Update Banken: Was helfen 55 Mrd., wenn 770 Mrd. fehlen?


Die Süddeutsche (1) weist aktuell auf eine Untersuchung, die von Sascha Steffen, Professor an der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin, erstellt wurde, hin. Danach beträgt der der Kapitalbedarf europäischer Banken:

  • fehlendes Eigenkapital Europa insgesamt 770 Mrd.Euro
  • fehlendes Eigenkapital französischer Banken 285 Mrd. Euro
  • fehlendes Eigenkapital deutscher Banken 200 Mrd.Euro

Diese Summen sind nach Vorgaben der englischen Notenbank ermittelt worden. 200 Mrd. Euro als Fehlbetrag! Das sind bezogen auf die aktuelle Summe des Kapitals und Rücklagen aller deutschen Finanzinstitute immerhin 39%. Um diese Summe müssten deutsche Banken also ihr Eigenkapital erhöhen, damit im Falle einer erneuten Krise Bankeinlagen als sicher gelten können.

Wir werden immer wenn es um volkswirtschaftliche Daten geht, mit enorm hohen Zahlen konfrontiert.Deshalb sollten wir diesen Betrag von 200 Mrd. Euro einmal in Relation  zu dem Gesamtwert aller von uns in Deutschland hergestellten Waren und Dienstleistungen setzen. Dann entspricht der Fehlbetrag 7,56% (bezogen auf den Wert des BIP 2012). Wenn wir uns weiter fragen, wer wohl letztendlich im Falles eines Crash für diesen Betrag aufkommen müsste, dann in letzter Instanz die Bürger. Setzen wir diesen Betrag also einmal zu der Summe der in 2012 in ganz Deutschland erzielten Arbeitseinkommen in Relation. Es ergibt sich ein Prozentsatz von 14,95%. Fairerweise muss man hinzufügen, dass es ja auch noch Unternehmenseinkommen und Einkommen aus Vermögen gibt, und dieses macht ca. 50% des Arbeitseinkommens aus, sodass man die Last auch auf verschiedene Schultern verteilen könnte. Andererseits wäre die Last aber wesentlich höher, weil eine Reduktion des BIP von 7,56% weitere Folgeverluste verursachen würde. 

Es handelt sich bei dem Fehlbetrag an Eigenkapital also tatsächlich um eine ernsthafte und bedeutende Summe.

In diesem Zusammenhang ist natürlich auch die Frage zu stellen, was uns dann die geplanten 55 Mrd. Euro nutzen würden, die Europas Banken bis 2023 (!) in einen Abwicklungsfonds zahlen sollen.

Interessanterweise findet man hier eine versteckte Antwort des Präsidenten der Deutschen Bundesbank, Dr. Weidmann, in seiner Rede bei der Tagesspiegel-Veranstaltung „DeutschlandAgora 2014“  : „Wenn bei dieser Prüfung Rekapitalisierungsbedarf festgestellt wird, soll dieser noch vor dem SSM-Start gedeckt werden, und zwar vorrangig mit privaten Mitteln. Oder, falls dies nicht möglich ist und die Bank ein tragfähiges Geschäftsmodell besitzt, durch den jeweiligen Staat. Schließlich geht es um die Haftung für zurückliegende Versäumnisse in der Bankenaufsicht – und dafür waren die einzelnen Mitgliedstaaten verantwortlich.“ (2)

Wenn der Kapitalisierungsbedarf der Banken durch die oben genannte Untersuchung des ESMT richtig ermittelt wurde, dann können wir sicher noch lange auf den Start des Einheitlichen Bankenaufsichtsmechanismus SSM warten. Denn offensichtlich brauchen Banken sehr lange, um das benötigte Kapital aufzubauen. Oder wie ist es zu verstehen, dass den europäischen Banken bis 2023 Zeit gewährt wurde, um einen Abwicklungsfonds über 55 Mrd. Euro aufzubauen, wenn heute schon 770 Mrd. Euro fehlen.

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(1) Hier der Link zum Artikel in der Süddeutschen

(2) Hier die vollständige Rede von Dr. Weidmann: Perspektiven 2014

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