Katzen, Quantenmechanik und Niedrigzinsniveau


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Für theoretische Physik habe ich ein Faible. Mit dem Niedrigzinsniveau muss ich mich zwangsläufig beschäftigen. Also war ich zunächst spontan fasziniert von dem Vergleich der aktuellen Zinssituation mit der Quantenmechanik, den William White, ehemaliger Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in einem Interview der Zeitschrift Finanz und Wirtschaft aussprach:

„In einem Umfeld, in dem die Zinsen nicht mehr weiter fallen können – die sogenannte Zero Lower Bound –, ist es wie bei der Quantenmechanik. Machen wir einen kleinen Exkurs in die Physik: Die klassische Newton’sche Mechanik funktioniert nur, wenn die Masse eines Körpers gross genug ist. Wenn die Masse zu klein ist, findet man sich in der Welt der Quantenmechanik wieder.“ (1)

Eine der interessantes Aussagen zu der Quantenmechanik hat Erwin Schrödinger getroffen: Das Ergebnis eines Gedankenexperiment hängt vom Beobachter ab. Hier ein kurzes Video zu Schrödingers Katze.

 

Interessant :-). Allerdings, in der Ökonomie befinden wir uns ganz offensichtlich nicht in der „Welt der kleinsten Teilchen“ (die ja nicht mal Teilchen sind). Daher sehe ich mit etwas Abstand den Vergleich von White doch anders:

Verdient es das von Menschen verursachte Niedrigzinsniveau tatsächlich mit einem der wesentlichen Erklärungsansätze der Welt – immerhin zeigt uns die Physik Naturgesetze auf – in einem Zusammenhang erwähnt zu werden? Greifen da die Ökonomen nicht etwas zu sehr zu hoch?

Ökonomie ist menschengemacht. Die Naturgesetze sind bestenfalls menschengedacht (möglicherweise aber steht noch einiges mehr dahinter). Also lasst uns bitte nicht etwas „selbst Verschuldetes“ mit etwas „nicht selbst Verursachtem“ vergleichen.

Aber es ist nicht nur diese etwas abstrakte Kritik, die mein anfängliches Faible für den Vergleich der Folgen des Niedrigzins und der Quantenmechanik verblassen lässt. In diesem Vergleich offenbart sich das „uralte“ Streben der Volkswirtschaftslehre eine Wissenschaft wie Naturwissenschaft zu sein. Die daraus resultierenden Erklärungsansätze haben uns nun wirklich lange genug in die Irre geführt. (2)

Dieser Vergleich zeigt aber eine weitere Schwäche der – jedenfalls in der Öffentlichkeit meist aufzufindenden – Ökonomie auf. Sie läuft zu häufig der realen Entwicklung hinterher. In der jüngeren Vergangenheit hat sich dies zum Beispiel darin gezeigt, dass erst nach der Krise 2008 die Bedeutung der Banken als wesentlicher Faktor für ökonomische Modelle erkannt wurde.Jedenfalls wurde dies als ein wesentlicher Grund für das Prognoseversagen hinsichtlich der immer noch schwellenden Banken-/Finanzkrise angeführt.

So „schön“ der Vergleich Quantenmechanik und nicht abschätzbare Folgen der aktuellen Geldpolitik (die auch mangels sonstiger Handlungen Wirtschaftspolitik sein will/muss?)ist, sie zeigt leider nur Hilflosigkeit. Kein Ruhmesblatt der in den Medien vertretenen Ökonomie.

Aber es beginnt ja bald ein neues Jahr. Da könnte man mit guten Vorsätzen doch einmal neu anfangen, ökonomisch zu denken.


Alte Welt – Neue Welt? Hier im Blog will ich zwischen Neuer Welt und Alter Welt unterscheiden. Für uns ist der Ansatz von White doch eher der Alten Welt zuzuordnen. Eine zustarke Orientierung der Ökonomie an die Naturwissenschaften, hat die Ökonomie lange genug in die Irre geführt.

(1) Finanz und Wirtschaft «Das internationale Geldsystem ist ohne Anker» 19.12.2014

(2) Überlegungen zu diesem Thema finden sich im Script  „Neue Wege der Volkswirtschaftslehre.Was hat die Evolutionstheorie mit Aktienkursen zu tun?“. Diesen Script finden Sie zum Download auf dieser Seite FORAIM Mehr Wissen Downloads

 

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