Die drei Elemente jeder Geldanlage und unsere Illusionen


Es war (und ist) die Krise. Die uns veranlasst hat, über so etwas „Profanes“ wie das magische Dreieck der Geldanlage zu schreiben.

Es ist alles anders, nichts gilt mehr, was früher galt.

Warum diese Aussage falsch ist, wir es aber anders erleben,  zeigen wir am Beispiel der drei wesentlichen Kriterien einer Geldanlage : Liquidität, Rentabilität und Sicherheit. Man bezeichnet dies als magisches Dreieck. Keine Form der Geldanlage kann alle drei Kriterien gleichzeitig optimal erfüllen. Wie wir zeigen, ist dies zuweilen nicht einmal so gegeben, dass ein Kriterium voll erfüllt wird und andere Kriterien zumindest teilweise erfüllt werden. Sehr deutlich wird dies am Beispiel Liquidität, also der jederzeitigen Verfügbarkeit von Geldanlagen.

Liquidität

WIR KANNTEN, dass es liquide—also schnell verfügbare Anlagen– mit hoher Sicherheit und konstanten gleichbleibenden Renditen gab: Tagesgeld und in der Vergangenheit auch offene Immobilienfonds. Wenn man den Begriff Liquidität nicht zu genau nimmt könnte, man noch Festgelder und kurzlaufende Anleihen dazu zählen.

ES HAT SICH ANGEDEUTET, dass dies bei einer einer genauen Betrachtung nur solange gilt, wie Systeme stabil sind. Konstante, sich gleichmässig positiv entwickelnde, sichere Geldanlagen kann es nur in abgeschlossenen stabilen Systemen geben, für die feste Regeln gelten und diese nicht in Frage gestellt werden.

DIE ILLUSION, dass es früher Geldanlagen gab, die neben dem Kriterium Liquidität, also jederzeitige Verfügbarkeit , auch zumindest teilweise die beiden anderen Kriterien des magischen Dreiecks (Rendite und Sicherheit),  zeigt sich an folgenden Beispielen:

Kaupthing Bank:  Das System war nicht stabil, wie die Insolvenz zeigte. Die noch geltenden Regeln wurden aber nicht ausser Kraft gesetzt, sodass der Anspruch auf das Geld blieb. Aber die Rückzahlung dauerte lange, somit war dann die Liquidität doch nicht mehr gegeben auch und gerade für die Anlageform, die am meisten nachgefragt war, wie Tagesgeld.

Commerzbank, Hypo Real Estate:  Das System war nicht stabil. Nur ein Eingriff von aussen verhinderte eine Katastrophe. Hier zeigt sich auch die Bedeutung des „nicht in Frage stellen“ . Wesentlich für die Vermeidung des Kollaps war die Rede der Kanzlerin im Herbst 2008, in der Frau Merkel eine Staatsgarantie für Bankeinlagen aussprach. Vertrauen ist sogar bedeutender als feste Regeln, denn diese Staatsgarantie war nicht gesetzlich legitimiert. Hätte die Commerzbank tatsächlich in Insolvenz gehen müssen, wären alle Anlagen nicht mehr liquide gewesen.

Offene Immobilienfonds: Diese Anlageform zeichnete sich lange durch eine konstante positive und häufig fast gleichmässige Rendite aus. Die allgemein akzeptierte Sicherheit kam auch dadurch zum Ausdruck, dass offene  Immobilienfonds als empfohlene Anlage auch für Rentner galt. Diese Anlageform konnte nur deshalb die Erfolge bringen, weil sich die Bewertungen dem Markt entzogen hatten (Jedenfalls dann, wenn wir ubter Bewertung die Preisbildung durch Angebot und Nachfrage verstehen). Basis für die kontnuierliche Wertentwicklung waren nur jährlich erstellte Wertgutachten. Es hat sich quasi ein eigenen geschlossenes System gebildet.  In 2008 wurde diese Anlageform „in Frage gestellt“. Die Folge waren massive Mittelabflüsse und mit Eintritt in den freien Markt wurden bei einigen der in Abwicklung befindlichen Fonds auch die Marktverluste realisiert. In „Wahrheit“ war also weder die Liquidität noch die Sicherheit gegeben.

Genaugenommen erfüllt nur Bargeld die Anforderung der Liquidität ohne Schwankungen des Wertes. Hier gibt es gesetzliche Regeln, dass Bargeld (in gewissem Umfang) als Zahlungsmittel akzeptiert werden muss. Das System ist geschlossen, weil diese Regel nur national gilt. Es gibt feste Regeln, die sich in Gesetzen finden. Solange Vertrauen herrscht, werden diese nicht in Frage gestellt. Das Gegenbeispiel kennen wir aus der Weimarer Republik. Aber weil die Verpflichtung zur Annahme von Bargeld auch beschränkt sind, erfüllt auch dies „Anlageform“ das Kriterium der Liquidität nicht vollkommen.

Rendite

WIR GLAUBTEN, dass geringere Renditen mit höherer Sicherheit einhergeht und umgekehrt. Ebenso wurden bestimmten Anlagen zumindest langfristig überdurchschnitllich hohe Renditen zugeordnet.

ES HAT SICH ANGEDEUTET, dass, auch dies bei einer einer genauen Betrachtung nur solange gilt, wie Systeme stabil sind.

Zwei häufig falsche Denkansätze beim Thema Rendite:

Wir unterscheiden nicht, dass es eine durch den Finanzmarkt bestimmte Rendite gibt und eine direkt aus der Realwirtschaft erzielte Rendite. Wir messen die Rendite über willkürlich definierte Zeiträume.

Finanzmarktrendite

Eine Rendite ergibt sich meist überwiegend aus der Differenz von Ankaufspreis zu Verkaufspreis. Diese wird ausschliesslich aufgrund von Erwartungen der jeweiligen Anbieter/Nachfrager bestimmt. Weil sich diese häufig ändern, ändert sich auch die Rendite für ein und dieselbe anlage im Zeitablauf häufig.  Eine Finanzmarktrendite mit konstanter Rendite ist nur möglich, wenn auf die jederzeitige Verfügbarkeit verzichtet wird. Das beste Beispiel wäre eine 5-jährige Staatsanleihe, die als echtes Papier im Safe liegt, hier erhält der Anleger jedes Jahr die vereinbarte Verzinsung und am Schluss 100% des Kapitals. Liegt das Papier nicht im Safe, sondern wird in einem Depot verwahrt, so wird im Depotauszug immer der aktuelle durch Angebot und Nachfrage bestimmte Kurs dargestellt. Eine konstante Rendite ist ebenfalls möglich, wenn ein anderer Marktteilnehmer das Risiko übernimmt. Dies wäre der zum Beispiel der Fall bei Festgeld. Dann besteht aber ein Emittentenrisiko.

Rendite der Realwirtschaft

Diese Rendite wird in letzter Konsequenz aus der Produktion von Gütern oder dem Erbringen von Dienstleistungen erzielt. Der Einfluss der Erwartungen von Akteuren auf den Finanzmärkten wirkt nicht direkt, hat aber über verschiedene Wege dennoch Einfluss. Eine so erzielte Rendite zeigt schon deswegen weniger Schwankungen, weil diese in der Regel nur anhand des jährlichen Gewinns ermitteltet wird. Auch in der Realwirtschaft kann es keine gleichmässige Rendite geben, aber es dem vorgenannten ergibt sich, dass die Schwankungen erst über längere Perioden sichtbar werden. Wenn man die Rendite aus der Bilanz ableitet, gibt es eben erst Schwankungen nach 12 Monaten. Die Unternehmen selbst sollten und können natürlich auch unterjährige Gewinne berechnen. Zu

Rendite Messung

Wir messen üblicherweise die Rendite, die eine Anlage innerhalb eines Kalenderjahres erzielt  hat. Das ist willkürlich. Auch die Argumentation, dies sei zu Vergleichszwecken sinnvoll ist willkürlich. Vergleicht man die gleichen Anlagen in dem Zeitraum von zum Beispiel 15. März bis zum 14. März des Folgejahres kann sich bereits ein anderes Ergebnis einstellen.  Tatsächlich kann jeder Anleger für sich selbst die Rendite einer Anlage erst bei Beendigung der Investition bewerten. Bei handelbaren Anlagen tritt hierbei ein aus der theoretischen Physik bekanntes Phänomen auf: Der Anleger (in der Physik der Beobachter) beeinflusst das Ergebnis ( in der Physik das Experiment) 🙂

Sicherheit

WIR GLAUBTEN,dass es sichere Geldanlagen gibt. Und wir haben den Begriff Sicherheit überfrachtet, denn häufig wird Sicherheit als Erhalt des Vermögens und gleichzeitig jederzeitige Verfügbarkeit definiert, ohne zwischenzeitlich Verluste zu generieren.

ES HAT SICH ANGEDEUTET,dass auch dies bei einer genauen Betrachtung nur solange gilt, wie Systeme stabil sind.

Sicherheit gibt es nicht in jedem Moment. Unter Sicherheit verstehen wir üblicherweise, dass das vorhandene Vermögen nicht an Wert verliert. Der Wert einer Anlage kann sich aber immer nur durch das ergeben, was jemand anderes dafür zu einem späteren Zeitpunkt bereit ist zu geben (zu zahlen).  Einfach ist es ex-post die Unsicherheit festzustellen. Nämlich dann wenn eine Anlage „untergangen“ ist. Nur in stabilen  und statischen Systemen  wäre es möglich, dass eine Anlage annähernd zu allen Zeitpunkten nicht an Wert verliert.  Alles andere ist eine Illusion. Dieser Illusion kann man frönen, indem man sich dem Markt entzieht. Dies kann man dadurch tun, dass man ein Emittentenrisiko eingeht, weil man eben diesem Emittentin glaubt, dass er das Marktrisiko auf sich nimmt und dabei nicht untergeht. Genau genommen ist dies bei einer typischen Sparanlage bei Banken der Fall. Wobei dieses Risiko verringert wird, weil es zusätzliche „Garantien“ gibt, wie zum Beispiel die Einlagensicherung. Garantien, die vermeintlich nicht an Wert verlieren können, gelten aber wiederum nur in einem stabilen System. Das gilt eben auch für staatliche Garantien. Die zweite Möglichkeit liegt darin, bei einer Anlage eben nicht nach dem momentanen Wert zu fragen und zu glauben, dass zum Ende der Investition mindestens der ursprüngliche Wert erzielt wird. Diesen Fall finden wir häufig bei Immobilienanlagen und festverzinslichen Wertpapieren

Das paradoxe Ergebnis lautet möglicherweise  : „Sichere“ Anlagen zeichnen sich durch Wertschwankungen aus.

Was bleibt ist eine sinnvolle und an dem zukünftigen Liquiditätsbedarf angepasste Diversifikation.

 

2 Gedanken zu “Die drei Elemente jeder Geldanlage und unsere Illusionen

  1. Hallo,

    zwei Anmerkungen:

    1. „Hier gibt es gesetzliche Regeln, dass Bargeld (in gewissem Umfang) als Zahlungsmittel akzeptiert werden muss.“ – Diese Aussage ist falsch. §14 des Bundesbankgesetzes ist eindeutig: „Auf Euro lautende Banknoten sind das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel.“

    2. Auf Gold wird nicht eingegangen – schade, ist es in einer wirklichen Krise (Inflation etc.) doch vermutlich das einzige überall gern genommene Zahlungsmittel, sprich: Sicherheit und Liquidität sind gegeben. Zudem begünstigt es antizyklisches Verhalten – zu Boomphasen billig, in Krisen teuer. So hat man bei kluger Investition auch noch die Rendite. Und, nein: Ich bin weder Goldbefürworter im Allgemeinen noch Anhänger einer Golddeckung im Speziellen.

    Grüße,

    B. Müller

    1. Danke, Herr Müller. Komme leider erst jetzt dazu zu antworten.
      Bargeld: Ja, ich meinte damit „in gewissem Umfang“ Bundesbank : https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/FAQs/Bargeld/Euro_Banknoten/welche_gesetzlichen_verpflichtungen_zur_annahme_von_euro_banknoten_bestehen.html

      Gold: Wahrscheinlich bin ich – unbewusst – nicht auf Gold eingegangen, weil ich ebenso wie Sie kein „Goldbefürworter“ bin. Ich sehe auch immer, dass potentielle Problem des Goldbesitzverbots.

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