Was die BAFin zur Stabilität des Finanzsektors (nicht) sagt


Besteht Grund zur Sorge um unsere Sparguthaben und das noch verbliebene Vermögen in konventionellen Lebensversicherungen? Elke König, die Chefin der BAFin, hat ein lesenswertes Interview in der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ gegeben. Ein Muss zu lesen, ist doch die BAFin die oberste Aufsichtsbehörde für den Finanzsektor. Erkennt sie Gefahren rechtzeitig, und leitet sie entsprechende Maßnahmen ein, so kann dies dazu beitragen, dass unsere Einlagen bei Banken und unsere Guthaben in Versicherungsverträgen etwas sicherer bleiben.

Zum Thema Banken

Die gute Nachricht: Einen Teil des anstehenden Stresstest der EZB werden die Banken bestehen. Keine deutsche Bank wird bei der Prüfung der Bilanzen 2013 durchfallen.

Etwas anders sähe es bei den beiden Stresstests aus. Hier können durchaus deutsche Banken durchfallen. In den Stresstests werde geprüft, ob die Banken in einem „erwarteten“ Szenario wirtschaftlicher Entwicklung und in einem „schwierigeren“ Szenario bestehen können. Man kann das Ergebnis auch einfacher darstellen:

  • Ex-post: alles gut (blendet man einmal die Jahre 2008/9 aus). Allerdings ist diese Aussage mit Einschränkungen etwas sinnleer. Denn Bilanzen ermöglichen grundsätzlich zunächst nur einen Rückblick.
  • Ex-ante haben wir jedenfalls eine gewisse Sicherheit, dass eine Unsicherheit hinsichtlich der Stabilität der Banken bestehen bleibt.

Weniger zurückhaltend ausgedrückt, scheinen damit alle Maßnahmen zur Stabilisierung des Bankensektors bisher eher Reparaturcharakter aufzuweisen. Wir sollten aber nicht zu hohe Anforderungen an die Politik stellen. Ein zukunftsweisendes Konzept, also ein stabiles Fundament, für den Bankensektor aufzubauen, muss wohl eine gewisse Zeit dauern. Denn auch ein weniger komplexes Vorhaben, wie der Bau des Berliner Flughafens, erfordert von uns Bürgern Geduld.

Übrigens: Es gibt ein Unterschied zwischen dem Finanzsektor und dem Berliner Flughafen. Wir selbst können etwas unternehmen, um unser Geld sicherer anzulegen. Man muss nur den Begriff Sicherheit etwas anders als üblich definieren. Voraussetzung dazu ist, dass der Unterschied zwischen Emittentenrisiko (bei Bankanlagen) und Marktrisiko (bei eigenen möglichst gut diversifizierten) Anlagen erkannt wird. Bevorzugt man das Marktrisiko, so wird man wohl kaum eine gleichmäßige Wertentwicklung ohne Schwankungen erwarten können. Aber im Zweifel ist nicht alles Geld weg oder vielleicht „nur“ der Teil der Einlagen, die 100.000 Euro überschreiten (1).

Fairerweise ist festzuhalten, dass Frau König dem Sparer nichts verheimlicht. Deutlicher als sie es tut, kann sie unmöglich die Situation der Banken beschreiben. In einem solchen Fall könnte ja gerade das gefährdet werden, worüber sie wachen muss.

Zu den Lebensversicherungen

Ähnlich sind die Aussagen zur Situation der Lebensversicherungen zu beurteilen. Fairerweise werden alle Probleme angesprochen, die durch das Niedrigzinsniveau für die Gesellschaften entstanden sind, aber: „Man kann in der Lebensversicherung nicht im Nachhinein die Garantien absenken.“  Nur ist diese Aussage leider apodiktisch, also keinen Widerspruch duldend, keine andere Meinung gelten lassend (2). Die Realität wird sich allerdings dann nicht an einer „Meinung“ orientieren, wenn die garantierten Zinsen einfach nicht mehr zu erwirtschaften sein sollten.

Das Zinsproblem ist schon heute für die Lebensversicherung da! Dies hat auch die BAFin erkannt und bietet eine Lösung an, die auf Solidarität setzt. Solidarität soll insoweit geübt werden, als denjenigen, die in Zukunft eine Kündigung erwägen, weniger von ihrem aktuellen Guthaben ausgezahlt wird. Der Anteil an den Bewertungsreserven soll sinken, wo durch es den Versicherungsgesellschaften etwas leichter gemacht wird, die Garantien für die verbleibenden Versicherungsnehmer zu erfüllen.

Und sollte man nicht gerade deshalb jetzt bestehende konventionelle Lebens- und Rentenversicherungen kündigen? Wenn es nicht leicht ist, eine ausgewogene Antwort zu geben (und wenn man nicht diejenigen gefährden will, für deren Stabilität man zu sorgen hat) verbleibt wohl erneut nur eine apodiktische Antwort: „Nein, in den allermeisten Fällen wäre das eine völlig unsinnige Entscheidung.“

Für „völlig“ unsinnig würden wir aber eine Entscheidung für eine Kündigung nur dann halten, wenn bald das Zinsniveau wieder steigen würde. In einem solche Fall könnten die konventionellen Versicherungen ihre alte Stärken wiedergewinnen. Leider gilt diese Aussage nur dann, wenn unser Finanzsystem eine schnelle Zinssteigerung verkraftet. Ob und wie das der Fall sein wird, hat unser Kenntnis nach noch niemand so recht beschrieben.

Mit diesem Beitrag rufen wir nicht generell dazu auf, Festgelder von den Banken abzuziehen und Lebensversicherungen zu kündigen. Wir rufen aber dazu auf, dass gegenüber Anlegern klar und verständlich gesprochen wird. Und Anleger und Sparer können ihren Teil dazu beitragen, wenn sie sich selbst mehr Finanzwissen aneignen. Dazu können Sie uns jederzeit fragen und, wenn sie in Hamburg leben, unsere Veranstaltungen besuchen.

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(1) Zur Sicherheit auch der 100.000 Euro gibt es Einschränkungen. In diesem Blog haben wir dies Thema mehrfach angesprochen. Sie können dazu aber auch bei Beate Reszat in dem Artikel Safe haven Germany? – Limits to deposit guarantees nachlesen und sich auf unserer Homepage informieren.

(2)  Apodiktisch hier im umgangssprachlichem Gebrauch

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