Trump, Provisonsabgabeverbot bei Versicherungen und arme Schweine.


Etwas sehr überraschend gibt es eine Kehrtwende. Es schien so, als würde die moderne Welt auch im Versicherungsbereich ankommen. Immerhin plante das Bundesfinanzministerium ein noch aus dem Jahre 1934 stammendes Gesetz im Sommer nächsten Jahres aufzuheben. Fortan sollte es legal möglich sein, dass Versicherungsvertreter oder Versicherungsmakler einen Teil ihrer Provisionen, die sie bei Abschluss eines Vertrages von der Versicherungsgesellschaft erhalten, dem Kunden abzugeben. Wer dies in der Vergangenheit tat, befand sich zumindest bis zum 11. November in einer Grauzone. Ab diesem Datum hat das Oberlandesgericht Köln die Provisionsabgabe für zulässig erklärt.

Provisionen werden üblicherweise als Vergütung für die Beratungsleistung des Versicherungsvertreters oder Maklers angesehen. Natürlich ist es gerechtfertigt, dass jeder der in unserem Wirtschaftssystem beruflich tätig wird (ohne Ironie: auch eine Versicherungsvermittlung stellt Arbeit dar) eine Einnahme erzielen muss, um sein Unternehmen und seine Existenz zu finanzieren.

Soweit die Versicherungsvermittlung auf selbstständiger Basis  oder auf Basis einer Handelsvertretung erfolgt, greift aber die Betrachtung, dass Provisionen nur eine Vergütung für Beratungsleistungen sind zu kurz. Wie in jedem Unternehmen hat eine Versicherungsvermittlung nicht nur Kosten, die direkt dem Absatz eines Produktes zuzuordnen sind. Mit der Vermittlungsprovision wird also nicht nur das Beratungsgespräch als solches finanziert, sondern z.B. auch die Bürokosten und die Marketingkosten. Denn natürlich muss auch ein selbstständiger Versicherungsfachmann Marketing und Werbung machen. Es handelt sich hierbei also um einen Betrieb, der mit vielen anderen Unternehmen zu vergleichen ist.

Der folgende Vergleich wird bei vielen meiner Kollegen sicherlich Einwände hervorrufen. Lassen Sie uns dennoch zunächst unvoreingenommen den Weg gehen und einen Vergleich mit dem Lebensmittelhandel vornehmen. Die meisten Leser werden sich noch an Geschäfte erinnern, in denen man bei einer eingeschränkten Auswahl an Produkten von Fachleuten bedient und beraten wurde. Spontan mag man hier z.B. an Metzgereien denken. Dies traf aber auch auf  viele so genannte Tante-Emma-Läden zu. Metzgereien findet man immer noch, Tante-Emma-Läden dagegen kaum noch. Heute kauft man in Supermärkten. Dabei haben sich sogar ehemals verpönte Discounter etabliert und nicht nur diejenigen, die  ein sehr geringes Einkommen haben, kaufen bei Aldi, Lidl und Co.

Gerade bei den letztgenannten Läden darf man natürlich keine Beratung, aber meiner Kenntnis nach durchaus qualitativ gute Lebensmittel, erwarten. Qualitativ ordentliche Lebensmittel und ein zunehmendes Angebot an Bioprodukten und Produkten aus der Region  haben nach überwiegender Meinung eine hohe Bedeutung für unsere Lebensqualität und Gesundheit. Sie sind also essenziell.

Zweifels ohne sind auch gewisse Versicherungen essenziell. Die Sinnhaftigkeit  einer Wohngebäudeversicherung, Haftpflichtversicherung und auch Berufsunfähigkeitsversicherung wird kaum bezweifelt.

Allerdings Essen und Trinken ist noch bedeutsamer.

Wie konnte man es da eigentlich zulassen, dass derartige Produkte (Lebensmittel) – wenn auch reglementiert- ohne Beratung verkauft werden. „Ein solches Wagnis, sich auf mündige Bürger einzulassen“, hat sich aber gelohnt. Niemals wären Tante-Emma-Läden in der Lage gewesen, Lebensmittel derart günstig zu verkaufen wie es eben heute die Discounter tun.

Warum traut sich also die heutige Politik nicht, ein solches Wagnis im Versicherungsbereich einzugehen? Die Reglementierung von Produkten gibt es auch heute schon im Versicherungsbereich, so wie es sie im Lebensmittelbereich gibt. Die Informationsquellen für Verbraucher auch hinsichtlich Versicherungen sind umfangreich nicht zuletzt durch das Internet vorhanden. Und dann gibt es ja auch noch eine sehr spezialisierte Verbraucherberatung.

Das Provisionsabgabeverbot im Versicherungsbereich wird unterschiedlich begründet. Ein Verbot der Provisionsabgabe soll den „nun doch nicht so mündigen Bürger“  abhalten, ein Produkt nur deswegen zu kaufen, weil er Geld dafür gleich bekommt (einen Teil der Provision). Sie soll aber auch sicherstellen, dass der angeblich unabdingbar persönliche Versicherungsberater existieren kann. Man mag dies alles positiv beurteilen und es gibt sicherlich noch weitere zum Teil durch aus beachtenswerte Argumentation pro Verbot der Provisionsabgabe.

Hierbei wird jedoch die Chance übersehen, dass sich bei Fortfall des Provisionsabgabverbots ein Markt entwickeln könnte, der Versicherungen preiswerter anbieten kann. Warum sollte es nicht so etwas wie Lebensmitteldiscounter auch im Versicherungssektor geben? Warum also nicht ein wenig Preiskampf, so wie es diesen zwischen Discountern und Tante-Emma-Läden gab.

Ich weiß, jetzt werden aus einer bestimmten Ecke die Argumente kommen, dass dann der Versicherungsnehmer schlechte und/oder nicht alle wichtigen Versicherungsprodukte kauft. Aber auch im Lebensmittelhandel wird den Menschen die Freiheit gelassen, Waren einzukaufen, die einer gesunden Lebensführung nicht zuträglich sind. Dennoch bleibt der Vorteil, dass der informierte Bürger durch Discounter preiswerter zu Lebensmitteln kommt.

Preiswerte Lebensmittel sind übrigens gerade für den Teil unserer Mitbürger wichtig, die in vielen aktuellen Zeitschriftenbeiträgen als diejenigen bezeichnet werden, die das Establishment oder die so genannte Elite in der Vergangenheit nicht mitgenommen, nicht beachtet oder nicht überzeugt hatte. So konnte zum Beispiel in den USA Herr Trump zum Präsident gewählt werden (Diese Argumentationsline ist in jedenfalls häufig in den Medien zu finden). Und dann kommen auch hier die Bedenken zum Tragen, ob in Deutschland und oder Europa  nicht ähnliches passieren könnte.

Ist es in dieser Situation tatsächlich passend, denjenigen den Zugang zu noch preisgünstigeren Versicherungsleistungen versperrt zu halten, die wirtschaftlich nicht so gut gestellt sind, in dem ein Provisionsabgabeverbot weiterhin bestehen bleibt?

Zu hoffen bleibt für das aktuell so genannte Establishment oder die Elite, dass der andere bisher vergessene der Teil unserer Bevölkerung diese potentielle Benachteiligung nicht bemerkt.

Ach ja, die armen Schweine:

Diese Aussage in der Überschrift soll natürlich nicht vergessen werden. Es wäre eine absolute Fehlinterpretation würde man den Ausdruck arme Schweine auf eine bestimmte Gruppe von Menschen unserer Bevölkerung beziehen. „Die armen Schweine“ sind wörtlich gemeint. Wenn es einen Grund gibt Preise künstlich hoch zu halten, warum denkt man dann nicht auch an die Lebewesen Tiere.

Wir sind an dieser Stelle wieder bei dem Vergleich, den wir zu dem Lebensmittelhandel gezogen haben. Die von vielen als inakzeptabel empfundene Massentierhaltung ermöglicht es erst, dass Fleischprodukte extrem billig sind. Wenn der Gesetzgeber, das Establishment, die Elite oder wer auch immer der Meinung ist,  Maßnahmen ergreifen zu müssen, um billige Preise zu verhindern, sollte er sich vielleicht besser diesen Bereich vornehmen, als ausgerechnet den Versicherungsbereich.

Natürlich wäre damit den Teilen der Bevölkerung, die über ein geringeres Einkommen verfügen, auch nicht geholfen. Aber dies gehört dann zu dem Bereich Umverteilungsdiskussion, die wir in vielen anderen Beiträgen in diesem Blog immer wieder angesprochen haben.

Es muss allerdings noch erwähnt werden, dass die Begründung zur Aufrechterhaltung des Provisionsabgabeverbotes auch in der gewünschten Trennung von Versicherungsvermittlung und Versicherungsberatung auf Honorarbasis abstellt. Im Hinblick auf die bisherige Argumentation scheint dies allerdings nicht stichhaltig. Denn gerade der Teil der Bevölkerung, der über weniger Einkommen verfügt,  wird unsere Einschätzung nach nicht in der Lage und oder nicht bereit sein Honorar zu zahlen. Preiswerter werden die Versicherungen für diese Menschen also nicht.

Die Politik sollte also bedenken, dass dieser Teil unserer Bürger somit  – zwar mehr oder weniger gut gemeint –  in Zukunft keine billigeren Versicherungen abschließen kann.

Zur Wahl gehen werden diese Menschen aber schon.

Nun ja, so wie nicht jeder Bürger unseres Landes alles haben kann (preiswerte Lebensmittel und preiswerte Versicherungen), kann vielleicht auch das Establishment dann nicht mehr alles haben (zum Beispiel Sitze im Bundestag).

Wir wünschen uns dies natürlich auch nicht. Die Möglichkeit, dass Innovationen wie flexible Preisgestaltung durch Abgabe von Provisionen, auch im Versicherungsbereich Fuß fassen, würden wir uns allerdings schon wünschen.


Leider müssen wir mit diesem Beitrag schon wieder einen Artikel der Alten Welt der Finanzen zuordnen.

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