Preis der Bankenrettung: Illiquidität – Die Sache mit den offenen Immobilienfonds war noch harmlos


Der Preis der Bankenrettungen erschöpft sich möglicherweise nicht nur in den Milliardenbeträgen, die vom Staat und damit von den Bürger aufgebracht wurden, um 2008 die Banken zu retten. Als Spätfolge könnte ein ganzlich anderer Schaden auftreten, der sicher viele Sparer und Anleger sehr – leider nicht positiv – überraschen könnte.

Die Sache mit dem magischen Dreieck ist zwar ein alter Hut.  Um aber auch Nicht-Fachleuten das potentielle Folgerisiko der Bankenrettung zu verdeutlichen, hier noch einmal die wesentliche Aussage des magischen Dreiecks:

Jede Form der Geldanlage kann an 3 wesentlichen Eigenschaften gemessen werden, wobei keine Geldanlage jemals alle 3 Kriterien gleichzeitig optimal erfüllen kann:

  • Rentabilität
  • Sicherheit
  • Liquidität

Für Liquidität könnte man auch den Begriff Fungibilität wählen.  Fungibilität „bezeichnet die Eigenschaft von Gütern, Devisen und Wertpapieren, bspw. nach Maß, Zahl oder Gewicht bestimmbar und ohne Weiteres auswechselbar oder austauschbar zu sein.“ (1) Es geht also um die Möglichkeit die gewählte Form der Geldanlage handeln zu können, und sie damit im Zweifel zu Bargeld zu machen. Dann ist man (wieder) liquide.

Einige Anleger und Sparer werden sich noch an die große Schließungswelle der offenen Immobilienfonds erinnern. Man hatte sein Geld in eine allgemein als sichere Anlage geltende Anlageform angelegt und kam plötzlich für Monate und zum Teil Jahre nicht mehr an sein Geld heran.  Es offenbarte sich also das Risiko der Illiquidität. (Die Schliessungswelle der offenen Immobilienfonds würde ich übrigens nicht direkt in den Zusammenhang der Bankenrettung bringen.)

Es zeichnen sich jetzt aber neue Illiquiditätsrisiken ab, die man meiner Meinung nach als Spätfolge der Bankenrettungen ansehen kann. Jedenfalls dann, wenn man das aktuelle Niedrigzinsniveau als geldpolitische Massnahme ansieht, die ursprünglich notwendig war, die Zahlungsfähigkeit der Banken überhaupt aufrecht zu erhalten und in deren Folge es den Banken wieder ermöglichen sollte, mehr Kredite an Unternehmen zu vergeben. Denn Anfang 2009 hatte die Realwirtschaft – in Folge der Bankenkrise- einen höheren Einbruch als nach der Ölkrise zu verzeichnen. (Nicht jeder wird sich daran erinnern. Das Positive damals war, es gab keine Staus auf der Autobahn, das Negative war, es gab ein Autofahrverbot).  Man kann das Niedrigzinsniveau auch als Stützungsmassnahme für die hochverschuldeten Staaten ansehen, deren Verschuldungssituation sich durch die erforderlichen Geldmittel für die Bankenrettungen nicht gerade verbesserte. Ich will das aber nicht tiefergehend betrachten. In der Ökonomie sollte man eigentlich nicht monokausal argumentieren. Aber dennoch, immer wieder kommen die Banken, bzw. deren Rettung ins Spiel, wenn man sich mit den historisch niedrigen Zinsen beschäftigt.

Aktuell lauern Risiken, dass man dann nicht an sein Geld herankommt, wenn man es möchte, bei einer der beliebtesten Sparformen der Deutschen, der Lebens- bzw. privaten Rentenversicherung. („Beliebt“, wenn man diese Chrakterisierung daraus ableitet, dass wohl fast jeder Deutsche mindestens einen solchen Vertrag hat.)

Mindestens von 2 Seiten wird eine Kündigungsverbot (Stornierungsverbot) von Lebensversicherung derzeit ins Spiel gebracht. Und Achtung, der Ruf kommt hier nicht aus der Lobby-Ecke der Versicherungen:

Mit einer Verletzung des Gerechtigkeitsverbots argumentiert  der Experte für Versicherungsrecht Prof. Dr. Hans-Peter Schwintowski, der zugleich Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Bundes der Versicherten (BdV) e.V. ist (Achtung: Bund der Versicherten, nicht Bund der Versicherungen) (2).  Einschränkend muß allerdings angemerkt werden, dass er den Versicherungsnehmern nicht alle Möglichkeiten nehmen möchte vor Ablauf des Vertrages an ihr Geld zu gelangen, in dem er einen verstärkten Hinweis auf den Zweitmarkt für Lebensversicherungen fordert.  Aber sogenannte Zweitmärkte sind nicht unbedingt mit Aktienbörsen zu vergleichen, wo man aufgrund derVielzahl von Verkaufsangeboten und Kaufnachfragen für Aktien von „marktgerechten“ Bewertungen ausgehen kann. Mit Einschränkungen zeigt sich dieses Problem bei den Zweitmärkten für geschlossenen Fonds. Und sollten die grundsätzlichen Probleme der Lebensversicherungen erst einmal auf breiterer Front bekannt sein, dann kann man sehr wahrscheinlich davon ausgehen, dass die Ankaufspreise für Lebensversicherungen schnell unter die bisher bekannten Rückkaufswerte fallen.

Aber nicht nur die Wissenschaft weist auf die Risiken der Illiqidität der Lebensversicherungen hin.

Als Versicherungslobbyisten wird man die Grünen wohl eher nicht bezeichnen können.  Der finanzpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Gerhard Schlick, betrachtet drei Szenarien für die Zukunft der Lebensversicherungen, alle vor dem Hintergrund des Niedrigzinsniveaus (3):

  • bestehende Garantieversprechen bei Altverträgen aufheben
  • es den Lebensversicherungen erlauben in besser verzinste Anlagen zu investieren. Was mehr Risiko bedeutet oder von den Lebensversicherungen eine höhere Eigenkapitalquote erfordert, was den Versicherungsgesellschaften aber zu teuer ist (Diese Argumentation kennen wir doch von den Banken. Nun ja, die hat man erst einmal gerettet. Wer auf eine solche Rettung auch bei Versicherungen setzt, könnte enttäuscht werden. Versicherungen sind weniger systemrelevant. Sie sind relevant für die Höhe Ihrer Renten. Aber die absolute Höhe Ihrer möglichen Renten sind zwar für Sie, nicht aber für das Sytem relevant)
  • Aussitzen und auf höhere Zinsen warten wird als dritte Option genannt.  Aber was wie Rettung klingt, könnte für die Versicherungen extrem gefährlich werden, denn steigende Zinsen führen in der Regel zu massiven Wertverlusten bestehender Anlagen. Hier findet Schlick eine Assoziation, die möglicherweise aufweckt: „Das würde wirken wie ein Bankenrun.“  Wir sind gespannt, ob dann wieder ein Fernsehauftritt wie im Herbst 2008 fällig wird. Diesmal allerdings nicht Frau Merkel mit Herrn Steinbrück sondern Frau Merkel mit Herrn Schäuble. Damals in 2008 sprachen Frau Merkel und Herr Steinbrück eine „Staatsgarantie“ für die Bankeinlagen aus. Diese hat Herr Steinbrück übrigens zwischenzeitlich dementiert.

22072015st( Mehr Grundsätzliches zur Sicherheit der Geldanlagen bei Banken können Sie übrigens in unserem Geldanlage-Katalog hier lesen)

  • Nun, wer sollte unter den Umständen an eine Staatsgarantie für Lebensversicherungen glauben?

Es besteht aber die „Hoffnung“ ( wir wissen nicht, ob man auf den folgenden Lösungsvorschlag hoffen  sollte), dass die Politik vorsorglich reagiert. Der finanzpolitisch Sprecher der Grünen sieht nur einen Ausweg durch eine gesetzliche Regelung, „die einerseits verhindert, dass Kunden einfach aus den Verträgen aussteigen können, und andererseits dafür sorgt, dass die Unternehmen systematisch ihr Eigenkapital ausbauen“.

Ja, Europa hat das Potential auch im Negativen zusammen zu wachsen.  Warum sollte nur den Zyprioten und Griechen der Zugang zu derem Geld versperrt werden. Allerdings, dies betraf Bankguthaben und war daher zeitlich befristet – Banken sind systemrelevant! Versicherungsnehmer dürften wohl länger warten können. Griechenland, Zypern und Deutschland sind eben doch nicht das Gleiche.

Übrigens: Das Risiko der Illiqidität besteht nicht nur für die Besitzer von konventionellen Kapital- und Rentenversicherungen. Einer der weltweit bekanntesten  Fondsmanager, Bill Gross, sieht dieses Risiko auch genau bei der Anlageart, in die Lebensversicherungen primär investieren, den sogenannten Renten(festverzinslichen Wertepapieren) . Nachzulesen hier: DAS INVESTMENT.COM „Fondsgesellschaften können im Fall der Fälle nur an sich selbst verkaufen“

Nachträge:

Besitzer von Lebensversicherungen sollten sich nicht in jedem Fall sicher fühlen, weil Herr Schick eine gesetzliche Regelung ins Spiel bringt, die das Aussteigen aus bestehenden Verträgen generell verbietet, und dieses Gesetz noch nicht verabschiedet ist. Man könnte ja meinen, so schlimm komme es nicht.  Dieses Hoffen könnte arg enttäuscht werden, denn wenn gerade ihre Lebensversicherung notleidend wird, so können Regelungen greifen, die es schon jetzt gibt:

22072015lvb(Wenn Sie möchten, senden wir Ihnen diese Informationsschrift kostenlos zu. Senden Sie ein Mail an service@foraim.de)

Übrigens die Probleme der konventionellen Lebens- und Rentenversicherungen sind nicht neu. Damit niemand sage könne, er habe es nicht gewusst, führen wir seit Oktober 2010 eine umfangreiche Pressesammlung, die Sie hier finden.

Wenn Sie Fragen zu Ihren Verträgen haben, wenden Sie sich an uns. Sie erhalten eine faire Analyse Ihres Vertrages und Sie gehen keine Verpflichtung ein.

 


(1) Zitat aus Gabler Wirtschaftslexikon

(2) Versicherungsrechtler Schwintowski fordert Stornoverbot der Lebensversicherung

(3) Frankfurter Rundschau: Versicherungen auf brüchigem Fundament

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