Eine Frage, die sich für Ökonomen und Anleger gerade heute stellen sollte: Kann man aus der Vergangenheit lernen?


Endlich mal etwas für die Rubrik „Neue Welt“ der Finanzen. Nein, nichts zu FinTech etc., nur dazu dass einige Akteure der „Alten Welt“ der Finanzen endlich einmal alte Faustformeln in Frage stellen.

Kann man aus der Vergangenheit lernen? Diese Frage sollte sich jeder Sparer und Anleger stellen. Aber  auf einer übergeordneten Ebene gilt dies auch für Ökonomen und Volkswirte, die mit ihren Theorien direkt oder indirekt den Rahmen und die Grundlagen für Anlageempfehlungen schaffen. Ach ja, diese Frage „Kann man aus der Vergangenheit lernen“ gilt natürlich auch für Politiker, aber das ist ein anderes Thema.

Übrigens ergeben sich aus dieser Konstellation (das sich diese Frage Anleger, Ökonomen und Politiker stellen oder stellen sollten) Rückwirkungen in verschiedenste Richtungen, so dass ein recht komplexes Geflecht entsteht. Dieses Geflecht wäre dann nicht weiter zu beachten, wenn alle genannten Akteure die Frage, ob man aus der Vergangenheit lernen könne, bejahen würden. Wir würden dann entweder eindeutig zu schlechten Ergebnissen gelangen, wenn man tatsächlich nicht aus der Vergangenheit lernen könnte, oder zu Ergebnissen, die eine optimale Entscheidung ermöglichen, wenn man tatsächlich (Richtiges) aus der Vergangenheit lernen könnte.

Aber zurück von dieser eher theoretischen und philosophischen Betrachtungsweise in die reale Finanzwelt.

Wir, FORAIM- die kleine aber anders denkende Finanzberatung aus Hamburg -, haben seit geraumer Zeit gesagt und dies auch publiziert, dass man nur dann aus der Vergangenheit sinnvolle Folgerungen für die Zukunft ziehen könne, wenn alle Rahmenbedingungen, die eine Bedeutung für das wirtschaftliche Handeln haben, in Zukunft die gleichen sind, wie sie es in der Vergangenheit waren. Zum Beispiel in dieser Veröffentlichung aus dem Jahr 2011:

Diese Veröffentlichung können Sie auf unserer Homepage kostenlos abfordern.
Diese Veröffentlichung können Sie auf unserer Homepage kostenlos abfordern.

Zuweilen oder ehrlicher relativ oft, standen wir mit diesem Ansatz etwas allein dar. Nicht zu groß zu sein, ermöglicht zwar einen intensiven persönlichen Kundenkontakt, aber die sogenannte Reichweite ist bei einem kleineren Unternehmen naturgemäß eingeschränkt. Gut für unsere Kunden, schlecht für … !

Nun zeigt aber eine Meldung aus dem Fachmedium Institutionell Money, dass sich auch bei ersten großen Akteuren der Finanzwelt die Erkenntnis durchsetzt, dass man doch nicht ohne weitere aus der Vergangenheit lernen kann.

Die  GAM ist ein international tätiges Schweizer Vermögensverwaltungsunternehmen mit einer Mitarbeiterzahl von mehr als 1000, die insgesamt mehr als 119 Milliarden Schweizer Franken verwaltet. Deren Investment  Director Julian Howard weist daraufhin, dass die altbekannte und auf Zahlenreihen der Vergangenheit resultierende 60%/40%- Regel nicht mehr gilt. Diese Regel besagt, dass es erfolgversprechend sein soll,  passiv sein Geld einfach zu 60% in Aktien und zu  40% in festverzinsliche Wertpapiere anzulegen.  In den letzten 20 Jahren konnte damit in einem USD-Investment immerhin eine Rendite von 6,5% erreicht werden. Howard warnt aber nun, dass dies nicht mehr für die Zukunft gelten wird. (Hier könnenSie den vollständigen Beitrag lesen)

Und auch die – zumindest einige -Volkswirte werden langsam wach. Jedenfalls zeigt sich dies an einem ebenfalls auf Institutionell Money erschienen Artikel dessen Titel lautet:  Professor beantwortet schwierigste Frage der Wirtschaftswissenschaft.

Mit neuen Überlegungen will der New Yorker Ökonomie-Professor Gabaix  die Frage beantworten, ob die Niedrigzinspolitik tatsächlich zum Erfolg führen kann. Dabei bemängelt er die vielfach noch von Ökonomen vertretene Ansicht, der Mensch verhalte sich im Wirtschaftsleben rational. Tatsächlich aber gäbe es kein Homo oeconomicus und man müsse mehr die Erkenntnisse der Verhaltensökonomie berücksichtigen.

Der internationale angesehene Wirtschaftsnachrichtendienst „Bloomberg News“ meint dazu, dieser Ansatz stelle die interessanteste wissenschaftliche Abhandlung seit Jahren dar.  Wenn ich nun geschrieben habe: „Und auch die – zumindest einige -Volkswirte werden langsam wach“ so liegt die Betonung auf laaaaangsam! Denn unter Verhaltensökonomie  findet sich auch die Behavorial Finance. Und diese Theorie wiederum ist spätestens seit der Veröffentlichung eines entsprechenden Aufsatzes im Jahre 1979 des späteren Nobelpreisträgers   Kahneman und Tversky allen an Ökonomie und Psychologie Interessierten ein Begriff.

Was folgt daraus?

Seien Sie offen für eine neue Zukunft und fragen Sie weniger, wie hat sich eine Geldanlage in der Vergangenheit entwickelt hat. Fragen Sie stattdessen, warum hat sich eine Geldanlage in der Vergangenheit so entwickelt. Was waren die Gründe dafür? Und welche Einflussgrößen gibt es in der Zukunft, die die Entwicklung von Geldanlagen beeinflussen kann.


Diesen Beitrag haben wir zuerst in unserem Newsletter in der regelmässigen Rubrik Kommentar zur Finanzwelt veröffentlicht. Wenn auch Sie den Newsletter regelmässig erhalten möchten, können Sie ihn hier auf unserer Homepage anfordern.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s