Renditevorteile durch Diversifikation nach Branchen?


Nicht alle Eier in einen Korb legen, diese Aussage des Nobelpreisträgers Markowitz, dürfte weithin bekannt sein. Wichtig ist also eine sinnvolle Verteilung (Streuung) ihrer Einzelanlagen in ihrem Depot sind, um ein optimales Risiko-Rendite-Verhältnis zu erzielen. Aber welche Körbe gibt es eigentlich alles. Häufig erfolgt die Diversifikation, indem in Aktien und Renten (festverzinsliche Wertpapiere)  investiert wird. Dies ist allerdings eine sehr einfache Strategie, weil es wesentlich mehr Anlageklassen gibt, zum Beispiel Rohstoffe, Immobilien und andere. Aber es ist einleuchtend, nicht nur dadurch die Chance auf Rendite zu erhöhen und das Risiko zu senken, dass unterschiedliche Anlageklassen gewählt werden. Auch innerhalb einer Anlageklasse ist eine Diversifikation sinnvoll. Viele Anleger haben das erkannt, und verteilen ihre Aktieninvestments auf verschiedene Länder. Wenn man sich diese Aufgabe sehr leicht machen möchte, kann man sein Geld zum Beispiel in einen international investierenden Aktienfonds oder einen entsprechenden ETF anlegen.

Aber ist diese Diversifikation ausreichend oder führt ein anderer Diversifikationsansatz sogar zu besseren Ergebnis? Ein anderer Ansatz als eine Diversifikation über Ländergrenzen hinweg wäre eine Branchen-Allokation. Hierzu haben wir Zahlenreihen von Anfang 1996 bis Ende 2015, also fast 20 Jahre, ausgewertet. Unser Ziel war allerdings primär das Renditepotential einer Branchen-Allokation. Dass eine Branchen-Allokation unter Risiko-Rendite-Gesichtspunkten empfehlenswert ist, ist schon von anderer Seite gesagt worden. So betont zum Beispiel das an der NASDAQ notierte Finanzinformations- und Analyseunternehmen Morningstar:

„Anleger sollten daher die Gewichtungen in ihren Portfolios im Hinblick auf die Ausgewogenheit der Branchenallokation im Blick behalten. In der Vergangenheit hat sich immer wieder gezeigt, …“ (1)

In der FAZ vom 17.11.2014 unter der Rubrik Anlagestrategien wird das Fazit gezogen:

„Klarer Schluss daraus: Branchenportfolios diversifizieren besser als Länderportfolios.“ (2)

Begründet wird dies mit relativ stabilen Korrelationswerten zwischen einzelnen Branchen. Bei einer Länderdiversifikation dagegen würden die Aktienmärkte aufgrund der Globalisierung immer mehr in die gleiche Richtung laufen. (Da sind wir uns übrigens nicht so sicher, aber dies ist nicht Thema dieses Beitrages).

Ist es möglich durch eine Branchendiversifikation auch bessere Renditen (und nicht nur ein besseres Risiko-Rendite-Verhältnis) zu erreichen?

Zumindest für die Vergangenheit lässt sich dies messen. Wir haben dazu einen einfachen, aber sehr praxisnahen Ansatz gewählt. Den durchschnittlichen Jahresrenditen von Investmentfonds, die weltweit anlegen, haben wir Durchschnittsrenditen unterschiedlicher Branchenfonds gegenüber gestellt (3). Im Einzelnen wurden folgende Branchem betrachtet:

  • Biotechnologie
  • Immobilien und Reits/Weltweilt
  • Konsum
  • Medien und  Kommunikation
  • Nahrung
  • Pharmazie und Gesundheit
  • Rohstoffe
  • Technologie
  • Umwelttechnologie

Wäre jeweils in den Jahren von 1996 bis 2015 die „beste“ Branche ausgewählt worden, so hätte in den meisten Jahren ein durchschnittlicher Branchenfonds den durchschnittlichen internationalen Aktienfonds deutlich übertroffen:

17042016b1

Im Jahresdurchschnitt der Jahre 1996 bis 2015 hat der durchschnittliche Aktienfonds, der weltweit anlegt, eine Rendite von 9,03% erreicht, die Auswahl der richtigen, jeweils in einem Jahr besten Branche hätte zu einem Ergebnis von 35,56% jährlich geführt.

Es kann sich also lohnen, sich näher mit diesem Thema zu beschäftigen. Aber wo Rendite winkt, ist auch immer Risiko vorhanden. Derjenige Anleger, der jedes Jahr wechselt und immer die Branche gewählt, die zu den Verlieren gehört, hätte einen eindurchschnittlichen Verlust von 14,1% hinnehmen müssen.

Wer diesem Risiko aus dem Weg gehen will (und das sollte er schon) kann aber eine sehr einfache Diversifikationsregel wählen. Er kann zum Beispiel seine Anlage gleichmässig auf die vorgenannten Branchen aufteilen. In diesem Fall hätte er ein durchschnittliches Ergebnis erreicht, das mit 10,87% sehr deutlich über dem Ergebnis eines nur nach Ländern diversifizierenden Anlegers (9,03%) erreicht.

Bisher haben wir nur durchschnittliche Jahresergebnisse betrachtet. Wie das kumulierte Ergebnis des Durchschnitts unterschiedlicher Branchenfonds zum Durchschnitt der international anlegenden Aktienfonds ausgesehen hat, zeigt folgende Grafik:

17042016if2

Wer also konstant, nicht jedes Jahr wechselnd in einer Branche, von 1996 bis 2015 investiert war, konnte zwar immer noch mindestens 200% Wertzuwachs erreichen, aber 3 von 10 Branchen brachten ein schlechteres Ergebnis als die rein international diversifizierte Anlage. In 70% der Fällen war aber eine Branchenorientierung erfolgreicher.

Obwohl wir bewusst Durchschnittswerte von Investmentfonds betrachtet haben, ist dieses Ergebnis allerdings noch mit Einschränkungen zu betrachten:

  1. Grundsätzlich bieten Vergangenheitswerte keine Garantie für die Zukunft
  2. Typischerweise investiert ein Anleger nicht exakt am 1.Januar und beendet seine Investion am 31. Dezember (Lesen Sie dazu auch unsere Betrachtung zu Vergangenheitswertentwicklungen des DAX)

Bitte beachten Sie daher, dass dieser Beitrag weder eine Anlage- noch eine Strategieempfehlung beinhaltet. Wenn Sie eine solche wünschen, nehmen Sie Kontakt mit Ihrem Berater oder uns auf.

(1) Morningstar : Ist Ihr Portfolio diversifiziert?

(2) FAZ – Anlagestrategien -Diversifikation über alles

(2) Wir haben Daten der Fondsdatenbank FVBS verwendet.

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