Fintech Unternehmen aus der Versicherungsbranche: Ansporn für „Offline“ Makler, ihren Kunden noch mehr zu bieten


Im finletter Newsletter 23 findet sich eine interessante Sammlung von kritischen Pressemitteilungen zu Insurance Startups, also neuen Angeboten im Zusammenhang mit Versicherungsberatung und – vermittlung.

Ein Motto unseres Blogs lautet „Alte Welt der Finanzen – Neue Welt der Finanzen“. In der Vergangenheit haben wir unseren Schwerpunkt allerdings auf die Bankenwelt und Alternativen zu den Angeboten der alten Bankenwelt gesetzt. Wir glauben auch, dass diese Konzentration auf das Thema Banken mit einer gewissen Berechtigung geschah, denn zumindest teilweise ist die aktuelle wirtschaftliche Krise auf die Banken zurückzuführen. Wir wollen aber kein Banken-Bashing betreiben, sondern stehen grundsätzlich einem Wandel in den meisten anderen Lebensbereichen offen gegenüber (Wir trauern also weder der Telefonzelle, noch dem ausschließlich öffentlich-rechtlichen auf zwei Sendern beschränken TV Angeboten nach.)

Obwohl wir unseren Ursprung in der Welt der alten „Offline“-Finanz- und Versicherungsmakler haben, stehen wir den zunehmenden Angeboten aus dem Fintech-Versicherungsbereich zunächst einmal sehr offen gegenüber. Grundsätzlich sind Wettbewerb und neue Angebote positiv für die Konsumenten. Und sie sind auch positiv für Unternehmen aus der Alten Welt, wenn diese Unternehmen sich mit den neuen Online-Angeboten konstruktiv kritisch auseinandersetzen, um ihr bisheriges Angebot zu verbessern.

Uns scheint die folgende Kritik an den Versicherungs-Startups im Sinne des Vorgenannten nicht zielführend. Dies heißt nicht, dass einzelne Kritikpunkte nicht durchaus ihre Berechtigung haben. Sie stellen aber wesentlich auf die Erhaltung des Status quo ab, sind also eher „bewahrend“ und führen somit zu keinem Wandel.

Wer kritisiert nun wen?

Auf dem Onlineportal DAS INVESTMENT.COM findet sich ein kritischer Artikel zu dem Riester-Renten-Vermittler fairr. Dieser Artikel bezieht sich im Kern darauf, dass fairr noch keine Lösung für die Rentenphase bietet. Ok, man könnte also das Angebot als halbfertig bezeichnen, womit dies nicht den traditionellen deutschen Perfektionsvorstellungen entspricht. Aber dies allein scheint uns kein Knock-out Kriterium für das Angebot zu sein. Vielleicht sogar im Gegenteil: Angenommen, Sie sind 25 Jahre alt. Warum sollten Sie sich dann schon heute für einen Rentenanbieter entscheiden, der Ihnen heute vertragliche Zusagen für die Gestaltung der Rente in mehr als 40 Jahren (!) macht?

Wir haben das Angebot von fairr noch nicht umfassend analysiert. Nach unserem ersten Eindruck in Hinblick auf mögliche Kritikpunkte würden wir auf die Werthaltigkeit der Beitragsgarantie abstellen und darauf, ob bei derart skalierten Produkten nicht noch günstigere Konditionen möglich wären. Wie gesagt, dies ist nur der erste Eindruck und wir haben uns kein abschließendes Urteil gebildet.

Lassen wir diese Punkte außer Acht, so spricht aus unserer Sicht erst einmal nichts gegen das Angebot von fairr. Ein durchaus interessantes auf den ersten Blick für den Verbraucher leicht verständliches Angebot. Ob es das „beste“ Angebot für jeden (und vor allen Dingen für jede Höhe des gewählten Sparbetrages) ist, lassen wir an dieser Stelle dahin gestellt sein.

Der Versicherungsbote kritisiert das Versicherungs-Startup VorsorgeKampagne (ein Angebot von i-finance) hinsichtlich eines Rechenpatzers. Diesen wollen wir hier unkommentiert stehen lassen. Interessant erscheint uns das Akquisitionskonzept. Auch hier schildern wir nur unseren ersten Eindruck. Nettotarife gegen Honorar anzubieten, stellt zunächst kein Nachteil für Versicherungskunden dar, und ist grundsätzlich positiv zu bewerten. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht eines Versicherungsmaklers scheint uns aber – auf den ersten Blick – die interne Kalkulation der Vorsorgekampagne „sehr eng“.  Aber der Anbieter erschließt sich durch das Angebot eines digitalen Versicherungsordners eine weitere Einnahmequelle. Der Kunde kann die Betreuung seiner sonstigen Versicherungsverträge damit auf die Vorsorgekampagne übertragen. Dann erhält das Unternehmen Vorsorgekampagne von den meisten Versicherungsgesellschaften laufende Bestandsprovisionen. Wenn Sie einen Eindruck von der möglichen Höhe der Bestandsprovisionen gewinnen möchten, können Sie beispielsweise dazu auf den einzelnen Versicherungsseiten unserer Homepage FORAIM nachlesen, wie hoch diese ausfallen können. Zu beachten ist auch, dass die Nettotarife – nach unserem ersten Blick – sich nur auf die Sparte Rentenversicherung bezieht. Dies ist nicht der Vorsorgekampagne vorzuwerfen, denn in anderen Versicherungssparten werden in der Regel keine Nettotarife angeboten. (Ganz korrekt ist dies nicht, denn wir, FORAIM, haben beispielsweise die Möglichkeit Deckungskonzepte zur Hausratversicherung ohne Provision anzubieten). Man muss der Vorsorgekampagne allerdings zugutehalten, dass Rabatte auf die Gebühren für die Vermittlungsgebühr von Rentenversicherung gewährt werden, wenn der Kunde weitere Verträge überträgt. Hier besteht grundsätzlich für die Vorsorgekampagne weiteres Einnahmepotenzial, wenn dem Kunden Optimierungsvorschläge zur Umdeckung bestehender sonstiger Versicherungen angeboten wird. Naturgemäß muss eine Optimierung nicht nachteilig für den Kunden sein, führt aber zu Provisionseinnahmen bei dem Anbieter. Vom Grundsatz bietet Vorsorgekampagne damit ein durchaus interessantes Angebot für den Endkunden und führt zu einer Belebung des „Preiswettbewerbs“. Übrigens, sollte sich dieses Angebot durchsetzen, baut sich damit keine unüberwindbare Konkurrenz für die Versicherungsmakler der „Alten Welt“ auf, denn die Bereitstellung eines digitalen Versicherungsordner ist kein Hexenwerk. Ein ähnliches Angebot haben wir und andere Versicherungsmakler seit Jahren für unsere Kunden.

Unser Vorschlag an die Alte Welt der Offline-Versicherungsmakler und Versicherungsvermittler geht in die Richtung, die Angebote der Fintech-Unternehmen umfassend dahingehend zu analysieren, wie die neuen Angebote zusätzlich verbessert werden könnten und zwar über das hinaus, was die jetzigen Fintech-Unternehmen schon bieten. Dabei sollte keineswegs ein wesentlicher Vorteil der neuen Anbieter übersehen werden. Und dieser liegt darin, dass potentielle Bedürfnis von Kunden nach Innovationen auch im Versicherungsbereich zu befriedigen.

 


 

(1) Zum Nachlesen finletter 23

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