Banken: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? Reicht die Erkenntnis unserer Finanzaufsicht?


Das Jahr ist noch nicht zu weit vorangeschritten, um einige Aussagen aus der Neujahrsrede des Präsidenten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, der BAFin, näher zu betrachten. Zum Beispiel die Aussage zu den Banken in Deutschland:

„Dass die Zinsen seit Jahren extrem niedrig sind, macht den Banken in Deutschland zusehends zu schaffen. Noch haben die meisten ein ausreichendes Polster, um die Niedrigzinsphase heil zu überstehen. Doch die Ergebnisse werden sich deutlich verschlechtern, wenn die Zinsen niedrig bleiben …“ (1)

und weiter

„Auch ein Zinsanstieg würde das Problem nicht von jetzt auf gleich lösen. Institute, die sehr stark auf die Fristentransformation gesetzt haben, werden einen langen Atem beweisen müssen.“ (2)

An dieser Stelle muss kurz der Begriff Fristentransformation erläutert werden. Vereinfacht gesagt, bedeutet dies, dass Banken oder Sparkassen zum Beispiel kurzfristige Spareinlagen ihrer Kunden (oder Tages- und Festgelder) nutzen, um Kredite mit langfristigen Zinsbindungen zu vergeben. Sollten die Zinsen wieder steigen, werden Banken auch in ihrem konventionellen Geschäftsbereichen Verluste machen.  Im Jahr 2008 hat dies zum Zusammenbruch der Depfa geführt. In Folge mussten 34 Mrd. € in eine Bad Bank überführt werden. Gefährliche Verluste der Banken haben ihre Ursachen also nicht immer nur in dem, was man landläufig als Spekulation bezeichnet.

Eine kleine Ironie am Rande hierzu: Vor nicht langer Zeit hatte sich der Präsident des Sparkassenverbandes gegen eine zu starke Regulierung der Fristentransformation gewehrt, indem er das Argument vertrat, die Fristentransformation sei historischer Bestandteil der deutschen Bankenlandschaft.

Kommen wir auf die beiden Ausgangszitate des Präsidenten der BAFin zurück, so zeigt sich, dass so oder so – gleich ob die Zinsen steigen oder sinken – die aktuellen Niedrigzinsen zu einer zunehmenden Gefahr für unsere Bankenlandschaft geworden sind.

Um vor Gefahren gewappnet zu sein, muss man stark sein. Betrachtet man den aktuellen Verlust der Deutschen Bank in Höhe von 6,7 Mrd. € kann man in Deutschland im Gegensatz zu den USA, wo die großen Banken Milliardengewinne einstreichen, wohl kaum von einer starken Bankenlandschaft sprechen.

Aber was bedeutet eigentlich ein Verlust von 6,7 Mrd €?

Am besten man setzt diese Zahlen in Relation zu anderen Zahlen:

  • Für Sparer und Einlagen ist das Eigenkapital der Banken von großer Bedeutung, denn hiermit haftet die Bank. Als wichtige Kennzahl ist hier das Harte Kernkapital definiert. Dieses betrug bei der Deutschen Bank zum Ende des 1. Quartals 2015  47,7 Mrd. €. Damit entspricht der Verlust im Jahre 2015 einem Anteil von 14% des im Zweifel haftenden Kapitals.
  • Bringen wir den aktuellen Verlust der Deutschen Bank mit dem Beinahe-Totalcrash-Jahr des gesamten Finanzsystems 2008 in Verbindung, so ergab sich aktuell ein Verlust, der um fast 72% höher als in 2008 war.
  • Und was ist mit der Sicherheit der Spareinlagen? Die Entschädigungseinrichtung des Bankenverbandes hatte bis Ende 2014 gerade einmal 1,1 Mrd. € eingesammelt (3). Damit könnte man gerade einmal 16,4% der aktuellen Verluste der Deutschen Bank decken.

Wenn wir etwas Positives in diesen schlechten Nachrichten sehen möchten, so dies, dass die Probleme der Banken unserer Finanzaufsicht bekannt ist – und den aufgeklärten Sparern und Anlegern natürlich auch.

„Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?“

Absolute Sicherheit gibt diese Schlussfolgerung zwar nicht, aber etwas Hoffnung. Gravierender sind die unbekannten Gefahren. Und hier weisen wir noch einmal auf die weitgehend unbekannten – oder besser weitgehend nicht kommunizierten – Risiken der Illiquidität der Rentenmärkte hin. Mehr dazu hier:

finanzenlounge- Schwerpunkte- Alte Welt der Finanzen – Renten: Blase und Liquidität

„Gravierender“ lässt sich weiter steigern. Dazu muss man über die Grenzen schauen und dies nicht einmal bis China. Auch die Finanzprobleme der italienischen Banken werden jetzt schon mit dem Jahr 2008 verglichen (4).

Denken Sie bei Grenzen aber nicht nur regional, sondern auch über Branchengrenzen hinweg. Denn durch zunehmende Konkurrenz sogenannter Fintech-Unternehmen kann sich die Position der Banken zusätzlich verschlechtern. Alles zusammen führt zum Begriff der Komplexität – und diese führt zu Unberechenbarkeit.

Unberechenbarkeit wiederum kann auch eine positive Entwicklung zur Folge haben. Um den Boden der Logik nicht zu verlassen, muss aber hier konstatiert werden, dass nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, welche Anlageklasse dann zu den Gewinnern gehört.

Sie können sich aber von uns beraten lassen oder Informationen aus unseren verschiedenen Blogs

Geldanlage-Katalog

Versicherungs-Katalog

beziehen, um für verschiedene Szenarien gewappnet zu sein. Chancen gibt es immer. Und schon Ende 2008 haben wir gesagt, mag sein, dass die Banken untergehen (dies bitte nicht als sichere Prognose für 2016 verstehen), aber die Welt wird sich weiter drehen. Sie müssen dann nur richtig positioniert sein.

Nachtrag: Dieser Beitrag haben wir in unserem Februar-Newsletter in unserer regelmässigen Rubrik Finanzmarkt-Kommentar veröffentlicht. Unseren Newsletter können Sie hier abonnieren: FORAIM-Newsletter

Diesen Beitrag haben wir der Rubrik Alte Welt der Finanzen zugeordnet , in der Hoffnung, dass die Neue Welt der Finanzen zu besseren Ergebnissen führt.


 

(1+2) Neujahrsrede des Chefs der BAfin 2015

(3) FAZ: Einlagenschutz – Deutsche Sparer sollen für griechische Banken haften

(4) Euro Fund Research: Sorgen über Italiens Banken ziehen auch den Dax nach unten

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