Was Banken können, können Sie auch! Für Sie: Unser Besuch des Fondskongress 2014 -Teil 2


Banken verdienen nicht nur dadurch Geld, dass sie die Spareinlagen ihrer Kunden in Form von Krediten an Unternehmen und Privatpersonen verleihen. Sie tätigen mit diesen Anlagen auch sogenannte Eigengeschäfte. So investiert zum Beispiel jede sechste Sparkasse und größere Genossenschaftsbank Gelder über die Investmentfondsgesellschaft Bantleon. Derartige Möglichkeit hat auch jeder Privatkunde und nicht nur bei dieser Gesellschaft. Warum also Umwege einschlagen und zusätzliche Risiken eingehen? Damit Sie einen Eindruck von den vielfältigen Möglichkeiten bekommen, setzen wir unseren Bericht vom Mannheimer Fondskongress 2014 fort. (Den ersten Teil können Sie hier nachlesen).

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Vorweg: Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag keine Anlageempfehlungen darstellt. Auch Investmentfonds beinhalten Risiken. Bevor Sie sich für eine Anlage in einen der genannten Fonds entscheiden, lassen Sie sich bitte ausführlich beraten, ob und in welchem Umfang dieser Fonds für Ihre persönliche finanzielle Situation angemessen ist. Beachten Sie auch, dass vergangene Entwicklungen der Fonds keineswegs ein verlässlicher Indikator für künftige Entwicklungen darstellt.

Auf Ihren Wunsch hin, senden wir Ihnen gern die offiziellen Verkaufsunterlagen zu und beantworten wir gern Ihre kostenlos und unverbindlich Ihre Fragen. Hier können Sie uns Ihr Anliegen nennen: Kontakt FORAIM

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Financiere de L’Echiquier

Diese französische Investmentfondsgesellschaft ist uns schon bei unserem Besuch im letzten Jahr aufgefallen. Uns interessierten insbesondere die Mischfonds. In diesem Segment hat die Gesellschaft zwei Angebote mit unterschiedlichem Risikoprofil. Der etwas aggressivere Fonds Arty darf eine Aktienquote von maximal 50 % halten.

ArtyDer Echiquier Patrimoine dagegen darf nur eine maximale Aktienquote von 30 % halten und ist auch im Rentenbereich auf 60 % begrenzt:

  • Die Begrenzung der Quote vermeintlich sicherer Renten- oder Anleihenanlagen verdeutlicht, dass auch diese Papiere Risiken beinhalten. Beide Fonds dürfen sowohl die Aktien als auch Renten auf 0 Prozent reduzieren!

Neben Aktien und Renten darf der Fonds dann nur Cash halten. Im Hinblick auf die immer noch schwelende Unsicherheit im Finanzsektor und hier speziell im Bankensektor kann aber auch eine Cash Position ein Risiko darstellen. Wir hatten Glück, dass wir den Fondsmanager Olivier de Berranger am Stand antrafen, denn mit detaillierten Fragen zu Cash Anlagen, zum Beispiel welcher Art diese sind, und wo sie gelagert werden, werden die Accountmanager der Investmentfondsgesellschaften nicht häufig konfrontiert. Dem Fondsmanager war dieses Risiko aber sehr wohl bewusst (das ist nicht immer so!), so dass seine Cash Positionen aus sehr kurzfristigen und hoch gerateten Unternehmensanleihen bestehen. Dieser Fond setzt auch keinerlei Derivate ein und investiert nach einem Bottom–Up-Ansatz, so dass ein sehr klassischer Investitionsstil besteht. Der Verzicht auf Derivate kann unserer Einschätzung nach grundsätzlich zu höheren Schwankungen führen, andererseits entzieht sich der Fond durch den beschriebenen Anlagestil in recht hohem Umfang systematischen Finanzmarktrisiken.

MEAG

MEAG ist der Vermögensmanager der großen Rückversicherung Munich Re sowie der Ergo. Nicht jeder vermutet hier sofort ein Angebot an Nachhaltigkeitsfonds. Dabei legen beide Gesellschaften, Ergo und Munich Re, 80 % ihrer Anlagen nach den Grundsätzen nachhaltiger Investments an. Bekannt und unserer Meinung nach beachtenswert ist der Investmentfonds MEAG Fair Return.

MEAGEs handelt sich zwar nicht um einen reinen Nachhaltigkeitsfonds, der Fonds legt aber mindestens 51 % seiner Anlagen in Aktien und Renten nach Nachhaltigkeitskriterien an. Bei der Auswahl unterstützt oekom research. Dieser Fond wird relativ stark von Stiftungen nachgefragt und bekam in diesem Jahr von RenditeWerk die Auszeichnung als Stiftungsfonds des Jahres 2014. Stiftungen legen üblicherweise Wert auf geringe Schwankungen und benötigen zur Erzielung ihrer Stiftungszwecke aber auch eine möglichst konstante Rendite. Hierin begründet sich auch die Einschränkung des Nachhaltigkeitsansatzes, weil bei einer stringenten Verfolgung eines solchen Ansatzes nach Aussage der Gesellschaft nicht genügend Rendite zu erreichen sei. Wer ähnliche Ziele  mit seiner Anlagen verfolgt wie eine Stiftung, dem empfehlen wir, sich diesen Fond genauer zu betrachten.

IGNIS

Eine Neuheit für uns war die IGNIS ASSET MANAGEMENT, die zu der Phoenix Group gehört. Diese Gesellschaft ist in mehrfacher Hinsicht interessant. Wer sich mit der Zukunft deutsche Lebensversicherungen befasst, ist sicherlich schon auf den Begriff Run-Off gestoßen. Vor dem Hintergrund des niedrigen Zinsniveaus und den Schwierigkeiten in diesem Umfeld adäquate Renditen mit Anleihen zu erzielen, gibt es bei Lebens- und Rentenversicherungen konventioneller Form grundsätzliche Überlegungen das Neugeschäft im Bereich der konventionellen Altersversorgung einzustellen. Genau das ist Run-off. In einem solchen Fall müssen aber die noch laufenden Verträge weiterverwaltet werden. Weil dies mit Kosten verbunden ist, denen keine laufenden Einnahmen (aus Beiträgen) mehr gegenüberstehen, wird versucht dieses Geschäft auf spezialisierte Gesellschaften zu übertragen. Auch hier in Deutschland bestehen entsprechende Überlegungen. In Großbritannien gibt es hierfür seit längerer Zeit ein spezialisiertes Unternehmen. Die Phoenix Group bezeichnet sich selbst als THE LARGEST UK CONSOLIDATOR OF CLOSED LIFE ASSURANCE FUNDS.

Auch englische Versicherungen investieren im Bereich Renten. Wie es in diesem Bereich möglich ist, wenn sich auf ein relativ sicheres Segment wie Staatsanleihen der G7 Staaten konzentriert wird, attraktive Renditen zu erzielen, zeigt beispielhaft die Ignis Asset Management. Der Ignis Absolute Return Goverment Bond Fonds nutzt als Basisinvestment Anleihen der G-7 Staaten. Würde der Fond nun nur sehr kurzlaufende Staatsanleihen kaufen, wäre kaum eine Rendite zu erzielen. Wenn länger laufende Staatsanleihen gekauft werden, ist dagegen eine Grundrendite möglich. Diesem steht aber ein keineswegs zu vernachlässigendes Kursrisiko zum Beispiel durch steigende Zinsen gegenüber.

IgnisUm also die Ergebnisse zu erzielen, die der Investmentfonds bisher erreicht hat: 2011 seit April: 5,48%, 2012 5,66 %, 2013 2,96 % muss der Investmentfonds weitere Instrumente einsetzen wie unterschiedlichste Derivate. Diese Derivate dienen dazu die Erkenntnisse, die aus der von der Gesellschaft konstruierten Clear Curve resultieren, in Rendite umzusetzen. Sehr vereinfacht dargestellt werden unter anderem langlaufende Anleihen in unterschiedliche Zeitsegmente gegliedert und die Erwartungen, wie sich innerhalb dieser Zeitsegmente aus heutiger Sicht die Renditen verändern, dienen dazu, zu entscheiden, ob eine Strategie des Kaufens, Haltens oder Verkaufen mittels Derivaten umgesetzt werden. Zugegeben, für die meisten Anleger ist dieses Konzept nicht leicht zu verstehen. Dennoch lohnt es sich für jeden Anleger sich hiermit näher zu beschäftigen. Auch unter dem Aspekt, wie möglicherweise schon jetzt oder in Zukunft ein Teil der Vermögensanlagen in ihren persönlichen Lebensversicherung gemanagt werden (Warum sollten solche Konzepte nur englische Anlagemanager von Lebensversicherungsgesellschaften und nicht auch die deutschen Manager anwenden?). Es kann aber auch zu der Überlegung führen, sein Geld selbstständig vergleichbar zu einer konventionellen Lebensversicherung anzulegen, und dabei einen Teil der Kosten zu sparen.

Wenn man Staatsanleihen solider Staaten als eine grundsätzlich sicherer Anlageform ansieht (zugegeben ist heute alles diskussionswürdig) verbleibt ein Risiko, welches in der Bonität der so genannten Gegen-Geschäftspartner für Derivate besteht. Dieses Risiko kennt natürlich auch die Fondsgesellschaft und sichert daher täglich diese Geschäfte durch Bargeld oder AAA-Anleihen ab.

RenAsset

Seit einiger Zeit etablieren sich immer mehr Investmentfonds, die sich auf den afrikanischen Aktienmarkt spezialisiert haben. Generell sind die Aussagen der Fondsmanager und Vertreter der Gesellschaft langfristig positiv, soweit unterstellt wird, dass sich das reale Wirtschaftswachstum in der Aktienkursentwicklung widerspiegelt. Zugleich wird aber immer wieder darauf hingewiesen, dass es sich um sehr enge Märkte handelt und insoweit hohe Schwankungen zu erwarten sind. Die wirtschaftliche Entwicklung in Afrika verläuft aber nicht über alle Staaten gleichmäßig. Je nach Erwartung kann es daher sinnvoll sein, dass regionale Investitionsspektrum einzugrenzen. Eine Möglichkeit hierzu bietet die RenAsset mit einem Investmentfonds, der sich auf die Sub-Sahara- Zone konzentriert. Dieser Fond investiert nach einem Buttom-up-Ansatz. Dabei liegen die Gewinnerwartungen der Unternehmen (die nicht unbedingt den Aktienkursentwicklungen entsprechen müssen) bei ca. 15 % für die nächsten ein bis sieben Jahre. Positiv anzumerken ist, dass die regional erzielten Ergebnisse auf den US-Dollar gehedget werden. Wir halten dies für positiv, weil es ausreichend andere Risiken gibt, die diesen noch jungen Markt kennzeichnen und somit das Währungsrisiko (zum Teil) eingeschränkt ist.

Bantleon

Es gibt mindestens zwei Gründe, jedes Jahr den Stand von Bantleon zu besuchen: die erstklassige Schokolade, die es als give-away gibt, und entscheidender noch, die Anlageerfolge, die diese Gesellschaft als Anleihen-Manager erzielt. Wir würden diese Gesellschaft als eher konservativ im guten Sinne einordnen und befinden uns damit wahrscheinlich im Einklang mit deren institutionellen Kunden, wie Sparkassen, Versicherung und Versorgungswerke. Andererseits sind wir aufgrund des niedrigen Zinsniveaus gegenüber konventionellen Anlagestrategien im Bereich der Renten in Hinblick auf das Renditepotential skeptisch. Dennoch behalten wir insbesondere den Investmentfonds Bantleon Opportunities immer auf unserer  Watchliste.  Das unserer Meinung nach geringe Renditepotential klassischer Anleihen war auch ein Thema unseres Standbesuches. Genau dieses Thema hat natürlich auch die Fondsgesellschaft schon vor einiger Zeit erkannt und deshalb ihr Anlagespektrum im Bereich der Publikumsfonds erweitert, weil es notwendig ist, neben den festverzinslichen Wertpapieren auch Aktien als Renditequelle zu nutzen. Die Beimischung von Aktien in der Anlagestrategie eines erfolgreichen Anleihemanageres sollte auch Privatanlegern zu denken geben, denn diese Aussage stammt aus einem Haus, dessen Ziel es ist primär im Rentenbereich Geld zu verdienen.

Steubing

Der Steubing German Mittelstand Fund I ist noch ein recht junger Fond (Auflage Datum August 2013), der allerdings bisher schon fast 10 Millionen eingeworben hat. Er investiert ausschließlich in Mittelstandsanleihen aus dem deutschsprachigen Raum. Grundsätzlich bietet ein solcher Fonds weitere Diversifikationsmöglichkeiten. Ob und inwieweit wir diesen Investmentfonds in eines unserer Musterdepots aufnehmen werden, ist allerdings noch offen.

Mittelstandsanleihen oder vergleichbare Anlageformen werden vielfach auch außerbörslich und direkt potentiellen Kunden angeboten. Aufgrund eines relativ hohen Zinssatzes scheint diese Anlageform bei vielen Privatanlegern beliebt. Allerdings ist der Zinssatz niemals das alleinige Kriterium für den jeweils aktuellen Wert einer Anleihe. Wesentlichen Einfluss für diesen Wert bildet auch die Laufzeit des Papieres, die aktuelle Bonität des Unternehmens und aktuellen Anleiheangebote vergleichbarer Unternehmen. Dies alles spiegelt sich dann idealerweise im Kurs des Papieres wieder, wenn es denn gehandelt wird. Eine sehr gute Möglichkeit um die Schwankungen und zum Teil auch die Risiken solcher Papiere im Durchschnitt zu erfassen, bietet somit auch ein Blick auf die Wertentwicklung dieses Fonds. Möglicherweise hilft ein solcher Hinweis potentielle Anlageentscheidung zu hinterfragen und zumindest darauf zu achten, dass auch in diesem Anlagensegment eine hohe Diversifikation sinnvoll ist.

Ökoworld

Ökoworld ist einer der bekanntesten Anbieter für Nachhaltigkeitfonds. Dass die Auswahl der einzelnen Unternehmen, in die investiert werden soll nach einem Stockpicking Ansatz erfolgt, ergibt sich naturgemäß durch den Anspruch ethisch, sozialverträglich und ökologisch zu investieren. Dieser Stockpicking Ansatz wird allerdings kombiniert mit einem Top-down Ansatz,um auch weltweite wirtschaftliche Entwicklung zu berücksichtigen. Von vielen anderen ökologischen Fonds unterscheidet sich die Ökoworld Fonds dadurch, dass kein Best-in-class Ansatz gewählt wird, sondern die Auswahl nach Positiv- und Negativkriterien erfolgt. Der Best-in-class Ansatz stellt nur einen relativ weichen ökologischen Auswahlansatz dar, weil innerhalb einer betrachteten Anlageklasse damit auch Unternehmen ausgewählt werden können, die nur ökologisch relativ am besten sind, aber eben nicht rundherum ökologisch und ethisch korrekt aufgestellt sind. Theoretisch könnte ein ökologisch und ethisch korrekter Anlagestil dazu führen, dass so genannte Eventrisiken (z.B. Auswirkungen plötzlich eintretender Umweltschädigungen) sich weniger stark auf einen möglichen  Kurseinbruch auswirken. Hierzu haben wir aber noch keine abschließende Meinung. Grundsätzlich interessant erscheint uns auch der im September 2012 aufgelegte Aktienfonds, der in Schwellenländer investiert. Der Zeitraum seit der Fondsauflage ist allerdings noch zu kurz um eine genaue Beurteilung des Fonds vorzunehmen.

KBC Asset Management

Diese Tochter der belgischen KBC Group gehört wahrscheinlich zu den weniger bekannten Investmentgesellschaften in Deutschland. Wir meinen aber, dass dieser Gesellschaft mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte. Wir verfolgen seit Jahren die Angebote der KBC und setzen auch immer wieder deren Investmentfonds – meist Rentenfonds – in unseren Musterdepots ein. KBC ist aber nicht nur ein Anleihen-Manager, sondern gehört auch zu den führenden Gesellschaften im Bereich nachhaltiger Investmentfonds. Im Gegensatz zu Ökoworld arbeitet diese Gesellschaft allerdings mit dem Best-in-class Ansatz. Dieser Ansatz wird ergänzt durch eine öffentlich zugängliche Blacklist von Unternehmen, die sich im Bereich von Personenminen, chemischen und biologischen Waffen und Uran Edition engagieren. Die Veröffentlichung der Unternehmen, mit denen KBC deshalb keinerlei Geschäftsbeziehung aufrechterhält, ist unserer Einschätzung nach sehr positiv zu bewerten.

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