Inflationsprognosen: Der Zusammenhang von Studium in den 70ern und Abba


1210aMehr eine Randnotiz von mir: Beim wöchentlichen Stöbern in diversen Wirtschaftsblogs weckt die Überschrift: „Nein, wir leben nicht mehr in den siebziger Jahren“ (1) mein Interesse. Warum? Waren schöne Zeiten ….

Gerald Braunberger greift das Thema auf, dass 23 prominente Ökonomen und Menschen aus der Finanzszene vor vier Jahren für die USA eine hohe Inflation vorausgesagt hatten. Der Grund für die prognostizierte Inflation wurde in der Geldpolitik der Fed gesehen. Na, da waren wir in Deutschland besser … Denn Ökonomen, Fondsmanager und Vermögensverwalter haben uns die große Inflation viel früher vorausgesagt, Ende des Jahres 2008. Aber ich schreibe diesen Beitrag nicht, um uns zu loben 🙂

Bemerkenswert ist der Zusammenhang, den Braunberger zwischen dem Ausbildungszeitpunkt der Ökonomen und der nicht eingetretenen Inflationsprognose sieht:

„Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass nicht wenige dieser Fehlprognosen von Personen stammen, die ihre akademische Ausbildung in den siebziger und/oder frühen achtziger Jahren genossen hatten.“ (2)

Hier scheint mir Herr Braunberger den gleichen Fehler zu machen, wie es die zitierten falsch prognostizierenden Ökonomen taten: Er stellt eine Kausalität zwischen zwei Tatbeständen her, von denen jeder einzelne richtig ist. Ja, die Ökonomen mögen in den 70-iger Jahren studiert haben, und ja, sie haben die Inflation in den USA vorhergesagt. Ach ja, da gibt es noch einen wichtigen Aspekt. Diesen Ökonomen war auch die Pop-Band Abba bekannt.

Mit dieser von mir zusätzlich eingebrachten Erkenntnis, können wir jetzt auch einen Zusammenhang zwischen Abba-Kennen und der Nichtreffersicherheit von Inflationsprognosen herleiten.

Exkurs: Dass ich zwar in beiden Argumentationsketten (Argumentation von Herrn Braunberger: Studium in den 70-iger und falsche Inflationsprognose und Argumentation von Herrn Gierls: Abba-Kennen und falsche Inflationsprognose) eine Sonderstellung einnehme, unterstreicht die Richtigkeit beider Argumentationen zusätzlich. Als Volkswirt, der in den 70-iger Jahren studierte und Abba kannte, habe ich zwar immer wieder seit Ende 2008 argumentiert, dass eine hohe Inflation unwahrscheinlich sei. Aber genau diese Gegenteiligkeit ist ein handfester Beweis für die vorgenannten Argumentationsketten. Denn: Es gibt keine Regel ohne Ausnahme.

Jetzt im Ernst:

Herr Braunberger liegt falsch, wenn er monokausal argumentiert. Ähnlich bei den Ökonomen, Fondsmanager und Vermögensverwalter,die mit ihrer Inflationsprognose falsch lagen, weil sie nicht berücksichtigten, dass die Ausweitung der Geldmenge zwar (und dies auch nicht in jedem Fall) eine notwendige, aber nicht eine hinreichende Bedingung für Inflation ist.

Nachtrag:

Von dem genannten Personenkreis lagen bei genauerer Betrachtung nur die Ökonomen falsch. Einige der Fondsmanager und Vermögensverwalter lagen zumindest persönlich monetär nicht falsch. Denn sie konnten mit der auf die Angst der meisten Menschen abgestellten Inflationsprognose sehr gut verdienen.

(1) (2)  Fazit- das Wirtschaftsblog

2 Gedanken zu “Inflationsprognosen: Der Zusammenhang von Studium in den 70ern und Abba

  1. Hallo,

    leider sind im Text einige Ungenauigkeiten enthalten, im Einzelnen:

    1. Zur Zeit – genauer gesagt: seit der Krise – erfolgt kaum noch eine Geldmengenausweitung, sondern vor allem eine Ausweitung der Notenbank-Geldmengen. (Issing nannte dieses Notenbank-Geld in seinem grauseligen Büchlein zur Geldpolitik bereits 1974 „high-powered money“.) Hintergrund dafür ist der Einbruch des Geldschöpfungsmultiplikator, der sich in der Schweiz bspw. von rund 14 auf gut 6 mehr als halbierte und auch im Euro-/Dollar-Raum massiv absackte. Quelle z.B. http://acemaxx-analytics-dispinar.blogspot.de/2011/08/schweizer-geldmultiplikator-deutet-auf.html http://acemaxx-analytics-dispinar.blogspot.de/2012/01/kollabiert-geldmultiplikator-entsteht.html

    2. Von der sonstigen Inkompetenz* der Autoren der göttlichen FAZ abgesehen, hat Braunberger den Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation schlicht nicht verstanden. Erklärung z.B. hier http://www.methoden-psychologie.de/korrelation_kausalitaet.html

    3. Die Aussage dass “ …die Ausweitung der Geldmenge zwar (und dies auch nicht in jedem Fall) eine notwendige, aber nicht eine hinreichende Bedingung für Inflation ist.“ ist ebenfalls nicht haltbar. Man stelle sich den (wenngleich unwahrscheinlichen) Fall einer Wirtschaft in Vollbeschäftigung an, deren Geldmenge sinkt, aber die Nachfrage (getrieben durch Export, bspw.) steigt. In diesem Fall hätte man eine nachfrageinduzierte Preissteigerung bei sinkender Geldmenge.

    * Nach wie vor verstehen diese Spezialexperten nicht, dass Angebotsorientierung nicht funktioniert. Dabei ist es doch ganz einfach: Obgleich die göttliche FAZ bestimmt die beste Zeitung der Welt ist (mindestens!), will kaum noch jemand die kaufen. Liegt das nun am Angebot oder an der Nachfrage? Ideologieversessenheit bis in den eigenen Untergang – beeindruckend.

    1. Vielen Dank für die Anmerkungen und die Hinweise auf die Ungenauigkeiten, wobei wir meiner Ansicht im Tenor übereinstimmen.
      Was ich so spontan formuliert habe, ergänzen Sie sehr gut.
      Zu Punkt 1: Hier liegt mir ihr ergänzender Hinweis besonders am Herzen. Zeigt er doch, dass die Bankenrettungen zwar die Existenz der Banken gesichert hat, nicht aber dazu geführt hat, dass
      die Banken ihre Funktion für die Realwirtschaft wie in der Vergangenheit ausfüllen können.
      Zu Punkt 3: Ihrem Hinweis auf eine denkbare Inflation bei sinkender Geldmenge wollte ich duurch die Einschränkung ( … und dies auch nicht in jedem Fall… ) zuvorkommen 🙂
      Allerdings hatte ich dabei nicht an speziell an ihr Beispiel gedacht, sondern spontan eher an den Fall einer importierten Inflation. Währungskurs sinkt, Importe werden teuer. Mit Einschränkungen kann dies unabhängig von der Geldmengenausweitung – egal ob EZB oder Geldschöpfung der Geschäftsbanken – geschehen. Ob und in welchem Umfang die Importe die Inflationsrate dann ansteigen lassen, hängt natürlich auch von Substitutionseffekten ab. Zudem wäre zu bedenken, ob importierte Inflation nur einen zeitlich beschränkten Inflationsschub bewirkt.
      „Mehr Geld“ bedeutet wirklich nicht zwangsläufig Inflation.
      Angebotsorientierung versus Nachfrageorientierung: Eine eindeutige Entscheidung, wann welche Politik „funktioniert“ scheint mir kaum möglich. Man muss dazu wohl jeweils unterschiedliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen heranziehen. Dabei müsste wohl explizit gerade heute auch die Rolle der Banken betrachtet werden, aber auch die jeweilige vorherrschende Stimmung und Mentalität der Bevölkerung. Damit meine ich jetzt nicht Südeuropa sondern eher Deutschland. Hier scheint mir vieles durch das Bestreben nach einem Erhalt des Status quo bestimmt.
      „Ideologieversesenheit bis in den eigenen Untergang“ skizziert auch dieses Bestreben nach dem Bewahren.

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