Einen Aktiencrash würden die meisten ja verstehen, aber diesen Crash?


Wenn dieses Risiko, ein anderes als ein Aktiencrash, eintritt, wird der Glaube vieler Sparer an die Finanzwelt möglicherweise endgültig überstrapaziert.  Hoffen wir also, dass es nicht eintritt.

Wir verfolgen seit der – sagen wir einmal großen Wende 2008 – intensiv die Welt der Banken. Und dies durchaus kritisch, so dass wir auch die Frage gestellt haben: Brauchen wir Banken? Diese Frage schien und scheint uns durchaus berechtigt angesichts der Kosten des Fast-Banken-Chrash in 2008.

Nun, wir würden uns gern eine Welt wünschen, in der wir Banken nicht so bedingungslos bräuchten, dass es im Falle einer Schieflage keine Alternative zum Retten gäbe. Aber soweit ist die Welt noch nicht,

  • trotz aller Initiativen aus dem Bereich Fintech
  • trotz der Alternativen zur Kreditvergabe durch Lending
  • und wegen zaghafter Regulierungsmassnahmen, um Banken sicherer zu machen.

Allerdings, etwas hat die Regulierung bewirkt. Und zwar gehen die Banken – zumindest in einigen Geschäftsfeldern weniger Risiken ein. Und genau (auch) dadurch steigen in diesen Marktsegmenten die Risiken.

Es geht um den Markt der Renten (festverzinsliche Wertpapiere)

Bis 2007 war es üblich, dass Banken und Broker in hohem Umfang „eingesprungen“ sind, wenn Anleger und Investoren Ihre festverzinslichen Wertpapiere verkaufen wollten und sich nicht „sofort“ Käufer gefunden haben. Die Banken und Broker haben dann eben einfach die Papiere zunächst selbst gekauft. Diese Händlerbestände sind aber seit 2008 und dann noch einmal seit 2011 deutlich gesunken, während der Bestand an Unternehmensanleihen deutlich gestiegen ist:

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Ein Grund: Auch festverzinsliche Papiere stellen Risiken dar und nach der Bankenkrise mussten die Risiken in den Bilanzen der Banken abgebaut werden.

Wer aber soll in Zukunft, wenn – aus welchem Grund auch immer – plötzlich viele Anleger ihre festverzinslichen Papiere verkaufen wollten, jetzt noch diese kaufen? Normalerweise sinkt in einer solchen Situation einfach der Wert -Kurs- der Papiere. Wenn aber niemand, oder sehr wenige kaufen wollen, findet kein Verkauf statt. Nicht der gesunkene Wert ist dann das Problem. Das Problem ist, dass man nicht mehr zu jedem Zeitpunkt an sein Geld kommt.

Nun höre ich schon den entwarnenden Einwand: Ja, aber solange das Unternehmen (der Staat –  seltsamerweise wird das Liquiditätsproblem von Staatsanleihen nicht oder kaum thematisiert) nicht insolvent wird, erhalte ich meine Zinsen und am Ende mein Geld zurück.

Richtig, aber nur relativ wenige private Anleger kaufen direkt Anleihen. Sehr viele kaufen diese Papiere innerhalb von Investmentfonds, auch weil sie bisher mit Recht und nur  wenigen Ausnahmen erwarten konnten,  jedezeit an ihr Geld zu kommen. Sollte aber der Fonds seine Rentenpapiere nicht verkaufen können, kommt der Anleger eben nicht mehr an sein Geld. Viele Anleger, die in offene Immobilienfonds investiert hatten, haben bereits derartige Erfahrungen gemacht.

Noch mehr „Entäuschung“ werden aber möglicherweise die Sparer erfahren, die in Mischfonds investiert sind. Mischfonds investieren in Renten und Aktien. Beliebt sind diese Fonds, weil sie ein geringeres Kursrisiko als Aktienfonds haben und zugleich recht ordentliche Renditen in den letzten Jahren erzielt haben. Sollten diese Sparer von dem sogenannten Illiquiditätsrisiko in großem Umfang betroffen werden, weil die Fonds die Rücknahme der Anteile aussetzen müssen,  dann wird wohl der anfangs erwähnte Glaube an die Finanzwelt für sehr lange Zeit verschwunden sein. ( Darf es etwas Ironie sein:  Aus Verzweiflung wird wohl noch mehr Geld auf Tagesgeldkonten der Banken fließen, also dorthin, wo 2008 das anscheinend nie endende Drama begann 🙂 )

Nachtrag:

Wer uns auf Twitter folgt, wird vielleicht bemerkt haben, dass uns dies Thema seit längerem bewegt. Aber von der Mentalität her, sind wir eher nicht die „Untergangs- und Crash-Propheten“, sodass wir uns doch meist etwas bedeckt halten. Und im Endeffekt wird auch eine mögliche Illiquidität der Rentenmärkte nicht zum Untergang der Welt führen. Aber es wäre doch schon schlimm genug, wenn Sparer und Investoren einige Monate (Jahre?) nicht an ihr Geld gelangen würden. Was gab aber nun den endgültigen Anstoss zur Veröffentlichung dieses Beitrages?

Zwei Gründe:

1. Beiläufig – und eigentlich in einem anderen Zusammenhang habe ich auf Twitter das Fondsmanagement der Nord LB Vermögensmanagement Luxembourg S.A nach deren Einschätzung der Liquiditätsrisiken auf dem Rentenmarkt gefragt. Und erhielt diese Antwort:

26072015r12. Risiken und Gefahren zu publizieren hat – zumindest wenn man in der Branche tätig ist – macht nur Sinn, wenn man eine Strategie hat, diesen Risiken zu begegnen. Wobei es nicht zielführend ist, eine Anlagestrategie zu verfolgen, die nur auf den Eintritt dieses Risikos abstellt. Denn grundsätzlich bleibt es ungewiss, ob der Fall der Illiquidität tatsächlich eintritt. Eine sinnvolle Strategie muss also in beiden Szenarien bestehen können, also sowohl im Fall, dass es zur Illiquidität der Rentenpapiere kommt, als auch im Fall, dass es nicht dazu kommt.  Eine solche Strategie haben wir jetzt für unsere Kunden erarbeitet. Wenn Sie mehr wissen wollen, nehmen Sie Kontakt mit uns auf: wolfgang.gierls@foraim.de


 Wir ordnen diesen Beitrag der Kategorie Alte Welt der Finanzen zu. Denn alles hier Beschriebene ist, wenn es denn so eintreten sollte, eine Folge der Alte Welt der Finanzen.  Leider nimmt uns alle diese Alte Welt so in Anspruch, dass etwas wenig Zeit für die Neue Welt bleibt. Dabei ist diese eigentlich wichtiger. Schauen wir also mal, dass wir in Zukunft mehr aus der Neuen Welt berichten können.


Interessant in diesem Fall ist vielleicht auch unsere kleine Pressesammlung Renten: Blase und Liquidität zu diesem Thema.

 

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