Altersversorgung. Warum eine Zeitpunkt-Planung und eine Rückwärtsbetrachtung falsch sind


Es gibt einige grundlegende Irrtümer bei der Planung der Altersversorgung. Zwei Irrtümer sollen hier betrachtet werden:

  • Bei der Planung wird meist die jüngere Vergangenheit als Ausgangsbasis für die Prognose der Zukunft genommen.
  • Ein zweiter Fehler liegt in der strikten Trennung zwischen Erwerbsphase und Ruhestandsphase.

1.Die Vergangenheit als Berechnungsgrundlage für die Zukunft heranziehen:

Wahrscheinlich ist es ein grundsätzlicher Fehler, aus der Vergangenheit auf die Zukunft zu schließen. Aktuell schmerzhaft erfahren werden dies diejenigen, die absehbar in Rente gehen und in 80-iger Jahren und vielleicht zu Beginn der 90-iger Jahre eine Lebensversicherung zur Altersversorge abgeschlossen haben. Zu dieser Zeit wurden für diese Versorgeformen bei Abschluss der Verträge noch Beitragsrendite von 6%-7% erwartet. Und diese Renditen waren tatsächlich erzielt worden. So berichtet die LBS unter Bezugnahme auf einen Map-Report aus dem Jahr 2003 , dass die Ablaufleistungen von Lebens- und Rentenversicherungen im Schnitt bei einer 30-jährigen Laufzeit einer Beitragsrendite von 6,1% % und bei einer 20-jährigen Laufzeit einer Beitragsrendite von 6,29% entsprachen. (1) Hiermit entsprachen die Renditen zugleich dem, was man anhand der vergangenen Zinssituation erwarten konnte. Warum sollte sich auch hier etwas in Zukunft ändern, mag man sich seinerzeit gefragt haben?

Umlau

Die „gelb“ gekennzeichnete Zeitraum spiegelt den Zeitraum wider, der bekannt war, wenn man in den 80-iger oder 90-Jahren, seine Lebens- oder Rentenversicherung abgeschlossen hat und jetzt bald in Rente geht. Man konnte also durchaus und mit Berechtigung erwarten, dass in etwa die prognostizierten (aber nicht garantierten) Werte erreicht werden. Das diese Erwartungen nicht erfüllt werden, erkennt jetzt aber jeder, der jedes Jahr genau verfolgt, wie die voraussichtlichen Ablaufwerte dahin schmelzen.

Bei der Betrachtung der Umlaufrenditen der Bundesanleihen im Rückblick selbst der Jahre 2000 und 2007 ist im wesentlichen ein Auf und Ab der Renditen zu erkennen, aber einen zwangsläufigen Trend auf das heutige Niedrigzinsniveau konnte man wohl kaum ableiten. Unser aktuell geringes Zinsniveau ist auch tatsächlich kein „natürliches“ Ergebnis eines zwangsläufigen Trends. Es ist vielmehr primär eine Folge der Bankenrettung. Die Bankenkrise 2008 wiederum kann als ein weitgehend unerwartetes Ereignis im sonst üblichen und bis dato bekanntem zyklischen Verlauf der Wirtschaft bezeichnet werden. In Anlehnung an das Buch von Nicolas Taleb war die Bankenrettung in einem seit Jahrzehnten unbekannten Ausmass ein „Schwarzer Schwan“. Man kann auch von einer Diskontinuität sprechen: „Diskontinuitäten sind Richtungsänderungen (Strukturbrüche) oder Niveauänderungen (Unstetigkeiten)“ (2).  Diskontinuitäten passen aber nicht in das Konzept, wie wir üblicherweise planen. Wir planen nämlich üblicherweise nicht mit Strukturbrüchen. Und daher wird zu wenig flexibel geplant. Flexibel in Hinblick auf die Altersversorge zu planen, heißt zum Beispiel:

  • nicht alles „auf ein Pferd setzen“
  • nicht zu lange Vertragsbindungen eingehen
  • die Sparvorgänge so gestalten und aufteilen, dass einige der Sparvorgänge auch bei unerwarteten Ereignissen zu den Gewinnern gehören können (Was im Umkehrschluss aber auch bedeutet, dass einige der gewählten Geldanlagen sich unterdurchschnittlich -zumindest- temporär- entwickeln können

2. Strikte Trennung zwischen Erwerbs- und Ruhestandsphase

Folgt man dagegen keiner, wie oben beschriebenen, diversifizierten Sparstrategie wirkt sich ein zweiter Fehler verstärkend aus. Typischerweise wird sehr viel Kapital in der Form angespart, dass dieses (mehr oder weniger exakt) zum Rentenbeginn in einer Summe zur Verfügung steht. Damit sind zwei Probleme verbunden:

  • Um dieses Ziel möglichst ohne Verluste zu erreichen, wird das Geld in den Jahren vor Rentenbeginn immer defensiver – und damit weniger ertragreich angelegt.
  • Und wohin mit dieser (hoffentlich noch) einigermaßen großen Summe, ohne das hohe Risiken dabei eingegangen werden?

Möglicherweise hängt mit der strikten Trennung von Erwerbsphase und Rentenphase auch zusammen, dass für die Dauer des Ruhestandes ein jährlich gleich hoher Betrag als zusätzliche Rente gewünscht und/oder geplant wird. Dies ist auch ein Grund, weshalb es so beliebt ist, einen Teil seiner Zusatzrente aus einer privaten Rentenversicherung zu beziehen. Dieser Ansatz ist falsch. Die Ruhestandsphase lässt sich meist in drei sehr unterschiedliche Phase aufgliedern:

  • Die erste Phase: Freude über die neue Freiheit. Wenn möglich sollen lange aufgeschobene Wünsche,wie größeren Reisen oder viele kleinere Reisen, jetzt verwirklicht werden. Motto: „Solange man gesund ist …“
  • Die zweite Phase: Es lassen tatsächlich die Kräfte und der alterliche „Jugendschwung“ nach. Man wird etwas ruhiger und geniesst das Leben zuhause.
  • Die dritte Phase: Es fällt schwerer, Haus und Garten selbst zu versorgen. Vernünftigerweise wird das Auto weniger genutzt und zusätzliche Taxifahrten fallen an. Zudem nimmt das Risiko pflegebedürftig zu werden bei einem selbst oder beim Partner zu.

Auf diesen Überlegungen basierend wird sich der zusätzliche jährliche Geldbedarf typischerweise wie folgt darstellen:

  • Erste Phase: Möglichst hohe zusätzliche Geldflüsse werden gewünscht sein. Dabei werden diese Beträge während dieser Zeit aber monatlich und jährlich eine unterschiedlich Höhe aufweisen. Mal ist eine größere Reise geplant, ein anderes Jahr mehrere kleine Reisen.
  • Zweite Phase: Hier wird der Geldbedarf – man könnte sagen „gezwungenermaßen“ geringer ausfallen.
  • Dritte Phase: Weil zusätzliche Hilfen nötig werden, steigt der Geldbedarf leicht. Problematisch wird diese Phase, wenn ein Pflegefall eintritt, dann steigt der Geldbedarf sehr stark an.

Diesen Phasen lassen sich wahrscheinlich auch abnehmende persönlichen Fähigkeiten zuordnen, dem sich ändernden Kapitalmarkt und neuen Anlagemöglichkeiten zu folgen und sinnvoll zu entscheiden.

Aus dieser Aufgliederung lassen sich dann relativ einfach die Anlageformen zuordnen, die in den unterschiedlichen Phasen zum Tragen kommen sollten:

  • Erste Phase: Für den Geldbedarf, der in dieser Phase benötigt wird, empfiehlt sich eine Kombination aus Festgeld und defensiv strukturierten Investmentfonds. Wer jetzt noch relativ jung ist, kann einen Teil seiner Altersversorgung auch so planen, dass Sparverträge nicht exakt zum Jahr des Rentenbeginns fällig werden, sondern diese so aufteilen, dass in jedem Jahr ab dem Beginn des Ruhestands jeweils ein Vertrag fällig wird. (Zugegeben, hierdurch wird die Wahl der Vertragsart schwierig, aber es lassen sich doch einigermaßen sinnvolle Vertragstypen finden).
  • Zweite Phase: In dieser Phase könnte ein Kombination von Zahlungen aus Rentenversicherungen und Entnahmen aus Sparguthaben und/oder defensiven Investmentfonds erfolgen. Weil diese zweite Phase aber einige Jahre später beginnt, als der eigentliche Rentenbeginn, kann dieser Kapitalstock etwas länger mit etwas höherem Risiko und damit möglicherweise besserer Rendite angelegt werden. Die Umschichtungin sehr defensive Anlagen muss also nicht schon Jahre vor dem 65.Lebensjahr erfolgen.
  • Dritte Phase: Hier ist die Zeit einer klassischen Rentenversicherung gekommen. Allerdings lässt sich die Höhe der notwendigen Rente insoweit schwer kalkulieren, als im Falle einer Pflege ein überdurchschnittlicher Geldbedarf entsteht. Um jetzt die Rente nicht zu hoch zu kalkulieren,was die finanziellen Möglichkeiten in der ersten Ruhestandsphase einschränken würde, sollte für diesen Fall eine ausreichende Pflegeversicherung bestehen.

 

Anmerkungen

(1) Quelle: LBS Anlagestrategien privater Haushalte im Vergleich, 2003

(2) Definition entnommen aus Gabler Wirtschaftslexikon

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