Wirtschaftliche Zukunft: Zunächst einmal auf die „Weißen“ und „Grauen“ Schwäne achten


Wer regelmäßig die Medien verfolgt und dabei versucht nicht nur das zu lesen, was die Journalisten meinen, was wir lesen wollen, kann eigentlich recht schnell auf den Gedanken kommen, das nicht allein die „Schwarzen Schwäne“ die Gefahren darstellen. Ich meine, es gibt genug „Weiße Schwäne“ und dann auch noch „Graue Schwäne“, die es wert sind näher betrachtet zu werden.

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Der „Schwarze Schwan“ hat sich zwischenzeitlich durch den Bucherfolg von Nassim Nicholas Taleb in der Ökonomie als Metapher für ein Ereignis etabliert, welches sehr unwahrscheinlich ist, völlig überraschend eintritt und sich dennoch im Nachhinein einfach erklären lässt.

Wenn wir in dieser Metapher bleiben wollen, so glaube ich, dass es reichlich „Weiße Schwäne“ und einige „Graue“ gibt, die später als „Schwarze Schwäne“ bezeichnet werden. Man muss nur genau hinschauen, einige Veröffentlichungen der letzten Zeit weisen bereits daraufhin.

Zwei bedeutende „Weiße Schwäne“ haben zuletzt George Soros und Kenneth Rogoff angesprochen:

  • Soros warnt beispielweise vor der Dominanz Deutschlands in der EU und führt weiter aus „Zustände wie in der Ukraine sind dann auch in Südeuropa denkbar“ (1). Wir testen zwar in der EU, ob die Banken erneuten Stress vertragen könnten. Wir testen aber nicht, wie viel „Stress“ (ein zu mildes Wort, aber es passt an dieser Stelle gut) die Bevölkerung in den südeuropäischen Länder vertragen kann.
  • Viel grundsätzlicher weist auch Rogoff (vielleicht zu versteckt) hier in Finanz und Wirtschaft daraufhin, „sicherzustellen, dass das Wirtschaftssystem als grundsätzlich gerecht wahrgenommen wird“ (2)

Nur auf den ersten Blick hat auch der Beitrag (3) von Mark Dittli in Never Mind The Markets mit dem Thema Ungleichheit zu tun. Er spricht vielmehr den Aspekt der unproduktiven Investitionen an, die wiederum mit der Ungleichheit der Einkommens- und Vermögensverteilung zusammen hängen. Unter etwas anderen Gesichtspunkten hatte ich hierzu auch hier im Blog schon berichtet.

Das wären meine zurzeit beliebtesten „Weißen Schwäne“.

Aber im Mainstream werden dies wohl „Schwarze Schwäne“ werden (Der Stoff kann also nicht ausgehen). Denn es scheint ja nur wenigen Politikern von Interesse, hier vorbeugend zu handeln. Ich betone dabei aber noch einmal – wie bereits an anderen Stellen hier im Blog-, dass es mir nicht um die Abschaffung des Kapitalismus geht, sondern darum, dass das vorhandene Kapital produktiv eingesetzt wird. Übrigens wären Maßnahmen zur Behebung der hohen Arbeitslosigkeit in Südeuropa auch produktiv. Und wir würden das grundsätzliche Risiko sozialer Unruhen vermeiden.

Nun zum „Grauen Schwan“ :

Seit einiger Zeit ist das Thema Deflation etwas mehr in den Vordergrund der Berichterstattung gelangt. Ist Deflation ein „Schwarzer Schwan“ und ist Inflation ein „Weißer Schwan“? So könnte man fragen, denn die potentielle Gefahr von Inflation ist hinlänglich thematisiert worden. Aber für viele Menschen ist, zumindest hier bei uns, Deflation kaum bekannt und noch weniger vorstellbar.

In Hinblick auf Europa sollte sich die Diskussion nicht darauf beschränken, ob wir Inflation oder Deflation befürchten/erwarten müssen. In einigen südlichen Ländern haben wir zwischenzeitlich eindeutig deflationäre Tendenzen, für Deutschland dagegen wird aktuell vom Institut für Weltwirtschaft ab 2015 eine Inflationsrate von bereits 2,5% erwartet (4). Interessant  und möglicherweise bedeutet ist also nicht die Frage nach Deflation (Schwarzer Schwan) oder Inflation (Weißer Schwan) sondern nach dem „Grauen Schwan“: Welche Folgen wird diese divergente Entwicklung haben?

Wenn wir diese Fragestellungen und mögliche Szenarien dann sowohl ökonomisch und politisch, aber auch bei der persönlichen Geldanlage- und Vorsorgestrategie berücksichtigt haben, dann können wir uns um mögliche echte „Schwarze Schwäne“ kümmern.

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(1) Aus der Welt vom 19.3.2014

(2) Aus Finanz und Wirtschaft vom 10.3.14

(3) In Never Mind The Markets vom 7.3.2014

(4) Siehe zum Beispiel Süddeutsche Zeitung vom 19.3.2014

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