Banken – Oder Lending, Konsumentensouveränität und sicheres Finanzsystem


Lending Plattformen bringen anders als Banken Kreditgeber und Kreditnehmer direkt zueinander. Der Geldanleger, also der Kreditgeber sucht typischerweise auf der Plattform ein oder mehrere Unternehmen aus, dem oder denen er einen Kredit gibt. Auf der Plattform erhält der Anleger Informationen über das Unternehmen und idealerweise auch den Kreditzweck.

Anders bei Banken. Hier leiht der Sparer der Bank sein Geld, z.B. in Form von Fest- oder Tagesgeld. Er weiß aber nicht, was die Bank damit genau macht. Der Sparer kennt lediglich die Konditionen des „Kreditvertrages“ – der Sparer leiht der Bank Geld, wenn er dort Festgeldanlagen tätigt. Wie die Bank sein Geld verwendet weiß er nicht.

Im Prinzip ist dagegen auch nichts einzuwenden, wenn wir einmal das Thema Konsumentensouveränität vernachlässigen. Ich bin mir gar nicht so sicher, ob man dieses Thema vernachlässigen sollte. Denn eigentlich ist es seltsam, dass der Sparer seine Souveränität gerade bei seinen Geldanlagen abgibt.

Grundsätzlich und aus individueller Sicht kann es zwar sehr sinnvoll sein, das Geld indirekt über Banken zu verleihen, als es direkt an die Kreditnehmer (über die Vermittlung der Lending-Plattformen) zu verleihen:

  • der Sparer spart sich die Mühe, sich mit den Erfolgsaussichten des Unternehmens, das sich Geld leihen möchte, zu beschäftigen
  • bei einer „Kreditvergabe“ durch die Geldanlage bei einer Bank diversifiziert der Sparer automatisch
  • als hochspezialisierte Unternehmen mit jahrelanger Erfahrung und umfassender Marktkenntnis sollten Banken eigentlich auch in der Lage sein, optimale Konditionen für beide Vertragsparteien zu schaffen (maximaler Guthabenzins bei möglichst geringem Risiko für den Sparer, minimaler Darlehenszins bei Berücksichtigung des Ausfallsrisiko für den Kreditnehmer)

Auf eine Bewertung, inwieweit die Banken hier ihrer eigentlichen Aufgabe („eigentlich“ aus Sicht der Kunden und der Gesellschaft, nicht aus Sicht der Eigentümer der Banken) nachkommen, möchte ich an dieser Stelle verzichten.

Banken machen aber mehrere Dinge anders als Lending-Plattformen:

  1. Sie betreiben neben dem Geschäft der Umwandlung von Sparguthaben der Kunden in Kredite an Konsumenten und Unternehmen auch Eigengeschäfte. Sie spekulieren also, um auch anderweitig Geld zu verdienen.
  2. Und selbst das Geschäft der Umwandlung von Sparguthaben in Kredite betreiben sie anders, als dies über Lending-Plattformen geschieht.

Zu diesem zweiten Punkt – und dies ist aus Sicht einer der letzten größten Bankenpleiten (HRE-Depfa) wichtig(1):

Bei einer Kreditvergabe über Lending-Plattformen erfolgt automatisch eine fristenkongruente Finanzierung. Der Anleger verzichtet gegen die vereinbarten Zinszahlungen genau bis zu dem Zeitpunkt auf sein Geld, bis zu dem sich der Kreditnachnehmer verpflichtet hat, den Kredit zurückzuzahlen.

Wenn dagegen sich eine Bank kurzfristig Geld leiht, und Tagesgeld und Festgelder sind kurzfristige Kredite der Sparer an Banken, aber dies Geld dann langfristig verleiht, entstehen zwei Risiken

  1. Sollte der Zins zwischenzeitlich steigen, muss die Bank ihren Sparern höhere Zinsen zahlen, bekommt von den Kreditnehmern aber innerhalb der vereinbarten Zinsfestschreibung immer noch nur den geringeren ursprünglich vereinbarten Kreditzins. Gerade vor dem Hintergrund des aktuellen Niedrigzins, kann man sich leicht vorstellen, dass dieses Geschäftsmodell schief gehen kann.
  2. Sollten die Sparer sich eines Tages in größerer Zahl ihrer oben genannten Konsumentensouveränität besinnen, könnte es sein, dass die kurzfristigen Einlagen deutlich sinken. Weil die Kredite aber eine lange Laufzeit haben, kann sich die Bank das Geld, was die Sparer zurück haben wollen, nicht einfach von ihren Kreditnehmern zurück holen ( Dieses Argument ist allerdings sehr vereinfacht dargestellt, weil es weitere Möglichkeiten der Banken gibt s ich Geld „zu beschaffen“).

Wichtiger erscheinen mir die Risiken, die sich aus der nicht fristenkongruenten Refinanzierung der Banken ergeben. Und diese Risiken verursacht das Lending nicht.

Ob und in welchem Umfang sich Banken fristenkongruent finanzieren, beschäftigt uns schon länger und wir fragen auch immer einmal wieder bei Bankern nach. Zuletzt in einem Gespräch mit einem Mitarbeiter einer durchaus größeren Bank, der uns auf unsere Nachfrage mitteilte, dass sich die Bank sehr wohl fristenkongruent refinanziere. Auf die weitere Nachfrage, wer denn 10-jährige Anleihen der Bank bei diesem Zinsniveau kaufe, um 10-jährige Festzinskredite zu refinanzieren, konnte er allerdings nur antworten, dass höher angesiedelte Mitarbeiter es ihm gesagt hätten.

Nun ja, der Bankenverband trifft eine andere Aussage: „Zeitreihen belegen, dass in Deutschland unbefristete Kundeneinlagen kaum auf Zinsänderungen reagieren. Das Geld bleibt üblicherweise über den gesamten Zinszyklus bei einer Bank geparkt. Aufgrund dieser Erfahrung werden Immobilienkredite, soweit diese nicht durch Pfandbriefe refinanziert werden, zu einem nicht unerheblichen Teil mit diesen Einlagen finanziert.“ (2)

„Zeitreihen belegen“ – dies klingt ein wenig so wie „aus der Geschichte lernen“. Warum, wenn man schon so vergangenheitsfixiert ist, dann nicht wirklich aus der Geschichte lernen. Dies wäre wichtig, denn die Banken wehren sich gegen eine stärkere Unterlegung der nicht fristenkongruenten Finanzierung mit Eigenmitteln.

Aus der Geschichte lernen, hieße in diesem Zusammenhang, daran denken, dass die Pleite der HRE /Depfa auf eine nicht fristenkongruente Refinanzierung zurück zu führen war.

Man kann aber auch gänzlich anders aus der Geschichte lernen:

„Der Wandel ist nicht aufzuhalten.“

Dann aber ist es nur eine Frage der Zeit, wann die Konsumentensouveränität gewinnt und damit auch das Lending.


 In der Hoffnung, dass dies geschieht, ordnen wir diesen Beitrag der Rubrik „Neue Welt der Finanzen“ zu.


 

(1) Zur Pleite der HRE Depfa – hier eine kurze Zusammenfassung auf Wikepedia

(2) Pressegespräch „Zinsänderungsrisiko im Bankbuch“ mit Dr. Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer und Mitglied des Vorstands, Bundesverband deutscher Banken, Berlin

 

9 Gedanken zu “Banken – Oder Lending, Konsumentensouveränität und sicheres Finanzsystem

  1. Hallo, sehr interessanter Artikel mit einem klaren finalen Statement: „Die Kundensouveränität wird gewinnen und damit das Lending.“ Wenn man es realistisch betrachtet ist der Wandel längst eingetreten. In Zeiten wo Lendingplattformen Zinssätze von bis zu 14,9 % Verzinsung auf Investments bieten sind Anlagen in Tagesgeld und Festgeld für Banken eine kaum attraktive Alternative – mit der Ausnahme das diese Anlageformen eine gewisse Anlagesicherheit bieten. Schaut man sich allerdings die Lendingszene mal an, erkennt man dort seit Jahren steigende Anlegerzahlen mit ebenso steigenden Investmentsummen. Und das sich der Lendingmarkt in Deutscjland auch für ausländische Anbieter lohnt ist unbestritten. Insofern nochmals: Der Wandel ist längst eingetreten! Gruss Markus Gildemeister

    1. Schade, Herr Gildemeister oder soll ich Sie, Mr Cashper, nennen. Ihr Kommentar ist ja o.k.. Aber meinen Sie ernsthaft, dass es Vertrauen in das von Ihnen verlinkte Unternehmen schafft, wenn Sie hier anonym Werbung machen. Ach ja, und sind Sie so unfair auch gegenüber Ihren Kunden, dass Sie sich hier kostenfrei einen Link erschleichen. Andere Unternehmen bezahlen Werbung oder platzieren gegen Honorar gesponsorte Gastbeiträge, so kenne ich es jedenfalls von anderen Blogs.
      Falls Sie aber nicht mit Cashper in Verbindung stehen, so erweisen Sie diesem Anbieter einen Bärendienst, womit Ihr Kommentar sich entwertet.

      1. Sehr geehrter Herr „Finanzenlounge“ (wie war das noch mit der Anonymität?), ich bin durch Zufall auf Ihren interessante Artikel im Rahmen einer Recherche gestossen und habe mir erlaubt diesen zu kommentieren. Wenn Ihnen dies nicht zusagt, so haben Sie jederzeit das Recht einen Kommentar zu bearbeiten oder komplett abzulehnen. Insofern sei Ihnen gesagt: Mir war weder daran gelegen einen Link zu erschleichen oder sonst irgendwie „SEO“ zu betreiben. Aus dem Grund habe ich meinen Namen angegeben und nicht wie üblich beim von Ihnen genannten „Link erschleichen“ ein Keyword etc. – von Anonymität kann hier so wohl nicht die Rede sein. Und um Ihnen mal ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen: Cashper bucht auch bezahlte Werbung – auf vielerlei Wegen. Wir hatten auch Sie mal zu diesem Thema auf dem Radar…..aber wie war das noch: Mit Ihrem Kommentar haben Sie sich einen Bärendienst erwiesen 😉

        Gruss
        Markus Gildemister

  2. Oh, ich glaube es wird kompliziert. Ja Banken schöpfen in gewisser Weise Kredite aus dem „Nichts“. Aber auch nicht vollkommen frei und unbeschränkt. Und zieht man im Rahmen der Bilanz eine Zeitpunktbetrachtung, stehen den Krediten (Forderungen der Banken) natürlich Verbindlichkeiten gegenüber, zum Teil Spareinlagen. Aber man ist hier schnell bei der Frage, was Geld ist? Für mich – mal unwissenschaftlich – ein „Versprechen“. Heute erbrachte Leistungen gleich oder später mit jemand anderen Unbekanntem gegen andere Leistungen auszutauschen. Also so etwas wie ein Vertrag. Und dieser Vertrag muss natürlich keine dingliche Grundlage wie Gold etc haben.
    Geld mag ja auch – wie Sie schreiben – funktionieren, aber gilt dies auch für die Banken „dazwischen?“

  3. Hallo,

    ein wichtiger, gar existenzieller, Punkt wurde vergessen: Banken brauchen keine Ersparnisse. Banken schöpfen Kredit aus dem Nichts. Und solange dieser Punkt nicht verstanden ist, wird weiter viel Verwirrung in Sachen Finanzen herrschen.

    Grüße,

    B. Müller

      1. Hallo nochmal,

        in der zweiten Durchsicht: Ich bin kein „Austrian“, Goldanhänger oder Freigeld-Propagandist. Wir verwenden seit 1945 Ponzi-Geld („aus dem Nichts geschöpft“) in allen Industriestaaten – und es funktioniert. Doch man sollte es wissen und entsprechend handeln.

        Grüße,

        B. Müller

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