Wird die Zukunft der Arbeit auch Auswirkungen auf ein zukunftsfähiges Aktiendepot haben? Oder was Friedrich und Weik vielleicht nicht im Blick haben


„Bestimmend für die Wissensgesellschaft (gemäss Peter F. Drucker) ist der Umstand, dass im Gegensatz zur klassischen Industriegesellschaft nicht mehr fixes Sachkapital verwertet wird.“

Peter Ferdinand Drucker war ein vielfach ausgezeichneter amerikanischer Ökonom. Laut Wikipedia  gilt er als ein Pionier der modernen Managementlehre.

Das einleitende Zitat verwendet  der Physiker und Ethnologe Benno Luthiger in einem Beitrag in der Zeitschrift Schweizer Monat über die  Zukunft der Arbeit (1).  Mit allem, was er dort ausführt, stimme ich nicht unbedingt überein (2). Allerdings scheint es richtig zu sein, wie Luthiger weiter in dem Beitrag ausführt, dass  Wissens- und Humanes Kapital für die künftige Produktivität entscheidend sein wird:

„Die Dynamik in der Wissensgesellschaft wird dagegen durch Wissens- und Humankapital vorwärtsgetrieben.“

Genau dies zeigt sich bereits heute sehr deutlich in der Zusammensetzung der Wertepositionen innerhalb der Unternehmen, die sich in dem großen amerikanischen Aktienindex   S&P 500 befinden. Spätestens seit dem Jahr 2005 macht der Anteil an immateriellen Werten 80%, der Anteil der Sachwerte nur 20% aus, wie wir in unserem Beitrag „Die Mär von den Sachwerten“ in diesem Blog vor geraumer Zeit gezeigt haben.

Immaterielle Werte sind aber wie der Name schon sagt, keine Sachwerte, aber dennoch das unmittelbare Ergebnis der menschlichen „Wissensarbeit“. Wer dann aber Aktien als Sachwerte beschreibt wie etwa die bekannten Autoren Friedrich & Weik dies in der Beschreibung Ihres  Wertefonds  tun, muss sich fragen lassen, ob diese Depotzusammenstellung zukunftsträchtig ist:

„Daher setzt sich das Anlageportfolio neben physischen Edelmetallen und Aktien aus weiteren Sachwerten, wie beispielsweise Immobilien, Wald, Ackerland und Diamanten,…  (3)

Aber auch altgediente und durchaus erfolgreiche Fondsmanager setzen Aktien mit Sachwerten gleich, wie etwa Christoph Bruns dies mit der Überschrift „Die Aktie ist die Königin der Sachwerte“ in einem Beitrag des Handelsblatt zum Ausdruck gebracht hat (4). Allerdings, er sprach dort von dynamischen Sachwerten, und mit dem Begriff Dynamik ist er durchaus auf der richtigen Spur.

Um nicht zu ironisch zu werden. Der Begriff Sachwerte wird mir viel zu oft dann in das Spiel gebracht, wenn die Zukunft mit einem Angstszenario beschrieben wird. Bei Bruns ist dies sicher nicht der Fall, bei Friedrich & Weik wohl schon. Oder wie sonst wäre der Titel ihres Buches zu interpretieren:  „Der Crash ist die Lösung: Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten.“  Ein wenig soll an dieser Stelle auf den Widerspruch in dem Buchtitel eingegangen werden.

Allgemein wird unter Final das Ende verstanden. Am Ende ist „alles“ vorbei, und im besten Fall fängt es „neu“ an. „Neu“ kann aber wirklich neu bedeuten, was auch bedeutet, dass wirtschaftliche, rechtliche und kulturelle Rahmenbedingungen sich ändern. Und dann soll sichergestellt sein, dass man mit dem alten Rezept „Sachwerte“ sein Vermögen rettet??? Nun, es scheint mit etwas Nachdenken viele Szenarien zu geben, wo dies nicht mehr funktionieren wird. Man denke zum Beispiel an das Verbot des Goldbesitzes in den USA (5).

Allerdings, das menschliche Wissen und Know-how wird nicht unbedingt verschwinden. Und wieso sollte in einem – vielleicht doch nicht endgültigen Finale 🙂 – zum Beispiel das Internet völlig verschwinden? Doch, ich kann mir sehr gut vorstellen, dass auch nach einem größeren Finanzcrash die Wissensgesellschaft  weiterexistieren wird. Und dann können –zumindest nach einer Übergangsphase – immaterielle Werte wieder eine zentrale Bedeutung für den Erfolg von Unternehmen und deren Aktien gewinnen.  So wie es sich heute schon abzeichnet, und wie es sich aus der Zusammensetzung des S&P 500 ergibt.

Man kann ein Unternehmen durchaus als Sache bezeichnen, dann hätte Sachwerte schon eine Bedeutung für ein zukunftsträchtiges Depot. Allerdings unter „Sache“ verstehen die meisten Menschen wohl eher etwas dinglich Greifbares, eben etwas Materielles, und genau dies wird in einer zukünftigen  Wissensgesellschaft relativ weniger Wert haben.

Wissen Sie als Anleger oder Sparer, ob die Berater, Buchautoren, Fondsmanager und Vermögensverwalter unter Sachwerten genau dies verstehen:

Ein Unternehmen mag eine Sache sein, also ein Sachwert, aber der Wert des Unternehmens wird nicht durch die Sachen (materielle Gegenstände) bestimmt, sondern durch die „Nicht-Sachen“, eben die immateriellen Werte.

Wenn der Berater, die Buchautoren, die Fondsmanager und die Vermögensverwalter, denen Sie  vertrauen genauso denken, dann wären Sie in Anlehnung an das anfängliche Zitat von Peter F. Drucker in Hinblick darauf, dass die Zukunft eine Wissensgesellschaft sein wird, wohl voraussichtlich richtig positioniert.

Aber eine solche Argumentation ist leider nicht genug „angstbasiert“, um sich gut zu verkaufen.


(1) Schweizer Monat: Schöne neue Arbeitswelt

(2) Die Nichtübereinstimmung bezieht sich im Wesentlichen auf seine Position zum BGE (Bedingungslosen Grundeinkommen)

(3) Aus der Webseite zum Friedrich&Weik Wertefonds

(4) Christoph Bruns  im Handelsblatt „Die Aktie ist die Königin der Sachwerte“

(5) Umfangreiche Ausführungen zum Goldverbot finden sich bei Wikipedia

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