Thomas Jeffersen Vater der amerikanischen Verfassung und unser heutiger Anlegerschutz


Kennen Sie Edge? Auf der Internetplattform http://www.edge.org werden spekulative Gedanken renommierter Wissenschaftler aus den Bereichen Evolutionsbiologie, Informatik, Physik und anderen Wissenschaftsbereichen vorgestellt. „Spekulative“ Gedanken, jetzt bitte nicht aufhören zu lesen …

Denn auch spekulative Gedanken können die Realität widerspiegeln. Galileo Galileis Gedanken erschienen in vergangenen Zeiten vielen Menschen so spekulativ, dass sogar ein Inquisitionsprozess gegen ihn eröffnet wurde. „Spekulative Gedanken“ sollten uns also nicht abhalten, Edge ernst zu nehmen. Denn Sie werden auf Edge auch die Gedanken so bekannter Wissenschaftler wie Steven Pinker, Nobelpreisträger Eric R. Kandel, Stanislas Dehaene, Gerd Gigerenzer, Richard Dawkins und viele andere mehr finden.

2012 wurde auf Edge die Frage gestellt:

„Welches ist Ihre tiefgreifende, elegante oder schöne Lieblingserklärung?“

(Anmerkung: Lieblingserklärung zur Welt, zum Beispiel aus Sicht der Physik, Mathematik oder anderen Wissenschaftsgebieten)

Für Michael Shermer (1) gehört der Empirismus zu der Lieblingserklärung. Geht es um die Beurteilung, Zuordnung und Klassifizierung von wissenschaftlichen Erkenntnissen kann der Empirismus durch Gegenüberstellung zum Rationalismus abgegrenzt werden. Vereinfacht: Im Empirismus ergeben sich wissenschaftliche Erklärungen aus Beobachtungen, im Rationalismus dagegen leitet Wissen sich aus „reiner Vernunft“ ab.

Kleiner ökonomischer Exkurs: Fast alles, was in der Volkswirtschaft nicht so funktioniert, ist dem Rationalismus – na ja mit Einschränkungen – zuzuordnen. Also, wenn wir dies als wahr unterstellen und an Galilei denken, ist wohl dem Empirismus der Verzug zu geben. 🙂

Aus dem Empirismus folgt nach Shermer,

„…dass wir uns nicht auf die Autorität anderer verlassen sollen, sondern selbst hinsehen sollen“.

Kommen wir an dieser Stelle zum deutschen (europäischen) Anlegerschutz.

Hier macht es uns unser Gesetzgeber schwer. Aber nicht nur dies, er macht es den Geldanlegern in manchen Bereichen sogar fast unmöglich dem Empirismus zu folgen. Zum Beispiel dann, wenn es darum geht, den Anlageerfolg neuer Investmentfonds aus erster Quelle festzustellen.

Ein Beispiel:
Die Skalis Asset Management AG ist eine junge Investmentfondsgesellschaft, deren Manager aus dem bekannten Haus MEAG einer Tochter der Munich Re stammen. Und sie haben dort, wie ich finde, recht erfolgreich Fonds gemanaget. Marc Decker zum Beispiel den Fonds MEAG FairReturn.

Jetzt managet Marc Decker den SKALIS EVOLUTION DEFENSIVE, der durchaus vergleichbar mit dem MEAG FairReturn ist. Aber was bekommt der Anleger zu sehen?

211015skalis

Es mag argumentiert werden, dass der Anleger aus kurzen Wertentwicklungen falsche Schlüsse ziehen könnte. Sind wir wirklich so unvernünftig, dass wir zum Beispiel aus einer positiven Wertentwicklung eines Investmentfonds in einem Zeitraum von 9 Monaten glauben, es ginge immer so weiter?

Nun, die Sicht des Gesetzgebers auf uns Anleger-Bürger ist anscheinend dadurch geprägt, das es den Bürgern an Vernunft fehlt und er die Wahrheit nicht erkennen kann.  Also dann lieber keine Informationen! Vernunft und das Erkennen von Wahrheit trauen einige Politiker in unserer Demokratie den Bürgern nicht zu. Denken unsere Politiker so? Wie wäre es, wenn die Politiker uns Bürgern einmal mehr vertrauen würden? Vertrauen zum Beispiel, dass wir es lernen könnten, Finanzinformationen richtig zu interpretieren?

Wäre dies für unsere Politiker ein zu gewagtes Experiment?

Die Politiker sollten in diesem Zusammenhang einmal auf einen der Gründungsvater der amerikanischen Verfassung hören. 1804 schrieb Thomas Jeffersen an John Tyler:

„Kein Experiment kann interessanter sein als das, welches wir jetzt versuchen, und wir vertrauen darauf, dass es am Ende die Tatsache beweisen wird, dass der Mensch durch Vernunft und Wahrheit regiert werden kann.“


(1) Alle gekennzeichneten Zitate: Michael Shermer ist Verleger des US-Magazin Skeptic. Die Zitate sind seinem Beitrag aus aus dem Buch „Wie funktioniert die Welt?“ herausgegeben vonJohn Brockman entnommen.


Diesen Beitrag ordne ich der Kategorie „Alte Welt der Finanzen“ zu, in der Hoffnung, dass sich die Finanzwelt wandelt.

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