Sturm Xaver, Banken und kognitive Dissonanz


SturmDiese Woche war nicht  nur von dem Sturm Xaver geprägt. Schaut man sich die Schlagzeilen aus den Wirtschaftsteilen der Presse an, so gab es auch einen Empörungssturm gegen die Banken:

  • S.P.O.N. – Die Spur des Geldes: „Macht die kriminellen Banken dicht!“  fordert Wolfgang Münchau in einer Kolumne von Spiegel Online (1).
  • Die Süddeutsche zog  eine Deadline: „Noch ein Skandal, und es wird so viel Regulierung kommen, dass man die Banken auch gleich verstaatlichen kann.“ (2)
  • Und in der Huffington Post (3) sieht Professor Martin Hellmich von der Frankfurt School of Finance & Management  das Vertrauen in die Banken fast irreversibel geschädigt:“ Normalerweise kann man sich darauf verlassen, dass die Menschen Skandale vergessen – aber nicht bei solchen Dimensionen.“

Aber so wie der Sturm entgegen vieler Erwartungen noch relativ glimpflich ausging, halte ich auch die Aussage von Professor Helmrich für nicht richtig.

Um die möglichen Reaktionen der Menschen auf die immer wieder neu entdeckten Skandale, wie Libor-Manipulationen und jetzt die –noch nicht bewiesenen- Wechselkurs-Manipulationen, richtig einzuordnen, muss man sehen, dass die Deutschen einen Betrag von 1.750 Mrd. Euro auf den Konten von Banken angelegt haben (4). Und es zeichnet sich nicht ab, dass hier massiv Geld abfließt. Es muss also in einem gewissen Sinne doch ein Grundvertrauen in die Banken bestehen. Zugegeben, möglicherweise treffen die Sparer Ihre Entscheidungen, dass Geld bei den Banken zu deponieren, mit einem gewissen Bachgrimmen oder mangels –vermeintlich!- nicht vorhandener Alternativen. Der Grund ist aber egal, denn die Entscheidung derart  hohe Kontoeinlagen bei den Banken zu halten, scheint unabänderbar  zu stehen.

Wir haben hier also einen Widerspruch: Man vertraut den Banken Geld an, aber zugleich vertraut man den Banken auf einer anderen Ebene nicht. In der Psychologie bezeichnet man dies als kognitive Dissonanz (5). Weil kognitive Dissonanz als äußerst unangenehm empfunden wird, versucht der Mensch typischerweise diese aufzulösen. Dies kann mit unterschiedlichen Strategien erfolgen, wobei ein Vergessen am Einfachsten erscheint. Anders als Professor Helmrich meint, glaube ich daher, dass die Skandale der Banken sehr wohl  bald vergessen sind.

Was ich für wünschenswert halte, ist eine anderes Thema.

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Links

(1)  Die Spur des Geldes: Macht die kriminellen Banken dicht!

(2)  Noch ein Skandal, und es wird so viel Regulierung kommen, dass man die Banken auch gleich verstaatlichen kann.

(3)  Normalerweise kann man sich darauf verlassen, dass die Menschen Skandale vergessen – aber nicht bei solchen Dimensionen

(4)  Meldung der Wirtschaftswoche

(5)  Erläuterungen zur kognitiven Dissonanz

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