Marketmakern der ETF Vereinbarungen abgeschlossen hat

Sie sollten natürlich auch wissen, welche konkreten Auswirkungen daraus entstehen können. Und ganz nebenbei sollte man sich dann auch fragen, ob verschiedene Verbraucherberatungen diese Antworten wirklich parat haben, wenn sie ETFs empfehlen.


P.S. Natürlich können Sie auch über uns ETFs erwerben. Sie sollten dann aber wissen, was dies bedeutet. Und auch wenn es kompliziert ist, wir erklären Ihnen dies gern vor Ihrer Entscheidung. Aber haben Sie bitte auch Verständnis, wenn wir Ihnen einmal davon abraten, ETFs zu kaufen.

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