Die Mär von den Sachwerten


Der Begriff Sachwerte führt schnell zu voreiligen Assoziationen. Man sollte daher den Begriff vorsichtig verwenden. Dies auch, weil die schnelle Assoziation, die der Begriff Sachwerte leicht  hervorruft, der Wirtschaft in einer postindustriellen Phase (postindustriell im alten Sinne) nicht gerecht wird.

Generell erfreuen sich Sachwerte im Bereich der Kapitalanlagen einer gewissen Beliebtheit. Möglicherweise steht der Gedanke dahinter, eine Sache an sich könnte einen dauerhaft Wert haben. Wenn viele Akteure am Markt dies glauben, könnte dies tatsächlich phasenweise der Fall sein. So beispielsweise bei Gold oder Immobilien. Der Wert entsteht aber nur durch die implizite Übereinkunft, dass diesen Sachen ein Wert beigemessen wird.

„Sache“ bzw. Sachwert ist genau genommen ein etwas ungenauer Begriff. Genauer wäre wohl die Bezeichnung materieller Wert, also quasi etwas zum Anfassen. Häufig werden auch Aktien als Sachwerte bezeichnet, denn mit Aktien wird man Eigentümer eines Unternehmens, und dieses besteht ja aus materiellen Werten wie Maschinen, Gebäuden und so weiter.

Denkt man …

Diese Grafik zeigt sehr deutlich, dass der Sachwertanteile der im Aktienindex S&P 500 inzwischen sehr gering geworden  ist:
20032015flMan kann die abnehmende Bedeutung materieller Werte sicherlich auf unterschiedliche Weise erklären. Das soll hier allerdings nicht das Thema sein. Wir wollen lediglich darauf hinweisen, dass allein das Vorhandensein von Sachen diese noch nicht zu Sachwerten macht.

Nicht alles, was man anfassen kann, hat immer einen bleibenden Wert. Dies gilt insbesondere dann, wenn es kein anderer mehr haben möchte.


 „Neue Welt“ oder „Alte Welt“? Der Begriff Sachwerte gehört- und dies zeigt die Grafik sehr schön- in die Kategorie „Alte Welt“

 


 

 

 

2 Gedanken zu “Die Mär von den Sachwerten

  1. Ich hätte unter Sachwerte als zusammengesetztes Hauptwort von Sache und Wert interpretiert,
    wobei ich Sache in diesem Fall als juristischen Begriff verstanden hätte (Sachen des bürgerlichen Rechts):

    Die Art einer Sache [ http://de.wikipedia.org/wiki/Sache_(Recht)#Art_einer_Sache ] wird im bürgerlichen Recht nach folgenden Kriterien beurteilt: bewegliche und unbewegliche, vertretbare, unvertretbare, verbrauchbare, unverbrauchbare und teilbare, unteilbare Sachen.

    Unbewegliche Sachen (Immobilien) sind Grundstücke und den Grundstücken gleichgestellte Sachen. Sie werden auch als Liegenschaften bezeichnet.

    Bewegliche Sachen (Mobilien) => Leiten sich vom alten Begriff der Fahrnis ab.

    Vertretbare Sachen => im Sinne von § 91 BGB sind alle beweglichen Sachen, bei denen es auf eine Individualisierung nicht ankommt, und die im Rechtsverkehr nach Zahl, Maß und Gewicht bestimmt zu werden pflegen. Beispiele hierfür sind Kartoffeln, Getreide, Geld, Wertpapiere oder Zucker.

    Unvertretbare Sachen sind alle die Sachen, die als solche individuell bestimmt sind. Dazu gehören beispielsweise Grundstücke und Wohnungen, aber auch ein geschneidertes Kleidungsstück oder ein individuell angepasstes Auto.

    Teilbare Sachen sind die Sachen, die sich ohne Wertminderung in gleichartige Teile zerlegen lassen. Wenn beispielsweise ein großes unbebautes Grundstück in zwei kleinere Grundstücke geteilt werden kann, ohne dass der zusammengerechnete Wert der beiden einzelnen Grundstücke geringer ist, dann ist das Grundstück eine teilbare Sache. Vertretbare Sachen sind stets teilbare Sachen, soweit eine Teilung tatsächlich möglich ist (beispielsweise Geld). Der Begriff der Teilbarkeit hat Bedeutung für die Aufhebung der Gemeinschaft.

    Verbrauchbare Sachen sind nach § 92 BGB bewegliche Sachen, die nach objektiver Anschauung ihrer Zweckbestimmung zum Verbrauch (z. B. Butter, Heizöl und Schmieröl) oder zur Veräußerung (z. B. Aktien oder Geld) bestimmt sind.

    weitere Details http://de.wikipedia.org/wiki/Sache_(Recht)#Nutzungen_einer_Sache

    1. Danke Dir für den „Fleisskommentar“ 🙂 Sicherlich eine interessante Sichtweise. Wenn – und das ist mir nicht bekannt – Geld und Wertpapiere – tatsächlich als Sachen gelten, verliert aber der Begriff Sachwerte für den durchschnittlichen Anleger schnell an Bedeutung. Muss mich damit gelegentlich mal näher beschäftigen.
      Gruß aus dem „Norden“

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