Private Krankenversicherung: Richtige Gestaltung der Selbstbeteiligung für Selbsständige


von Christiane Könitz

Sind Sie selbständig und haben Sie schon einmal mit Ihrem Versicherungsberater besprochen, ob sich eine Selbstbeteiligung lohnt?  Vielleicht fiel die Antwort so aus:

„Oh, ja das könnte interessant sein. Sie zahlen jetzt ohne Selbstbeteiligung  583 Euro im Monat. Schauen wir einmal, wie viel Sie mit einer kleinen Selbstbeteiligung von 300 Euro im Jahr zahlen müssten? …. Ja, da sinkt der Beitrag auf 545,52 Euro monatlich. …. Sie zahlen also 37,48 Euro weniger. Und das sind im Jahr 449,76 Euro Ersparnis. Deutlich mehr als die mögliche Selbstbeteiligung von 300 Euro! Ja , das sollten wir ändern?“

 Möglicherweise rechnen Sie weiter und sehen, dass eine noch höhere Selbstbeteiligung die Belastung weiter senkt.  Hier ein Beispiel aus der Praxis, wie die Vereinbarung einer Selbstbeteiligung  den jährlich zu zahlenden Krankenversicherungsbeitrag senkt:

pkv1Eine solche Beratung ist allerdings nicht besonders ganzheitlich, denn es sind  auch die steuerlichen Auswirkungen zu berücksichtigen:

Ob eine Selbstbeteiligung in der privaten Krankenversicherung wirklich lohnend ist, ist leider etwas  kompliziert zu berechnen. Durch das Bürgerentlastungsgesetz sind die Beiträge zur Krankenversicherung seit 2010 ohne Begrenzung steuerlich abzugsfähig. Auch wenn  die absetzbaren Krankenversicherungsbeiträge die bis 2010 gültigen Höchstbeträge für Sonderausgaben übersteigen , erfolgt keine Kürzung (1).

Die steuerliche Absetzbarkeit bezieht sich natürlich nur auf die Beiträge (2). Sinken die Beiträge aufgrund der Selbstbeteiligung sinkt zunächst auch einmal die Steuerersparnis. Im ersten Beispiel mit der Selbstbeteiligung von 300 Euro ergibt sich nur noch eine Ersparnis von  24,56 EUR (Annahme Steuersatz 42% zzgl. Soli, zudem wird berücksichtigt, dass nur der Beitragsanteil der PKV steuerlich absetzbar ist, der vergleichbaren GKV Leistungen entspricht. Dies sind meist ca. 80%)

Fallen im Jahr Arztkosten  mindestens in Höhe der Selbstbeteiligung an, dann lohnt die Vereinbarung der Selbstbeteiligung nicht mehr. Durch die Selbstbeteiligung ergibt sich nur eine Ersparnis von 294,72 Euro im Jahr.

 Betrachtet man noch höhere Selbstbeteiligungen, so verliert sich der Vorteil bei einer Nachsteuerbetrachtung noch mehr:

PKV2Noch komplizierter wird es, wenn auch Beitragsrückerstattungen berücksichtigt weden. Die absetzbaren Krankenversicherungsbeiträge sind um gezahlte Beitragsrück-erstattungen zu kürzen. Wir vergleichen an dieser Stelle nicht, ob ein Tarif mit geringerer Selbstbeteiligung günstiger ist, sondern betrachten hier nur, ob es nach Steuern lohnend ist, die Arztrechnungen einzureichen.

Eine Beitragsrückerstattung (BRE) von 1 Monatsbeitrag verändert die Berechnung wie folgt:

  • Selbstbeteiligung 300 EUR
  • Vor Steuern: jährlicher Beitrag 6.546 EUR abzgl. BRE 545 EUR = 6.001 EUR
  • Nach Steuern: jährlicher Beitrag 4.290 EUR abzgl. BRE 357 EUR = 3.933 EUR

Jährlicher Aufwand inkl. Arztrechnungen:

  • Arztkosten jährlich 1.000 EUR
  • Die Rechnungen werden eingereicht, es erfolgt keine Beitragsrückerstattung:
  • Jährlicher Aufwand nach Steuern 4.290 EUR zzgl. 300 EUR Selbstbeteiligung = 4.590 EUR

Die Rechnungen werden nicht eingereicht, es erfolgt eine Beitragsrückerstattung: Jährlicher Aufwand nach Steuern inkl.  BRE 3.933 EUR zzgl. 1.000 EUR Arztrechnungen = 4.933 EUR. Zunächst entsteht also ein Nachteil in Höhe von 343 Euro. Allerdings kann im folgenden Jahr ein   Vorteilen entstehen, weil es dann häufig Beitragsrückerstattungen gibt, die höher als 1 Monatsbeitrag ausfallen.

Berechnung mit höherer Selbstbeteiligung: 600 EUR

  • Vor Steuern: jährlicher Beitrag 6.238 EUR abzgl. BRE 515 EUR = 5.723 EUR
  • Nach Steuern: jährlicher Beitrag 4.087EUR abzgl. BRE 341 EUR = 3.746 EUR

Jährlicher Aufwand inkl. Arztrechnungen:

  • Arztkosten jährlich 1.000 EUR
  • Die Rechnungen werden eingereicht, es erfolgt keine Beitragsrückerstattung:
  • Jährlicher Aufwand nach Steuern 4.087 EUR zzgl. 600 EUR Selbstbeteiligung = 4.687 EUR

Die Rechnungen werden nicht eingereicht, es erfolgt eine Beitragsrückerstattung: Jährlicher Aufwand nach Steuern inkl.  BRE 3.746 EUR zzgl. 1.000 EUR Arztrechnungen = 4.746 EUR. Das Ergebnis ist fast gleich, es hängt jetzt von der Höhe der Arztrechnungen ab, ob es sinnvoll ist, diese einzureichen. Bei Rechnungen in Höhe von 800 EUR lohnt es sich, diese nicht einzureichen, bei 1.000 EUR sollte auf die Beitragsrückerstattung verzichtet werden.

Bei all diesen Berechnungen ist aber zu beachten, dass wir unterstellt haben, dass im betrachteten Versicherungsjahr überhaupt Arztrechnungen angefallen sind. Sind Sie kerngesund und fallen somit keine Arztrechnungen an, so ist eine Selbstbeteiligung immer günstiger. Auch hier ist allerdings wieder eine Einschränkungen vorzunehmen: Auch bei vollkommener  Gesundheit können Arztrechnungen anfallen, nämlich durch Vorsorgeuntersuchungen. (Wobei es wiederum Versicherungs-gesellschaften gibt, die Rechnungen für Vorsorgeuntersuchungen nicht auf die Selbstbeteiligung anrechnen.)

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Anmerkungen

(1)  Abweichend vom nachfolgend Dargestellten gilt es aber noch zu beachten, dass eine sehr hohe Selbstbeteiligung, die zu sehr geringen Krankenversicherungsbeiträgen führt, Ihnen Raum für steuerliche Abzugsmöglichkeiten ansonsten begrenzter Vorsorgeaufwendungen gibt, wozu zum Beispiel Lebensversicherungsbeiträge gehören.  Allerdings gibt es hier eine wiederum eine andere Möglichkeit Steuern zu sparen, indem Sie jahrweise zwischen monatlicher und jährlicher Zahlweise der Krankenversicherungsbeiträge wechseln.

(2) Grundsätzlich sind Arztkosten, die sie selbst tragen auch steuerlich abzugsfähig. Dies erfolgt im Rahmen außergewöhnlicher Belastungen.  Praktisch besteht aber wieder eine Einschränkung, weil je nach Höhe des Einkommens zunächst Ihnen zumutbare Belastungen verbleiben, die nicht steuerlich abzugsfähig sind.

Disclaimer

Wir machen keine Steuerberatung, dafür ist ihr Steuerberater zuständig. Aber selbstverständlich können wir mit Ihnen erarbeiten, welche Kranken-versicherungsgestaltung für Sie optimal ist. Dies gilt auch für Verträge, die Sie nicht über uns abgeschlossen haben.  Eine solche Kundendienstleistung können Sie unter anderem  im Rahmen unseres Angebotes meinefinanzen2.0 erhalten.

2 Gedanken zu “Private Krankenversicherung: Richtige Gestaltung der Selbstbeteiligung für Selbsständige

  1. Vielen Dank für die Info, werde probieren die Informationen in meinen persönlichen Ratgeber für Kunden Online wie Offline zukünftig einzubinden.

    Frage: Ist es möglich die SB zu ändern? Die persönliche Risikoeinschätzung könnte sich ja über die Jahre ändern

    1. Lieber Karsten, sehr geehrter Herr Kollege,
      danke für die positive Ressonanz. Ja, eine Selbstbeteiligung kann man in der Regel grundsätzlich ändern. Allerdings hat eine Reduktion der Selbstbeteiligung eine „neue Gesundheitsprüfung“ zu Folge. Der/die VersicherungsnehmerIn sollte sich also vorab sehr genau die Wahl überlegen.
      Ihr Wolfgang Gierls
      P.S. Natürlich macht man mit den Nameslink immer auch Werbung für sich selbst. Weil ich Kommentare soweit möglich aus grundsätzlichen Überlegungen nicht sperren möchte, akzeptiere ich das auch. Und Wettbewerb belebt ja auch das Geschäft. Aber wird sich in diesem Fall der potentielle Kunde nicht fragen müssen, welcher Anbieter umfassender Information gibt? Tip: Stellen Sie doch solche Fachfragen direkt per Mail.

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