(Nicht nur) ein Physiker zeigt mögliche Irrtümer zur Immobilienblase auf: „Weil wir Geschichten lieben“


Wir Menschen lieben Geschichten.

Und ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass gute Geschichten einen Handlungsstrang haben, hin zu einem beabsichtigten Schluss der Geschichte. Zwar gibt es in allen Geschichten Wendungen, zum Teil überraschend … Das ist wohl beabsichtigt. Wir können dabei und natürlich auch im Laufe der Geschichte Assoziationen zu unserem Leben herstellen und vielleicht sogar Analogien sehen (Analogien lieben wir Menschen übrigens auch:  „Analogien. Dieses Herz des Denkens brauchen wir in der Ökonomie„).  Aber letztendlich wird zum Schluss wieder der Handlungsstrang aufgegriffen. Die Geschichte und vielfach der Roman beginnt mit wenn und endet mit dann.

Vielleicht deshalb auch lieben wir die Geschichte der Immobilienblase. Eine einfache Wenn-Dann-Geschichte:

Wenn die Zentralbanken so viel Geld drucken, dann kommt die Inflation. Wenn die Inflation droht, dann helfen Sachwerte. Weil dies fast alle Menschen wissen, kauft jeder der kann Immobilien. Und die Preise steigen und steigen …

Jetzt, in diesem Zusammenhang noch eine Assoziation zu den USA: Da war doch was zu Beginn dieser immer währenden Finanzkrise, kurz vor Lehman… haben da die Amerikaner nicht wie wild Immobilien gekauft…

Immer sind es Ursachen und Wirkungen, die Geschichten am Leben halten und dies gilt nicht nur für Geschichten, sondern auch für unsere Erklärungen der Wirklichkeit.

Aber aufpassen. Lesen  wir doch einmal etwas von W. Daniel Hillis dazu (1). Zumindest durch seine Profession, Herr Hillis ist Physiker und Informatiker, scheint er berufen zu sein, relevante Aussagen zu Ursachen und Wirkungen zu treffen. Denn beides sind grundlegende Begriffe zumindest in der Physik.

Herr Hillis vertritt bei der diesjährigen Edge-Frage  „Welche wissenschaftliche Idee ist reif für den Ruhestand?“ die Auffassung, dies treffe auf den undifferenzierten Gebrauch der Begriffe Ursache und Wirkung zu. (Edge ist eine Internetplattform, auf der sich führende US-Forscher und Intellektuelle äußern.)

Herr Hillis schreibt:

„Es ist verlockend zu glauben, dass unsere Geschichten von Ursachen und Wirkungen dem Funktionieren der Welt entsprechen. In Wirklichkeit sind sie nur ein Rahmen, den wir zur Manipulation der Welt benutzen und mit dem wir Erklärungen zur Annehmlichkeit unseres eigenen Verstehens nutzen.“

und weiter:

„Die Vorstellung von Ursache und Wirkung versagt, wenn Teile, die wir uns gerne als Outputs vorstellen möchten, die Teile beeinflussen, die wir uns lieber als Inputs vorstellen.“

Kausalität, also der Zusammenhang von Ursache und Wirkung versagt also (nicht nur) seiner Ansicht nach, wenn komplexe und dynamische Systeme betrachtet werden. Ein sehr schönes und lebensnahes Beispiel für ein solches System ist übrigens die Ökonomie. (Womit wir schnell wieder weg vom Thema Physik und bei unserem eigentlichen Blogthema sind.)

Also aufgrund der Annehmlichkeit unseres eigenen Verstehens  machen wir häufig auch die Finanzwelt zu einer Geschichte. Nur die richtige Geschichte – auch die einer Immobilienblase – wird man eigentlich nur vom heute noch unbekannten Schluss her erzählen können.

Vielleicht läuft die Geschichte auch ganz anders.

Dazu muss man nur einmal andere Wenn-Dann- Beziehungen als Möglichkeiten betrachten. Wenn Sie also anders denken möchten, hier zwei Anregungen:

Zunächst aus einer Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK):

„Wenn der langfristige Zins dauerhaft niedriger ausfällt, etwa weil die Weltwirtschaft insgesamt langsamer wächst, so ist ein höherer Immobilienpreis gerechtfertigt“, sagt Sebastian Dullien. Anleger vergleichen die Mietrendite mit jener alternativer Anlagen. Wenn die Zinsen auf Anleihen dauerhaft geringer ausfielen, sei es so nur natürlich, dass Hauspreise stiegen, … „ (2)

Und auch, wenn ich nicht gerade für Goldman Sachs schwärme, aber natürlich weiß, dass Vorurteile auch  Annehmlichkeit unseres eigenen Verstehens  🙂 darstellen:

„Wir sehen keine Anzeichen für eine flächendeckende Blase bei Immobilien in Deutschland. Das wichtigste Zeichen eines Exzesses ist in der Regel der Bau über den Bedarf hinaus, wie man es in Spanien oder den USA gesehen hat. Davon ist nichts zu sehen hier. Selbst die zuletzt wieder starke Bautätigkeit reicht weder aus, das Durchschnittsalter der Baustruktur auch nur zu erhalten noch den Zuzug in die Städte ausreichend zu decken. Die steigenden Preise in städtischen Gebieten haben also einen einfachen fundamentalen Grund.“ (3)

Warum also nicht einmal eine andere Geschichte denken?

Denn eine notwendige, wenn auch nicht hinreichende Bedingung für erfolgreiche Investoren ist:  Anders denken.


(1) Zitate aus: „Welche wissenschaftliche Idee ist reif für den Ruhestand“, herausgegeben von John Brockman

(2) Link zur Studie: „What causes housing bubbles? A theoretical and empirical inquiry“.  Zu diesem Thema haben wir auch auf unserem Blog Geldanlage-Katalog berichtet: Droht eine Immobilienblase? Überraschende Ergebnisse einer neuen Studie

(3) Capital: Was Sparern wirklich hilft

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s