Bleibt in der nächsten Finanzkrise nur den sehr Reichen die Möglichkeit zur Flucht in das Betongold?


Fast 10 Jahre nach dem Zusammenbruch der Lehman-Bank und dem Fast-Zusammenbruch einiger Deutscher Banken mag man das Wort „Finanzkrise“ nicht mehr hören und fragt sich vielleicht auch, ob das Gerede über einen erneuten Crash nicht nur Gerede ist. Dazu kommt,  wer sich nur abwartend verhielt, hat auch verschiedene Chancen verpasst, um Rendite zu erzielen.

Sollte man daher die  Fragestellung „Ist eine erneute Finanzkrise und/oder Bankenkrise immer noch möglich“ ad acta legen?

Damit nicht wieder die EZB als Feuerwehr ausrücken muss, um Banken zu retten, wird ein Gesetz zum Schutz vor Immobilienblasen erlassen. Müsste dies Gesetz nicht als Schutzgesetz für Banken bezeichnet werden?

Der Gesetzgeber negiert dieses Thema nicht. Im Gegenteil, er trifft Vorbereitungen. Und wieder könnte es speziell den Mittelstand und gehobenen Mittelstand treffen, wie dies schon die Folge der Rettungsmaßnahmen aus dem Jahr 2008 der Fall war. Gerade diese Bevölkerungsgruppe hatte und hat die meisten Lasten in Form der anhaltend niedrigen Zinsen tragen müssen. Warum definieren wir diese Gruppe als Hauptleidtragende? Nun, Haushalte mit geringen Einkommen können kaum sparen und daher haben niedrige Zinsen auch etwas weniger Bedeutung für sie. Die wirklich Reichen dagegen – und um wirklich reich zu sein, muss man heute schon ein Vermögen von mehreren Millionen haben – achten bei der Strukturierung ihrer Geldanlagen weniger auf Zinsen und vielmehr auf Rendite. Ein Großteil derer Vermögenswerte ist also anders angelegt als in Zinspapieren.

Wenn nun eine neue, denkbaren Finanzkrise drohen könnte – und wie gesagt – speziell der Finanzminister sorgt hier – wenig von der Öffentlichkeit beachtet  – vor, könnte es nun wieder den Mittelstand treffen.

Zweifelsohne bieten Immobilien im Falle einer größeren Finanzkrise Vorteile gegenüber vielen anderen Formen der Geldanlage.

Aber genau diese Anlagemöglichkeit kann, wenn Gefahr droht, für viele Menschen nicht mehr zugänglich sein. Im Falle einer drohenden Immobilienblase können folgende Regelungen zum Tragen kommen:

  1. Es kann eine Obergrenze für die Darlehenshöhe bezogen auf den Immobilienwert festgelegt werden.
  2. Es kann weiter eine Vorgabe für den Zeitraum festgelegt werden, innerhalb dessen der Kredit getilgt werden muss.

Ausgenommen von dieser Regelung werden lediglich Darlehen bis 50.000 €. Darlehen bis 200.000 € werden ebenfalls ausgenommen, wenn der Beleihungswert unter 80% liegt. Bei Darlehen bis 400.000 € muss der Beleihungswert unter 60% liegen.

Beide Regelungen sollen offensichtlich den Kauf von Immobilien deutlich erschweren, wenn dazu ein Kredit aufgenommen werden muss. Es ist offensichtlich, dass hierdurch für die „ganz Reichen“ der Erwerb von Immobilien nicht sonderlich erschwert wird, denn sie haben die nötigen Mittel, um eine Immobilie ohne Kreditaufnahme zu erwerben. Ganz anders sieht dies natürlich für den Mittelstand aus.

Möglicherweise fragen Sie sich an dieser Stelle, weshalb wir einleitend von einer Finanzkrise gesprochen haben, wo wir dann im Folgenden „nur“ von einer Immobilienblase sprechen?

Nun, dies ergibt sich aus der Begründung dieses Gesetzes (1), die auf der Internetseite des Deutschen Bundestages  zu finden ist:

„In vielen europäischen Ländern sind faule Immobilienkredite bei Banken ein Problem und belasten Kreditinstitute bis an den Rand der Zahlungsunfähigkeit. Damit es in Deutschland nicht so weit kommt, hat der Bundestag am Donnerstag, 30. März 2017, ein Maßnahmenbündel beschlossen, um Gefahren für die Finanzmarktstabilität im Immobilienbereich abwehren zu können.“ (2)

Eine Belastung von Kreditinstituten bis an den Rand der Zahlungsunfähigkeit … dies kann man einfacher formulieren: „Drohenden Bankenpleiten soll durch dieses Gesetz vorgebeugt werden.“ Womit wir beim Thema Finanzkrise sind.

Es ist also nicht primär das Ziel dieses Gesetzes, den Preisanstieg von Immobilien zu begrenzen, sondern die Banken davor zu bewahren, Kredite zu vergeben, die an Wert verlieren, weil die Zinsen und Tilgungen von den Schuldner nicht mehr erbracht werden können.

Bezogen auf Immobilienkredite von Privatpersonen erscheint diese Argumentationslinie aber seltsam. Unabhängig von der absoluten Höhe der Immobilienpreise werden Banken in aller Regel keine Kredite vergeben, wenn der Darlehensnehmer nicht nachweist, die Belastungen tragen zu können. Prüft die Bank korrekt und ändern sich die gesamtwirtschaftlichen Verhältnisse nicht wesentlich, dürfte es nur in Einzelfällen zu Kreditausfällen bei den Banken kommen. Einzelfälle bringen Kreditinstitute aber nicht an den Rand der Zahlungsunfähigkeit.

Gefahren für Banken ergeben sich eher bei Betrachtung der Auswirkungen auf deren Bilanzen.

Das sich die Bankenkrise in deren Bilanzen widerspiegelt, zeigte Prof. Dr. Matthias Schmidt auch 2009 nach der Bankenkrise eindrucksvoll mit diesem Auszug aus einem seiner Vorträge.

Denn wenn nach dem Platzen einer Immobilienblase die Immobilienwerte sinken, entstehen potentielle Vermögensverluste der Banken. Denn die Forderungen der Banken (Kredite, die Banken vergeben, sind Forderungen) verlieren an Wert. Ausgleichen könnten dies Banken natürlich durch mehr Eigenkapital. Aber Bildung von zusätzlichem Eigenkapital ist aus Sicht der Eigentümer der Banken wenig lukrativ, denn wenn man einen Gewinn in Höhe von X macht, ist die Rendite für die Bank bei wenig eingesetztem Eigenkapital viel höher, als wenn die Banken mit mehr Eigenkapital arbeiten.

Also dann doch lieber, wenn es sich wieder einmal zeigt, dass die Banken sich übernommen haben, dem Normalbürger den Zugang zu der relativ krisensicheren Immobilie erschweren. Der Sparer kennt es ja schon, dass er immer wieder für Fehler der Banken aufkommen muss. Aktuell mit den niedrigen Zinsen für seine Bankguthaben. In Zukunft vielleicht damit, dass er gerade dann keine Finanzierung für eine Immobilie bekommen wird, wenn er diese als Kapitalschutz erwerben möchte.

Die mögliche Ironie dieser Vorgehensweise könnte darin liegen, dass mehr Sparer und Anleger diesen Hintergrund erkennen könnten und noch möglichst bald, vor einer Inkraftsetzung der Schutzmaßnahmen, eine Immobilie erwerben, womit deren Preise weiter steigen und dann zur Vermeidung von Gefahren für Banken, die gesetzlich verankerten Maßnahmen zum Tragen kommen. Und nachdem dann die Kreditvergabe erschwert wird, setzt dann also möglicherweise noch einmal ein Run der vermögenderen Bürger auf Immobilien ein. Sollte dann trotz des neuen Gesetzes die Immobilienblase platzen, sind zunächst einmal die Immobilienbesitzer auf der sicheren Seite, die eine gut vermietete und gut vermietbare Immobilie schon besitzen. Auf dem Papier ist deren Immobilie dann weniger wert, aber die Erträge haben sie dennoch weiterhin.

Damit hat das „Gesetz zur Vermeidung von Immobilienblasen“ etwas von einer sich selbsterfüllenden Prophezeiung.  Ob die Banken durch das Gesetz diese Situation gefahrlos überstehen, hängt sicher stark vom Timing ab, wann die entsprechenden Maßnahmen angeordnet werden. Unabhängig davon ist aber die Frage, inwieweit das Vertrauen der Bürger in das Finanzsystem weiter geschädigt wird. Sollte dies der Fall sein, so wäre bei Aufhebung der Maßnahmen eine erneute Flucht in Immobilien denkbar. Und dann? Erneut eine Einschränkung der Kreditvergabe für den Immobilienerwerb?

Keine rosigen Aussichten.

So bleibt nur die Hoffnung, dass möglichst wenige merken, dass das Gesetz zur Vermeidung von Immobilienblasen, ein Gesetz zum Schutze der Banken ist.


 Dieser Beitrag erschien zuerst als Kommentar zur Finanzwelt in dem FORAIM-Newsletter Juli 2017. Regelmässig werden in der Rubrik „Kommentar zur Finanzwelt“ Entwicklungen aus der Welt der Ökonomie und Finanzen unter Blickwinkeln betrachtet, die nicht dem Mainstream entsprechen. Den Newsletter können Sie kostenfrei abonnieren: Klicken Sie hier

(1) Gesetz zur Ergänzung des Finanzdienstleistungsaufsichtsrechts im Bereich der Maßnahmen bei Gefahren für die Stabilität des Finanzsystems und zur Änderung der Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie (Finanzaufsichtsrechtergänzungsgesetz)


Warum ordnen wir diesen Beitrag derKategorie „Alte Welt der Finanzen“ zu, wird hier doch ein denkbares zukünftiges Szenario beschrieben? Dahinter steht die Hoffnung, dass die „Neue Welt“ aufgeklärter und offener sein wird. Warum wird den Menschen nicht schon heute gesagt, wie fragil Zusagen sind, dass das Geld auf Banken sicher sei. Dieses Versprechen einzuhalten, kostet viel Geld und kann wie der Artikel zeigt zu – ungewollten? – Verteilungseffekten führen. Hoffen wir eine „Neue Welt“ wird ehrlicher, auch wenn Sie nicht gleich „sicherer“ wird.

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