Warum eine festverzinsliche Anlage unkalkulierbar ist – wie man aber doch kalkulieren kann


Am Ende des Artikels finden Sie eine Excel-Tabelle, mit der Sie eigene Berechnungen durchführen können.

Viele Anleger orientieren sich bei ihrer Entscheidung hinsichtlich einer Geldanlage an der Höhe der zugesagten Zinsen. Zinsen erhalten die Sparer, wenn sie ihre Geldanlage in einer der folgenden Formen tätigen:

  1. Festgeld
  2. Sparbuch
  3. Tagesgeld
  4. Inhaberschuldverschreibungen
  5. Unternehmensanleihen
  6. Staatsanleihen

Derartige Anlageform erscheinen vielen Anlegern interessant, weil sie meinen diese Anlagen seien „kalkulierbar“. Man investiert einen bestimmten Betrag, erhält jährlich den vereinbarten Zins auf diesen Betrag und nach Ende der Laufzeit wird das eingesetzte Kapital zurückgezahlt. Die (fast) einzige Voraussetzung, damit dieser Plan aufgeht, besteht darin, dass derjenige, dem man sein Geld als Kredit gibt, über die Laufzeit zahlungsfähig bleibt, er darf also nicht in Insolvenz gehen.

Eine zweite Voraussetzung, die auf Seiten des Sparers gegeben sein muss, wird leicht übersehen. Es darf nicht geschehen, dass der Anleger aus welchen Gründen auch immer zwischenzeitlich (während der Laufzeit) über sein Guthaben verfügen möchte. Diese Situation ist aber gar nicht so unwahrscheinlich. Denkbar ist:

  • Aufgrund eines unvorhersehbaren Ereignisses benötigter Sparer sein Geld vor Ablauf der Anlagedauer
  • Das allgemeinen Zinsniveau hat sich während der Laufzeit der Anlage so positiv geändert, dass der Sparer sein Geld lieber zu dem neuen Zinsniveau anlegen möchte.

Wenn einer dieser beiden Fälle in Zukunft möglich ist, bieten die Zinsen für den Anleger keine Kalkulationssicherheit mehr. Soweit es sich nicht um die ersten vier der genannten Anlageformen handelt, kann der Anleger zwar seine Unternehmens- oder Staatsanleihen verkaufen, er weiß aber heute nicht wieviel Geld er dann dafür erhält.

Man kann aber schon heute sehr gut abschätzen, wie groß der Wert einer festverzinslichen Anlagen in einem beliebigen zukünftigen Jahr sein wird, wenn man eine Annahme darüber tätigt, wie hoch der Zins zu diesem Zeitpunkt für eine gleichartige Anlage sein wird, dessen Laufzeit zum gleichen Zeitpunkt endet wie die ursprüngliche Anlage. Dieser künftige Zins ist zwar nicht der einzige Einflussfaktor für den künftigen Kurs eines Wertpapieres. Daneben könnten sich auch Kursänderung durch eine geänderte Einschätzung der Bonität des Emittenten (Schuldner) ergeben. Entscheidet man sich aber für eine Unternehmensanleihe eines sehr bonitätsstarken Unternehmens oder eine deutsche Staatsanleihen, zu sind mit Einschränkungen diese Effekte geringer als der Effekt durch das geänderte Zinsniveau.

Wie viel Geld erhält der Anleger also zu einem späteren Zeitpunkt zurück, wenn sich keine Änderung in der Bonitätsseinschätzung ergibt, sich aber das Zinsniveau ändert?

Die Antwort ist relativ einfach: Stellen Sie sich vor, Sie kaufen eine Unternehmensanleihe mit einer zehnjährigen Laufzeit und einem jährlichen Zins von 2 %. In fünf Jahren gibt das gleiche Unternehmen eine Anleihe mit einer fünfjährigen Laufzeit und einem Zins von 5 % heraus. Wer sollte dann ihre Anleihen kaufen und jährlich auf 3 % verzichten? In der Realität ist jeder dazu bereit, wenn Sie diese Zinsdifferenz von 3 % für die folgenden fünf Jahre erstatten. Sie erhalten also für Wertpapier (3% mal 5 Jahre) 15 % weniger als Sie bezahlt haben. Kein gutes Geschäft: Fünf Jahre lang haben sie 2 % erhalten. Dies ergibt 10 % auf der positiven Seite für Sie und dann müssen sie 15 % Verluste beim Verkauf einstecken (1). Sollte das Zinsniveau aber in Zukunft weiter sinken (das scheint zwar unwahrscheinlich, muss aber nicht unmöglich sein) so würden sie entsprechend einen zusätzlichen Gewinn realisieren.

Wie hoch die Gewinne oder Verluste sein können, lässt sich mit dieser Tabelle errechnen (2). Die grünen Felder sind Eingabefelder. Bitte geben Sie nur unformatierte Werte ein, also zum Beispiel 2,5 statt 2,5%:


 

Anmerkung:

(1) Die Berechnung – wie auch in der Tabelle – ist überschlägig. Eine Abdiskontierung ist nicht berücksichtigt. Um aber einen Eindruck von den Auswirkungen günstiger Zinsänderungen zu erhalten, scheint diese Vorgehensweise vertretbar.

(2) Die Einbettung von Excel-Tabellen stellt ein Versuch dar. Wenn Sie einen wesentlichen Fehler entdecken, teilen Sie diesen gern mit.

 

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