Vermögen: Kein Neid, nur ein Diskussionspunkt


Und dieser Diskussionspunkt stellt nur eine Aufforderung dar, einen Aspekt der Vermögensverteilung nicht klassenkämpferisch zu sehen, sondern unter Effektivitätsgesichtspunkten. Dazu ein Zitat aus einem Printmedium (also leider kein Link):

„Der volkswirtschaftliche Grundgedanke ist: Wer Vermögen von seinen Eltern (Ergänzung desVerfassers: geerbt) hat, kümmert sich in erster Linie darum, wie er es erhalten kann. Und nicht darum, wie er damit produktiv tätig wird“ (1)

So werden Timm Bönke und Charlotte Bartels von der FU Berlin, Fachbereich öffentliche Finanzen, im Zeit Magazin zitiert. Dieses Zitat sollte jetzt nicht etwa reflexhaft zum Anlass genommen werden, Erbschaften höher zu besteuern. Denn bei einer Forderung nach höherer Erbschaftssteuer wären vielfältige und wahrscheinlich nicht nur ökonomische Aspekte zu berücksichtigen, welche den Rahmen eines   Blogbeitrages  sprengen würden. Ich will an dieser Stelle nur auf eine eher effizienzorientierte Frage im Zusammenhang mit Vermögensbesteuerungen – denn eine Erbschaftssteuer ist eine Vermögenssteuer – hinweisen: Könnte der Staat das durch diese Steuer vereinnahmte Geld effektiver einsetzen als Privatpersonen?

Kommen wir aber auf das Zitat zurück. Für mich liegt die Kernaussage in dem Begriff „produktiv“. Die These, dass zu große Vermögen in den Händen einiger Personen, möglicherweise nicht mehr effizient eingesetzt werden, habe ich bereits an anderer Stelle vertreten und dort auf den Begriff „abnehmende Grenzleistungsfähigkeit“ des Kapitals hingewiesen (2). Allerdings bezog sich diese Betrachtung auf größere Vermögen als diese typischerweise bei Erbschaften anfallen. Wenn aber auch, wie der Juniorprofessor Bönke vermutet, ein solches Phänomen bereits bei kleineren Vermögen auftritt, sollte es in der allgemeinen volkswirtschaftlichen Diskussion doch einen breiteren Raum finden.

Klar erscheint mir, dass es hier keine einfache Lösung gibt. Oder besser: Es sollte keine einfache Lösung gewählt werden, denn ich vermute eine derartige Lösung würde leicht die Vielfältigkeit der Fragestellung vernachlässigen. Im Kern scheint es mir aber wesentlich, Kapital oder besser – um die Verteilungsdiskussion etwas außen vor zu lassen – Erträge aus Kapital unterschiedlich steuerlich zu erfassen, je nachdem wie „produktiv“ das Kapital eingesetzt wird.

Jetzt allerdings daraus Argumente zu beziehen, um gegen die geplante Steueränderung bei Vererbung von Betriebsvermögen zu argumentieren, halte ich auch nicht für den richtigen Weg. Denn auch hier müsste gefragt werden, ob jedes in Unternehmen gebundenes Kapital produktiv (genug) ist. Google, Apple und Co sind jedenfalls keine ererbten Unternehmen.


 Alte Welt – Neue Welt? Hier im Blog will ich zwischen Neuer Welt und Alter Welt unterscheiden. Für mich ist das Thema Verteilung – wie gesagt nicht im altbekannten klassenkämpferischen Sinne ein Thema der Neuen Welt.


(1) Zitat aus Zeit Magazin „Eine Klasse für sich“, Julia Friedrichs, Zeit Magazin Nr. 11 März 2015

(2) Rogoff, wie er mir gefällt. Oder warum Hochvermögende produktiv investieren sollten.

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