Analogien. Dieses Herz des Denkens brauchen wir in der Ökonomie


analogienFür meinen Twitter-Freund Ralf Keuper ist es schon jetzt das jetzt das Wissenschaftsbuch des Jahres: Die Analogie. Das Herz des Denkens von Douglas Hofstadter und Emmanuel Sander. (1) Auf seinem Twitter-Acount beschäftigt sich Ralf Keuper viel – aber nicht ausschließlich -mit ökonomischen Themenstellungen und so mag es etwas verwundern, dass er gerade dieses Buch für sich als Wissenschaftsbuch des Jahres nominiert, wo es doch nicht der Ökonomie zuzuordnen ist. Ich meine aber, dass man genau dies in einem analogen Sinne tun sollte, denn Ökonomen und jedem, der an Wirtschaftsthemen interessiert ist, bietet das Buch sinnvolle Denkanstöße.   Betrachten wir dazu einige Zitate aus diesem empfehlenswerten – wenn auch zum Teil etwas langatmigen – Werk:

Hier wird der theoretische Physiker Robert Oppenheimer zum Thema Analogien wie folgt zitiert:

„Wenn wir es mit etwas Neuem zu tun haben, können wir uns nicht anders darauf beziehen, als indem wir es mit etwas anderem vergleichen, das uns vertraut und bekannt ist.“ (2)

Spontan fällt mir dazu das Verhalten vieler Ökonomen und Fondsmanager Ende 2008 / Anfang 2009 ein (nach der Bankenkrise, die übrigens noch nicht beendet ist). Was anderes taten viele von Ihnen, als dass sie uns allen eine große Inflation vorhersagten? Dieses Verhalten stimmt auf den ersten Blick mit dem Zitat Oppenheimers überein: Die Bankenkrise war etwas Neues, jedenfalls in diesem Umfang, und sie, viele Ökonomen und Fondsmanager,  bezogen sich auf Bekanntes. Das Bekannte war in diesem Fall die (falsche) Folgerung, dass eine expansive Bereitstellung von Liquidität durch die Zentralbank zur Inflation führen müsse. Die Medien setzten noch eins drauf, indem sie uns an das erinnerten, was wir (fast alle) kollektiv in unseren Gehirnen gespeichert haben: die Hyperinflation der 20-iger Jahre. So war es auch für die ökonomisch weniger Bewanderten möglich, schnell eine Analogie zu bilden. Ja, Hofstadter und Sander haben recht. Analogien sind die Grundlagen unseres Denkens. Allerdings, sie zitieren in ihrem Buch auch Aristoteles, einen großen Freund der Analogie:

„Ähnlichkeit ist eine besonders schlüpfrige Gattung“.(3)

Wer das Buch von Hofstadter, Sander liest, wird aber erkennen, dass eine nahe liegende Ähnlichkeit nicht unbedingt einer kreativen, neue Erkenntnisse bringenden Analogie entspricht. Um die falschen, und möglicherweise für unsere wirtschaftliche Zukunft noch sehr teuer werdenden, Inflationsprognosen einigermaßen freundlich zu erklären, kann man nur konstatieren, dass zwar Analogien gebildet wurden, aber sich doch sehr wenig Mühe gemacht wurde, auf weiteres Bekanntes als nur die Hyperinflation zurückzugreifen.

Folgt man der Argumentation von Hofstadter und Sander,dann ist Denken nur mit Analogien möglch. Ebenso hat Oppenheimer Recht, wenn er darauf hinweist, dass neue Situationen nur mit dem Rückgriff auf Bekanntes erklärt und bewältigt werden können (aus dem Nichts können wir nicht denken). Aber damit ist lange nicht gesagt, dass man auf Naheliegendes zurückgreifen muss.

Was folgt daraus?

Einige – bei weitem nicht alle – Ökonomen, Anlageberater und Fachjournalisten (ach ja, natürlich auch Politiker), sollten ihr Repertoire an Wissen über den Bereich der Ökonomie weit hinaus erweitern, um in Zukunft Analogien auf Basis einer größeren Gesamtheit von Bekanntem zu bilden.

An dieser Stelle ist  auch Dani Rodrik,Professor für International Political Economy an der John F. Kennedy School of Government, die zur Harvard University gehört, zu zitieren , mit einer Aussage dazu, was einen guten Ökonomen ausmacht:

„To become a true economist, you need to do all sorts of reading from history, sociology, and political science among other disciplines …“

Möglicherweise war das einleitende Zitat von Robert Oppenheimer etwas irritierend, indem es nicht gleich deutlich machte, was tiefer gehende Analogien ermöglichen können. Daher zum Ende dieses Beitrags noch 2 Zitate aus dem Buch „Die Analogie. Das Herz des Denkens“. Sie beziehen sich zwar nicht auf Analogien im Bereich der Ökonomie, aber genau deshalb können sie für künftige wirtschaftliche Fragestellung einen Anreiz bieten, Probleme durch Analogien zu anderen Themenbereichen zu lösen.

„… dass die großen Fortschritte in der Physik nicht das Resultat virtuoser Akte autarker mathematischer Deduktion und formaler Gleichungs-Manipulationen sind, sondern dass sie sich ganz im Gegenteil als Frucht von Analogien ergeben … „(4)

Und Cederic Villani,ein französischer Mathematiker und letzter Empfänger der Fields-Medaille wird zitiert: „Die Welt ist so voll von ungeahnten Verbindungen“ (5)


 

(1) Ralf Keuper, Blog Denkstil 

(2) Douglas Hofstadter und Emmanuel Sander. Die Analogie. Das Herz des Denkens, Ebook-Ausgabe,Page 670 Location 15056

(3) Douglas Hofstadter und Emmanuel Sander. Die Analogie. Das Herz des Denkens, Ebook-Ausgabe,Page 40 Location 724

(3) Fazit – das Wirtschaftsblog: Was einen Ökonomen ausmacht

(4) Douglas Hofstadter und Emmanuel Sander. Die Analogie. Das Herz des Denkens, Ebook-Ausgabe,Page 661 Location 14851

(5) Douglas Hofstadter und Emmanuel Sander. Die Analogie. Das Herz des Denkens, Ebook-Ausgabe,  Page 662 Location 14880

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