Verfährt Herr Straubhaar sich beim Thema Pendlerpauschale?


Pendlerpixabay„Zutiefst ungerecht“ sei die Pendlerpauschale,und deshalb gehöre sie abgeschafft, so lautet die Kernaussage des Professors für Volkswirtschaftslehre und Leiter des HWWI Thomas Straubhaar in einem Interview der Wochenzeitschrift Die Zeit (1).

Gerechtigkeit als solche ist wahrscheinlich immer ein etwas subjektiv geprägtes Thema, deshalb will ich diese Aussage als eine Meinung von Thomas Straubhaar unkommentiert stehen lassen. Aber Herr Straubhaar ist nicht nur Bürger sondern auch Ökonom. Unter dem letzteren Aspekt lohnt es sich, einzelne Aussagen im Interview etwas genauer zu betrachten.

Gleich zu Beginn setzt sich Herr Straubhaar positiv – im Sinne von sozial denken – in Szene. Als Pendler mit einem Arbeitsweg von 20 km weist er auf die Ungerechtigkeit hin, dass er als gut bezahlter Professor mehr Steuern durch die Pendlerpauschale spare als die Putzfrau an der Uni:

„Als Professor spare ich Tausende Euro mit der Steuererklärung …“ 

Hier hat sich Herr Straubhaar anscheinend verrechnet (passiert bei Ökonomen ja manchmal  🙂 ) oder aber er wollte andeuten, dass er das Steuersystem so gut kennt und ausnutzt, dass er alle – oder doch sehr viele – weitere Steuersparmöglichkeiten berücksichtigt. Nur allein mit der Pendlerpauschale kann Herr Straubhaar bei 20 km Arbeitsweg unmöglich „Tausende Euro“ sparen. Er wird es nicht einmal schaffen, 1.000 Euro zu sparen! Weil Excel-Tabellen für Ökonomen gefährlich sind, habe ich dazu einfach einen Internetrechner (2) benutzt:

pendlernau

 

1.380 Euro kann Thomas Straubhaar durch die Pendlerpauschale steuerlich absetzen. Das ist dann aber nicht seine Steuerersparnis. Diese Größe mindert nur sein zu versteuerndes Jahreseinkommen. Der Höchststeuersatz beträgt 42% (3). Zusätzlich fällt hierauf noch der Soli an, sodass die maximale Ersparnis 611,48 Euro beträgt. Wo und wie Prof. Straubhaar „Tausende“ Euro spart, bleibt ein Geheimnis. Jedenfalls nicht mit der Pendlerpauschale.

Grundsätzlich ist es richtig, aufgrund der Steuerprogression sparen Menschen mt einem hohen zu versteuernden Jahreseinkommen mehr Steuern, wenn sie etwas steuerlich absetzen. Das kann man als ungerecht empfinden. Dies ist dann aber kein Problem, welches isoliert die Pendlerpauschale betrifft.

Ökonomie ist für Nicht-Ökonomen ein schwer zu durchdringendes Thema, wie wir in unseren Beratungen immer wieder erfahren. Deshalb sollten Ökonomen in der Öffentlichkeit sehr sauber und genau argumentieren. Genau dies ist dann nicht der Fall, wenn richtigerweise gesagt wird, dass gut verdienenden Menschen grundsätzlich mehr Steuern sparen können als Geringverdiener, aber durch unexakte Bezüge suggeriert wird, dass die Pendlerpauschale „Tausende“ Euro Ersparnis bringt.

Herr Straubhaar meint weiter, dass der Staat sich grundsätzlich aus der jeweils persönlichen Entscheidung, wieweit der Wohnort von dem Arbeitsplatz entfernt gewählt wird, heraushalten solle. Der Staat tue dies aber nicht, indem er weit entferntes Wohnen durch die Pendlerpauschale quasi belohne. Als Alternativlösung empfiehlt er, dass der Arbeitgeber sogenannte Jobtickets vergeben könne.

Diese Empfehlung erscheint mir nicht voll durchdacht. Denn auch in diesem Falle „fördert“ der Staat das Pendeln. Für das Unternehmen stellen die Kosten des Jobtickets Betriebsausgaben dar, die das Unternehmen wiederum steuerlich absetzen kann. Zugegeben, in diesem Fall betreibt der Staat keine bewusste, gewollte Förderung des Pendels. Aus steuerlicher Sicht ist der Effekt aber ähnlich.

Zum Ende des Interviews wird es noch einmal sozial, dabei bleibt Herr Straubhaar aber wieder argumentativ etwas unexakt:

Ich sage, dass die Pendlerpauschale nicht gerecht ist. Vielen Arbeitnehmern hilft es viel besser, wenn wir ganz einfach den Grundfreibetrag der Einkommensteuer erhöhen. Das hilft den Ärmsten und nicht den Reichsten, wie die Pendlerpauschale es tut.“

Natürlich hilft es jedem Steuerpflichtigen, wenn der Grundfreibetrag erhöht wird.Soweit dabei die Steuerkurve nicht verändert wird, hilft es aber allen gleich , also auch den Reichsten (nur nicht in dem Ausmass wie es die Pendlerpauschale bewirkt). Es hilft allerdings nur denen, die überhaupt Steuern zahlen, also nicht jedem der Ärmsten.


 

(1) Die Zeit, Printausgabe, Nr. 22, 22.Mai 2014

(2) Internetrechner Pendlerpauschale 

(3) Ab 250.000 Euro zu versteuernden Jahreseinkommen (für Ledige) gilt mit 45% ein noch höherer Steuersatz, die sogenannte „Reichensteuer“.

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