Weshalb ein Volkswirt immer noch von Inflation redet


Seltsam ist es eigentlich nicht, dass der Chefvolkswirt Thorsten Polleit der Degussa Goldhandel GmbH, wieder die Gefahr der Inflation in das Gespräch bringt(1). Ist doch Gold, eine der Assetklassen, die bei starker Inflation gewinnen könnte. So lautet jedenfalls eine alte „Faustformel“.  Seiner Meinung nach hängen die aktuell einigermassen gute Verfassung der Konjunktur und auch Finanzmärkte von der Fortführung der Niedrigzinspolitik und der Ausweitung der Geldmenge ab. Aber dies sei ein „Scheinaufschwung“, dem früher oder später der Abschwung folgt. Und der Abschwung könnte natürlich derart stark ausfallen, dass Gold erneut als der ultimativ sichere Hafen gilt.

Was soll uns „Scheinaufschwung“ im Zusammenhang mit dem folgenden Abschwung, einem typischen Konjunkturmuster eigentlich besonderes sagen? Typisch für Konjunkturverläufe ist es doch, dass einem Aufschwung ein Abschwung folgt (und umgekehrt). Dann ist ein Aufschwung ein Aufschwung und ein Aufschwung ist nicht ein Scheinaufschwung.

Eine Geldmengenausweitung der Zentralbank ist auch keine Massnahme der Zentralbank, die nicht zu widerrufen ist. Es gibt also auch eine Kontraktion der Geldmenge. Und diese muss durchaus nicht immer akut gefährlich sein, wie die Entwicklung der EZB-Bilanz der letzten Jahre zeigt. Geld (2) wird genau genommen von den Zentralbanken verliehen und kann zurück gefordert werden. Und genau dies ist auch geschehen, wie die Entwicklung der Vermögenswerte in der Bilanz der EZB zeigt.

ezb BilanzAlso die Konjunktur entwickelt sich – quasi natürlich- auf und ab. Und eine Geldmengenausweitung ist revidierbar. Damit ist die Argumentation von Thorsten Polleit in unseren Augen nicht zwingend kausal.

Übrigens steigt der Goldpreis nicht automatisch mit der Inflation. Wie die beiden nachstehenden Grafiken zeigen:

golduu infWeshalb also reden Volkswirte zuweilen immer noch von Inflation? Hängt das mit ihren Arbeitgebern zusammen?


 

Übrigens: Nichts gegen Gold an sich. Es macht durchaus Sinn, einen kleineren Bestand Gold in der individuellen Vermögensstruktur aufzubauen. Weil aber die mögliche Preisentwicklung nicht eindeutig ist, kann ein disziplinierter Sparplan mit einem cost-average-Effekt sinnvoller sein, als weitere Angstkäufe wie in den vergangenen Jahren.

 


 

(1) Lesen Sie dazu den Artikel auf Fondsprofessionell vom 31.3.2014

(2) Jedenfalls ein Teil der Geldmengen. Es gibt unterschiedliche definierte Geldmengen. Am einfachsten nachzulesen bei Wikepedia.

2 Gedanken zu “Weshalb ein Volkswirt immer noch von Inflation redet

  1. Bei Polleit habe ich schon lange den Eindruck, er ist einfach ein Lobbyist des Goldhandelsgeschäft der sog. „Degussa“. Der füttert einfach regelmäßig die Goldbullenherde. Vielleicht ganz okay, ist es nicht ohnehin eine primär psychologische Assetklasse?

    1. Ja, es ist tatsächlich eine „primär“ psychologische Assetklasse. Schon allein deswegen, weil kein laufender Ertrag geliefert wird. Nicht Inflation lässt Goldkurse steigen, sondern Erwartungen und Angst vor Inflation führt zu steigenden Goldpreisen. Insoweit macht Polleit „gute“ Lobbyarbeit

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