Pflege-Bahr-Versicherung: Alarm oder falscher Alarm?


In der Fachpresse wird aufgrund einer Studie des Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) Alarm geschlagen. Wer als 30-Jähriger eine geförderte Pflege-Bahr-Versicherung abschließt, müsse damit rechnen, dass er als 70-Jähriger einen finanziellen Nachteil erleidet. Er müsse dann einen höheren Beitrag für diese Versicherung zahlen, als seine mögliche Leistung im Falle der Pflegestufe 0 und Pflegestufe I betragen würde. Dies würde eintreten, wenn der Beitrag um 5% jährlich steigen würde.

Die Studie kostet 290 Euro zuzüglich MwSt. Aktuell sehen wir keinen Anlass, hierfür Geld auszugeben. Denn eine Prognose über 40 Jahre und eine unterstellte Beitragssteigerung von 5% p.a. scheint doch etwas gewagt:

  • Zunächst sind innerhalb der nächsten 4 bis 5 Jahre nur geringe Beitragssteigerungen zu erwarten.
  • Desweiteren sollte man die Pflege-Bahr-Versicherung mit der Alternative einer ungeförderten Pflegeversicherung vergleichen.

Kaum Beitragssteigerungen in den nächsten Jahren

Gründe für Beitragssteigerungen können allgemeine Kosten der Versicherungs-gesellschaften und erhöhte Schadenaufwendungen sein. Schadenaufwendungen sind zu zahlende Pflegegelder. Weil es bei der Pflege-Bahr-Versicherung eine Wartezeit von 5 Jahren gibt, ist nicht ersichtlich, woher in den nächsten Jahren die Kostensteigerung kommen soll. Die allgemeinen Kosten der Versicherungsgesellschaften können natürlich steigen. Aufgrund einer zurzeit geringen Inflationsrate ist dies nicht in hohem Umfang zu erwarten.

Beitragssteigerungspotential der Pflege-Bahr-Versicherung im Vergleich zu einer konventionellen Versicherung

Grundsätzlich sehen auch wir bei der Pflege-Bahr-Versicherung ein erhöhtes Beitragssteigerungspotential aufgrund einer möglichen negativen Risikoauslese. Weil jeder Kunde unabhängig von seinem Gesundheitsstatus das Recht hat, eine Pflege-Bahr-Versicherung ohne Einschränkungen abzuschließen, dies aber bei einer konventionellen Pflegeversicherung bei bestehenden Vorerkrankungen nicht immer ohne Einschränkungen möglich ist, können tatsächlich für die Versicherungsgesellschaften im Rahmen der Pflege-Bahr-Versicherung höhere Kosten entstehen.

Aber: Die Pflege- Bahr-Versicherungen haben hierfür auch mehr Geld zur Verfügung! Wir wollen an dieser Stelle keine Studie erstellen, dafür sind diese Informationen auch kostenlos 🙂 Wir haben einfach ein Beispiel der Allianz gerechnet:

PFA2Bei der konventionellen Pflegeversicherung haben wir bewusst einen weniger leistungsstarken Taqrif gewählt, damit in etwadie gleichen Leistungen verglichen werden. Normiert haben wir die konventionelle Versicherung, weil Pflegetagegeldversicherungen in Realität bei der Allianz immer nur in 5 Euro Stufen möglich sind. Wir sehen: Die Allianz bekommt weniger Geld bei einer konventionellen Pflegeversicherung (rote Felder), muss aber im Leistungsfall (gelbe Felder) mehr Leistungen erbringen. Würde es keine negative Risikoauslese geben, so würde in den Pflege-Bahr-Tarifen mehr Geld bei der Versicherung für künftige Leistungsfälle zur Verfügung stehen als in den konventionellen Tarifen. Das Beitragssteigerungspotential wäre geringer.

Für die Versicherungsgesellschaften hat die Pflege-Bahr-Versicherung einen weiteren Vorteil, der ebenfalls Reserven schafft, damit die Beiträge nicht zu stark steigen. Die Abschlussprovisionen sind wesentlich geringer. Für die geförderte Versicherung wird in der Regel eine Provion in Höhe von 2 Monatsbeiträgen gezahlt, ansonsten bis zu 8 Monatsbeiträgen.

Machen wir eine ganz einfache Rechnung auf, und unterstellen, dass die Pflege-versicherungen ihr Kapital aus den Beiträgen (nach den genannten Abschlußkosten und weiteren Kosten, mit Ausnahnme der Risikokosten ) nur mit 2% verzinst anlegen könnte, so hat die konventionelle Versicherung immer weniger Kapital für mögliche Leistungsfälle zur Verfügung als der Bahr-Tarif. In folgender Grafik zeigen wir dies aufsummiert auf:

arpDies scheint ein relativ gutes Polster, um die möglichen höheren Kosten durch die negative Risikoauslese auszugleichen.

Bei einer Betrachtung aus Kundensicht ist in Hinblick auf mögliche Kostensteigerungen natürlich negativ, dass -nach jetzigem Stand- zwar sehr wohl kalkuliert werden sollte, dass Beiträge steigen, es aber noch unklar ist, inwieweit der staatliche Zuschuss steigt. (Die Kritik des IVP und die daraus resultierende Forderung an die neue Regierungskoalition ist insoweit berechtigt. Aber bis 40 Jahre um sind, haben wir noch viele Regierungen. Und es ist zu fragen, warum jetzt die medienwirksame Forderung an die künftige Koalitionsregierung?) Denn hier ist nun wirklich noch viel Zeit.

Wir haben berechnet, wie sich der aufsummierte Beitragsaufwand für den Versicherungsnehmer bei den vorgenannten Tarifen verhält, wenn sich die Beiträge des Pflege-Bahr-Tarifs um 4% jährlich verteuern (trotz der gar nicht so ungünstigen Situation für die Versicherungsgesellschaft) im Vergleich zur konventionellen Versicherung, die sich möglicherweise „nur“ um 3% verteuert. Erst nach 24 Jahren ergibt sich für den Pflege-Bahr-Tarif ein Nachteil:

bjkkUns ist sehr wohl bewusst, das viel von der Wahl der Prämissen abhängt. Dennoch halten wir es für deutlich -und möglicherweise insgesamt – verfrüht, die Aussagen zur Pflege-Bahr-Versicherung zu treffen, wie es die Pressemittelungen zur IVFP Studie zeigen. Im übrigen würde die oben genannte Berechnung noch besser für die Pflege-Bahr-Versicherung ausfallen, wenn wir eine Verzinsung für das ersparte Geld in den ersten Jahren der Beitragszahlungen angenommen hätte. Aber wie bereits gesagt: Dies ist keine Studie, dafür kostenlos.

Anmerkung: Wir haben die Studie nicht gelesen. Möglicherweise sind all diese Punkte in der Studie berechtigt. Falls Kollegen diese Studie gelesen haben, so würde ich mich über eine Nachricht freuen. Die Kritik richtet sich also ausschliesslich nach den Fakten, die in der Presse veröffentlicht sind.

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Presseartikel

Asscompact: Pflege-Bahr – große Koalition muss stark nachbessern

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