Etwas anderes Wichtiges, was uns das Helikopter-Geld der EZB lehren kann


In einer Analyse des relativ neuen Onlinemagazins MAKRONOM  (empfehlenswert!) über die praktischen Probleme bei der Umsetzung von Helikopter-Geld ist eine ganz wesentliche Aussage zu finden.  Der Begriff Helikopter-Geld wird dem Ökonomen und Nobölpreisträger Milton Friedman zugeschrieben und versinnbildlicht die Idee, neues Geld vom Himmel herunter auf die Verbraucher regnen zu lassen. Warum? Damit die Wirtschaft durch zusätzliche Konsumentennachfrage einen direkten Wachstumsimpuls bekommt. Ansonsten können die Zentralbanken in der Regel nur durch den Umweg über die Geschäftsbanken zusätzliches Geld in die Wirtschaft pumpen.

Nun werden sich möglicherweise Leser,  die sich weniger intensiv mit der Ökonomie beschäftigen, fragen:  Wie denn das,  stand nicht überall geschrieben, Geld werde gedruckt?

Natürlich, würde tatsächlich Geld vom Helikopter abgeworfen werden, müsste es gedruckt werden.  Aber so schreibt MAKRONOM vollkommen korrekt:

„Beim Helicopter Money gibt es einen gewaltigen Unterschied zu allen anderen Maßnahmen, die die EZB bisher getroffen hat: Helicopter Money wird nicht verliehen, sondern verschenkt.“ (1)

Die Betonung liegt auf „verleihen“ und genau dies ist das, was die EZB im Zuge der vielfach kritisierten Geldpolitik bisher getan hat. Wenn die EZB also bisher immer Geld an die Geschäftsbanken verliehen hat, besteht logischerweiser auch für die Geschäftsbanken die Verpflichtung, dieses Geld zurück zu zahlen.

Die bisherigen Massnahmen der EZB sollten also zeitlich befristet die Geldmenge ausweiten. Irgendwann muss also das Geld an die EZB zurück gezahlt werden.  In einem solchen Fall wird aber Geld nicht automatisch wertlos, so wie es Anfang des letzten Jahrhunderts bei der Hyperinflation der Fall war. Damals wurde tatsächlich viel Geld gedruckt, wie es auch die bekannten Bilder zeigen, in den schubkarrenweise das Geld zum Kauf von irgendwelchen Dingen transport werden musste.

Vielleicht wird vor diesem Hintergrund deutlich, dass die Ende 2008 / Anfang 2009 von Medien und einigen Finanz“fach“leuten geschürrte Angst vor der Hyperinflation unbegründet war. Man könnte es auch so formulieren, dass das unberechtigte Aufzeigen des Inflationsgespents unverantwortlich  und nicht nur unbegründet war.

Ein ironischer Schwenker als Nachsatz:

Im Nachhinein hatten die Inflationspropheten aber zumindest teilweise recht. Dazu muss der Begriff der Inflation genauer erläutert werden. Meist wird unter Inflation das  Ansteigen der Preise für den Verbraucher verstanden. Es gibt aber auch eine sogenannte Asset-Inflation. Diese Inflation bezieht sich auf Preiserhöhungen von Vermögenswerten, wie zum Beispiel Immobilien. Und tatsächlich sind die Immobilienpreise deutlich gestiegen.  Der ursprüngliche Grund für den Anstieg der Immobilienpreise nach der Finanzkrise 2008/9 war aber nicht das viele „Geld drucken“, sondern die Angst vor dem Geld drucken, die vermeintlich zur Hyperinflation führen würde.  Aus dieser – wie gezeigt  -auf falschen Annahmen basierenden Angst begann die Flucht in die Sachwerte (Immobilien), was dann deren Preise ansteigen liess. So kann man also allein mit „Angstmachen“ zumindest eine Asset-Inflation  herbeiführen.  Aber ob die Medien und Finanz“fach“leute damals wohl derart um die Ecke gedacht haben. Ich denke nicht.

Zum Schluss:

Ich möchte es nicht zu kompliziert machen, daher nur der kurze Hinweis. Die aktuellen Preissteigerungen im Immobiliensektor haben vielfältige andere Gründe, wie zum Beispiel das niedrige Zinsniveau.


 

1 MAKRONOM Wäre Helicopter Money überhaupt praktisch umsetzbar?

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