EU Bankenabwicklung: Wir sollen denken, das es besser wird …


Banken in Europa droht in Zukunft das Schicksal ganz normaler Unternehmen: Banken dürfen pleite gehen.  Die EU-Finanzminister haben sich diese Woche grundsätzlich über ein Regelwerk zur Abwicklung von Banken geeinigt. Geht ein normales Unternehmen in Insolvenz, so hat dies vielfältige Folgen für Geschäftspartner, Gläubiger, die Mitarbeiter, Eigentümer und und ….. In der Regel führt dies aber nicht zu einem Zusammenbruch des Finanzsystems. Bei Banken dagegen stand diese Befürchtung seit 2008 im Vordergrund fast aller Entscheidungen der Staaten, wenn Banken „strauchelten“.

Jetzt soll es besser werden. In Zukunft sollen Steuerzahler die „Letzen“ sein, die zahlen müssen. Ich denke, man muss genauer formulieren: Jetzt sollen die Sparer denken, dass alles besser wird. Um zu dieser Überlegung zu kommen, muss man nur zwei Zahlenpaare betrachten:

55mrdKann ein Bankenabwicklungsfonds, der in Zukukunft einmal ein Kapital von 55 Mrd Euro aufweisen wird, in einer Krise wirklich helfen? Wir sollten in diesem Zusammenhang daran denken, dass in der aktuellen Finanzkrise die EU-Länder einen Betrag in Höhe von 1.600 Mrd für die Rettung der Banken aufgebracht haben (1).

1600bDie Bilanzsumme aller europäischen Banken beträgt 30.000 Mrd Euro (2). Selbst wenn alle Banken ein Eigenkapital von 10% aufweisen würden, würde ein gleichmässig über die Banken verteilter Verlust von 10,18% das Kapital des Bankenabwicklungsfonds aufzehren. Natürlich werden in einer Krise nicht alle Banken gleichmässig Verluste von 10,18% oder mehr aufweisen.Solange aber eine Verflechtung der Banken untereinander besteht, dahingehend dass die Banken sich in hohem Umfang Gelder untereinander verleihen, besteht aber immer die Gefahr einer Kettenreaktion (3).

Nun stellen die 55 Mrd des Bankenabwicklungsfonds natürlich nicht die einzige Massnahme dar, um zu verhindern, dass in Zukunft der Steuerzahler nicht wieder in die Pflicht genommen wird. Nein, (fast) wie im wirklichen Leben sollen auch die Gläubiger der Banken zahlen. Zu den Gläubigern der Banken gehören aber wir alle, wenn wir bei der Bank Geld angelegt haben, zum Beispiel auf einem Festgeldkonto, Sparbuch usw..Übrigens: An dieser Stelle müsste man eigentlich einmal nachfragen, ob es nicht mehr Gläubiger der Banken gibt, als es Steuerzahler gibt. Denn zunächst sollen Steuerzahler durch die EU-Maßnahmen geschützt werden. Sparer sollen dagegen nur eingeschränkt geschützt werden. Die berühmten 100.000 Euro sollen in Zukunft gesichert bleiben. Irgendwo habe ich dazu gelesen, dass somit „Kleinsparer“ geschützt werden sollen.

Was bedeutet dies aber für Sparer, die mehr als 100.000 Euro bei Banken angelegt haben? Sie werden im Falle einer Bankenpleite Geld verlieren können! Einige unserer Kunden verweisen diesbezüglich, dann würden Sie ihr Geld eben über mehrere Banken verteilen. Das mag mit Einschränkungen eine mögliche Strategie sein, nur sollte man bedenken:

  • Aufgrund der Verflechtungen kann eine Bankenpleite nicht nur eine sondern mehrere Banken gleichzeitig treffen
  • Und realistischerweise wird jemand mit zum Beispiel 1,5 Mio Festgeld diesen Betrag kaum auf 15 Banken verteilen. Wenn Sie sagen, niemand würde solche Summen als Festgeld anlegen, liegen Sie falsch! Eine Anlage in Festgeld und Termingeld erfolgt ja nicht nur aufgrund von Vertrauen in Banken und Misstrauen gegenüber anderen Anlageformen. Es ist ebenso möglich, dass man einen solchen Betrag benötigt, um Investitionen zu einem späteren Zeitpunkt zu tätigen.Dazu werden sukzessive vorab andere Anlagenformen verkauft, damit das Geld bis zum Zeitpunkt des Kapitalbedarfs nicht mehr möglichen Verlusten unterliegen.

In einem solchen Fall sollte man sich die Bonität der Banken, deren Verflechtungen mit anderen Banken und deren Aktivseite der Bilanzen genau anschauen. Nur leider ist dies nur in geringem Umfang möglich und zudem ändern sich die Anlagen der Banken fortlaufend.

Möglicherweise ist deshalb – neben den oben genannten Punkten – auch folgende Überlegung hilfreich:

Geldanlagen bei Banken mit sehr viel „Kleinsparern“ könnten tendentiell bei größeren Geldanlagen zu höheren Verlusten führen, als bei Banken, die überwiegend Gelder von vermögenderen Kunden verwahren ( Achtung: das ist eine ceteris-paribus-Aussage!)

2112bDiese fiktive Quote ergibt sich ganz einfach daraus, dass Spareransprüche bis 100.000 Euro zu 100% befriedigt werden sollen. Allerdings würde diese Betrachtung nur dann gelten, wenn sich diese 100.000 Euro auf die Insolvenzmasse beziehen und damit nicht aus der Einlagesicherung stammen. Hierzu habe ich noch aktuell noch keine weitere Informationen gelesen. Es lohnt aber diesen Gedanken für die zukünftige Anlagestrategie zunächst im „Hinterkopf“ zu behalten.

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(1) Vergleiche dazu die Meldung im Handelsblatt vom 19.12.2013

(2) Mitteilung des Bankenverband

(3) Alle Banken saldiert verleihen 28% ihrer Bilanzsumme an andere Banken. Siehe dazu unseren Beitrag: Brauchen wir Banken?

6 Gedanken zu “EU Bankenabwicklung: Wir sollen denken, das es besser wird …

  1. Hallo, ich denke, dass heutzutage Jeder weiss, das es bezüglich der Banken und der Neuverschuldung auf keinen Fall besser geworden ist. Eher im Gegenteil: die Schulden steigen weiter ein…

    1. Wenn dies „jeder“ weiss, wie erklären Sie sich dann die hohe Festgeldbestände. Denn sollte es nicht besser geworden sein, haben wir ja tatsächlich noch die Gefahren, wie in 2008?
      Ihre Einschätzung zu hören, würde mich freuen, denn es ging Ihnen doch sicher nicht nur um einen Link auf Ihre Firmen-Homepage.

  2. Bevor sie demnächst wieder aufgelöst wird, ist der einzige Zweck der “Europäischen Währungsunion” – dessen sich die “hohe Politik” am allerwenigsten bewusst ist – die Verwirklichung der echten Sozialen Marktwirtschaft (Natürliche Wirtschaftsordnung) in der Bundesrepublik Deutschland:

    Persönliche Freiheit und Sozialordnung

    Mit dem Ersatz der vorherigen Landeswährungen durch den Euro und damit auch der Eliminierung freier Wechselkurse wurde die Zinsumverteilung zwischen den europäischen Staaten soweit erhöht, dass die wirtschaftlich schwächsten in die Zinssklaverei und an den Rand des Staatsbankrotts getrieben wurden, während vor allem die deutsche Volkswirtschaft davon profitierte. Die unbewussten und eigentlich irrationalen Handlungen der europäischen Politiker, die zu dieser Situation geführt haben, erweisen sich im Nachhinein als überaus vorteilhaft für die schnellstmögliche Durchsetzung der Globalen Sozialen Marktwirtschaft, die allerdings nicht mehr von der “hohen Politik”, sondern vom arbeitenden Volk initiiert wird.

    Sobald die globale Liquiditätsfalle evident wird (voraussichtlich im Frühjahr 2014), werden überall auf der Welt immer mehr Geldersparnisse aus der langfristigen Anlage abgezogen und sowohl auf Girokonten als auch in Bargeld liquide gehalten, während ein Teil dieser internationalen Ersparnisse zum letzten “sicheren Hafen” fließt, d. h. nach Deutschland. Die deutsche Volkswirtschaft wird sich also noch für eine gewisse Zeit über Wasser halten können, während im Rest der Welt immer mehr Massenentlassungen zu fortschreitendem Zerfall der öffentlichen Ordnung führen und in einigen Ländern bereits “The Mob Rules”.

    Nicht die Vernunft, sondern Angst – in der es zumindest in Deutschland noch möglich ist, den eigenen Kopf etwas anzustrengen statt fremde Köpfe einzuschlagen – wird die Masse des deutschen Volkes zu der einen Erkenntnis bringen: Wenn auch bei uns das Geld nicht mehr umläuft, verlieren wir alles, also brauchen wir eine konstruktive Geldumlaufsicherung! Alles Weitere ergibt sich von selbst:

    Der Wille zur Macht

  3. OK, die Möglichkeit der EZB bad assets aufzukaufen wurde hier wieder einmal aus dem Spiel genommen und virtuell Geld zu drucken!

    1.) Im Fall der Haftung durch die Gläubiger, haftet der eigenverantwortliche Investor für sein Investment, bis auf 100.000€, die es bei Banken als Teilkasko dazu gibt. Das ist bei allen anderen Anlageformen eigentlich viel riskanter, egal ob bei Aktien, sonstigen Firmenbeteiligungen, Derivaten, Futures, Rohstoffen, …., denn hier gibt es keine implizite Sicherheit zur Teilabdeckung des Risikos des Investors.

    2.) Im Fall durch Haftung durch die Steuerzahler und Staaten wird die Haftung und das Risiko kollektiviert. Der einzelne Steuerzahler oder Rentner wird in die Haftung kollektiv mit einbezogen, Welche Steuererhöhungen der Staat in Folge vornimmt, liegt an der Regierung, es kann hier zur Rettung von Vermögen durch höhere Besteuerung von Arbeitsleistung kommem.

    3.) Im Fall von Aufkauf durch die EZB wird einfach die Bilanzsumme der Zentralbank erhöht und die Geldmenge gesteigert. Die in Folge auftretende Inflation betrifft wiederum alle, die Guthaben (=Forderungen) besitzen stärker und ist auch eine kollektive Schuldentilgung, aber hier wird im Gegensatz zu 2.) nicht die Arbeitsleistung höher besteuert.

    1. Danke für Deinen Kommentar. Weitgehend Zustimmung, aber einige kleine Anmerkungen:
      1. Ich mag die Analogie „Geld drucken“ nicht. Diese führt bei vielen Menschen zu falschen Schlussfolgerungen. Genauer wäre es – mal abgesehen von den Banknoten – zu sagen, Zentralbanken verleihen Geld.
      2. Der Vergleich von Geld mit anderen Anlageformen ist etwas ungenau. Geld hat ja auch eine Zahlungsmittelfunktion.
      3. Eine Geldmengenausweitung durch Zentralbanken allein führt noch nicht zur Inflation.
      Auch Inflation ist in meinen Augen ein schwieriges Konzept, weil zuwenig unterschieden wird, z.B. zwischen Assetinflation und Verbraucherpreissteigerungen.
      Richtig und sehr wichtig ist es, hier aber die Problematik der Haftung zu thematisieren und dies ach als Teil einer Verteilungsproblematik zu sehen.
      Einen schönen Adventssonntag nach Österreich.

      1. Danke für den Kommentar.
        Leider verwende ich oft zu unexakte Terminologien.
        Mit ‚Inflation‘ meinte ich hier nur die sprunghafte Ausweitung der bilanztechnischen Zentralbankgeldmenge im Vergleich zur gehandelten Warenmenge ohne auf die komplizierten Folgen für die Kaufkraft des einzelnen und VPI einzugehen.

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