Eine bessere Welt für Sparer durch Disruption? Zur aktuellen Fintech-Beteiligung von Peter Thiel


Das Hamburger Fintech-Unternehmen Zinspilot hat eine neue Finanzierungsrunde abgeschlossen und dabei 6,5 Mio € eingesammelt. Mit zu den Investoren gehört Peter Thiel. Als Mitgründer von PayPal und erster institutioneller Investor von Facebook, hat er zumindest bei diesen vorangegangenen Investitionen eine glückliche Hand bewiesen. Ist die Frage müßig, ob den Investitionen der Gedanke zugrunde lag, in erster Linie Profit zu machen oder durch eine Disruption an der Änderung der Welt hin zum Positiven mitzuwirken?

Nun sind nicht nur disruptive Veränderungen, also Veränderungen, die letztendlich dazu führen bestehende Produkte, Technologien oder Dienstleistungen vollständig vom Markt zu verdrängen und durch Neues zu ersetzen, geeignet, die Welt zu ändern. Eine Veränderung könnte auch langsam, quasi evolutionär erfolgen. Evolutionär ist hier aber nur in einem sehr übertragenen Sinne zu verstehen, denn letztendlich ist Evolution auch disruptiv.

Einer „evolutionären“ Vorgehensweise kann allerdings ein gravierender Nachteil zugeschrieben werden. Dazu habe ich eine treffende Aussage von Vinod Khosla, ebenfalls wie Peter Thiel ein Risikokapitalgeber, unter der Überschrift Schwarzer-Schwan-Technologien gefunden, die sich allerdings auf den Klimawandel bezieht. : „Die Konzentration auf kurzfristige, schrittweise Lösungen wird uns bloß davon abhalten, die Volltreffer zu erzielen, die die Annahmen im Hinblick auf Energie und gesellschaftliche Ressourcen ändern.“ (1)

Nun, unser Thema auf diesem Blog ist die Finanzwelt mit einem gewissen Schwerpunkt auf den Banken. Dieser Schwerpunkt ist nicht in einem positiven Sinne durch die Banken verdient worden, sondern eher im Gegenteil. Ich denke dabei an die immer noch nicht bewältigten Folgen der Bankenkrise aus dem Jahr 2008. (2)

Aber gerade zu dem Thema Banken passt die Aussage Khoslas sehr gut. Denn die Ähnlichkeit ist frappierend: kurzfristige, schrittweise Lösungen haben das Finanzsystem noch nicht wesentlich sicherer gemacht.

Also würde ich mir wünschen, das Engagement von Peter Thiel bei Zinspilot wäre disruptiv.

Das erkenne ich aber leider nicht. Zinspilot ermöglicht es Sparern einfach und – zugegeben – unkompliziert zwischen verschiedenen Angeboten für Festgelder und Tagesgelder zu wählen und diese abzuwickeln. Es wird damit unnötig, auf der Suche nach attraktiven Zinsangeboten immer wieder umständlich neue Konten zu eröffnen. Ähnliches bietet allerdings auch Weltsparen (3) an. Dieses Angebot allein der beiden Anbieter scheint mir nicht disruptiv.

Möglicherweise ergibt sich aber eine andere Antwort, wenn man sich anschaut, wie Zinspilot das Unternehmensziel definiert: „Das Ziel des Unternehmens ist ebenso schlicht wie ambitioniert: Es will nichts weniger als den 9 Billionen Euro schweren europäischen Markt für private Spareinlagen „neu erfinden“. (4)

Auch dieses Ziel stellt keine Disruption dar. Weiter bleiben die Banken und Sparkassen die eigentlichen Anbieter der Festgelder und Termineinlagen. Weiter würden die Risiken bleiben, falls die Banken nicht sicherer werden würden.

Aber möglicherweise würden andere Folgen eintreten, wenn Zinspilot sein Ziel erreichen würde. Sollte in Zukunft der überwiegende Teil der Festgeldanlagen transparent und einfach über Plattformen wie Zinspilot oder Weltsparen erfolgen:

  • dürfte die Konkurrenz zwischen Banken zunehmen
  • könnten die Margen der Banken sinken, möglicherweise verbunden mit Zinserhöhungen für Kredite
  • könnten Sparer verleitet werden, überwiegend die Angebote mit den höchsten Zinssätzen zu wählen. Was fatal ausgehen könnte, wenn – wie es in der Vergangenheit teilweise geschah – diejenigen Banken die höchsten Zinssätze bieten, denen es finanziell „nicht gut geht

Der letzte Aspekt könnte dann tatsächlich zu Disruptionen, allerdings ungewünschten Disruptionen, führen. (Achtung diese Aussage ist monokausal, was bedeutet, dass direkt aus dieser Aussage ein erneuter Bankencrash nicht abgeleitet werden kann.)


(1) Vinod Khosla war Gründer von Sun Microsystem und heute it er Inhaber von Khosla Ventures Zitat gefunden in Was macht uns schlauer, Herausgeber John Brockmann Location 4849

(2) Übrigens den Banken allein die Schuld zu zuschieben, wäre falsch. Ich will dies hier nicht weiter ausführen. Mitschuld trägt auch der Glaube und Versprechungen, Bankeinlagen wie Sparbücher könnten immer sicher sein.

(3)  An dieser Stelle könnte unsere Aussage durch eignene Motive beeinflusst sein, denn Sie können Festgelder bei Weltsparen auch über unsere Zuführung abschließen. Zum Beispiel hier: Geldanlage-Katalog – Festgeld

(4) Manager Magazin: PayPal-Mitgründer Peter Thiel beteiligt sich an Zinspilot

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s