Was ein Wissenschaftler zu den Analysten sagt-Und hat dies Auswirkungen für Anleger?


Auf einem Vortrag des Finanzplatz Hamburg e.V. hatte ich unter anderem Gelegenheit ein Referat des Privatdozenten Dr. Alexander Kerl zu hören. Im Tenor ging es bei der wissenschaftlichen Untersuchung, für die Herr Dr. Kerl den Preis Finanzkompass 2014 (1) gewonnen hat um die Frage, ob eine potentielle mögliche Beeinflussung gegeben sein könnte, wenn das Analysehaus im weitesten Sinne durch geschäftliche Verbindungen zu dem zu analysierenden Unternehmen hat. Eine solche geschäftliche Verbindung könnte darin bestehen, dass das Analysehaus Aktien an den zu analysierenden Unternehmen hält, oder dass Mitarbeiter des Analysehauses in Beiräten des zu analysierenden Unternehmens sitzen. Neben diesen beiden Kriterien wurden drei weitere Kriterien untersucht.

Diese geschäftlichen Verbindungen könnten zu Interessenkonflikten führen. Ich vermute einmal, dass viele Leser dieses Beitrages sagen werden, wozu hier eine Untersuchung, es ist doch klar, dass Interessenkonflikte sich auf das Analyseurteil auswirken. Diese Aussage könnte man als den so genannten gesunden Verstand bezeichnen.

Ich dagegen glaube, dass eine sorgfältig aufgebaute wissenschaftliche empirische Untersuchung sehr wohl sinnvoll ist, und dies besonders dann wenn wir meinen uns auf den gesunden Menschenverstand verlassen zu wollen. Dieser narrt zuweilen doch.

Ich hatte lange keine rein wissenschaftliche Veranstaltung mehr besucht und mich interessierte insbesondere mit welcher Methodik und welchen Prämissen gearbeitet wurde. Denn gerade die Annahmen und die Verarbeitung der Annahmen haben Einfluss auf das dann logisch abgeleitete Ergebnis. Verständlicherweise wird man in Zeitungsbeiträgen, leider aber auch häufig in Fachzeitschriften unserer Branche und auf Fachveranstaltung unserer Branche selten umfassend über Methodik und Prämissen informiert. Beruhigend ist nun, dass in wissenschaftlichen Vorträgen wie dem hier genannten diese für mich wichtigen Beurteilungskriterien voll erfüllt worden.

Nun zum Ergebnis:

Ja, es hat sich herausgestellt, dass mit einer zunehmenden Zahl von potentiellen Interessenkonflikten Einflüsse auf das Ergebnis der Analysen ersichtlich werden. Zum Beispiel bewirkt dies bei Kaufempfehlungen von bestimmten Aktien, dass diese über optimistisch ausfallen und somit für den Anleger, der sich auf diese Empfehlung verlässt, keine Chance auf eine „ Über-Performance“ besteht. Allerdings könnten für den Anleger doch Vorteile entstehen, wenn er Verkaufsempfehlungen von Analysten folgt, die in höheren Umfang potentiellen Interessenkonflikt unterliegen. Hier lagen die möglicherweise beeinflussten Analysten besser als die Analysten, die keinen Interessenkonflikten ausgesetzt waren.

Von der Wissenschaft zur Praxis:

Leider kann der Anleger sich diese Erkenntnisse nicht direkt zu Nutze machen, denn es ist noch nicht ohne weiteres herauszufinden, ob ein Analysehaus (dabei kann es sich durchaus um Banken handeln) Interessenkonflikte mit dem zu analysierenden Unternehmen hat.

Man könnte aber vermuten, dass je größer das Analysehaus ist (respektive die Bank) umso eher werden wahrscheinlich Interessenkonflikte möglich sein. Dies könnte dann heißen, tendenziell eher den Verkaufsempfehlung der großen Analysehäuser folgen und bei Kaufempfehlungen eher auf Analysen aus kleinen Häusern zu achten.

Trotz der Würdigung dieser Arbeit durch den genannten Preis, sollte aber beachtet werden, dass die empirische Arbeit auf der Auswirkungsauswertung lediglich eines Analysehauses beruht und nur einen Zeitraum von einem Jahr umfasst. (Ich glaube es war das Jahr 2010, ich bin mir aber nicht mehr sicher). Zudem habe ich persönlich einen kleinen Kritikpunkt zu der Methodik. Denn es war nicht untersucht worden, ob die jeweiligen Analysten von den potentiellen Interessenkonflikten ihres Arbeitgebers überhaupt Kenntnis hatten.


 

Ich ordne diesen Artikel einmal der Kategorie  „Neue Welt“ zu.  Die Untersuchung gibt ja grundsätzliche Hinweise für eine klein wenig bessere Finanzwelt.

 

Pressemitteilung zur Verleihung des Finanzkompass 2014

 

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