Banken: Too big to fail? Mehr Eigenkapital allein ist nicht die Lösung


Soll die Sicherheit der Bankeinlagen in Zukunft gewährleistet sein, darf sich die Diskussion nicht auf die Höhe des Eigenkapitals der Banken beschränken. Vielmehr stellt auch die  gegenseitige Abhängigkeit der Banken untereinander ein Risiko dar. Dieser hohe Abhängigkeitsgrad ist untypisch, wenn man Banken mit anderen Unternehmen vergleicht. Bei einem solchen Vergleich zeigt sich auch eine bisher wenig beachtete Ineffizienz im Bankensektor, die wiederum erschwerend in Hinblick auf die notwendige Eigenkapitalerhöhung wirkt.

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„Too big to fail“!  Mit diesem Argument -zu groß, um zu scheitern- werden Milliardenbeiträge zur Rettung von Banken „legitimiert“. Natürlich will der Staat nicht immer in die Haftung genommen werden, und daher gibt es diverse Bestrebungen Banken für die Zukunft sicherer zu machen. Ein wesentlicher Punkt dabei ist die angestrebte Erhöhung des Eigenkapitals. Aber macht eine höhere Eigenkapitalquote Banken tatsächlich sicherer – oder wird hier zu kurz gedacht?

Es gibt generell zwei Gründe, die zu einer Insolvenz führen, und diese Gründe gelten natürlich auch für Banken. Dies sind Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung. Die größte Furcht ruft dabei die Zahlungsunfähigkeit hervor, die dazu führt, dass der Sparer sein Geld nicht mehr vom Konto abheben kann (Banken-Run). Die Überschuldung einer Bank selbst merkt der Sparer nicht so schnell.

Um das Thema „Überschuldung“ zu verstehen, muss man sich kurz mit dem Aufbau einer Bilanz beschäftigen. (Bilanzen sind immer interessant, also nicht vom Weiterlesen abschrecken lassen, es wird tatsächlich noch interessant.) Die Bilanz stellt alle Vermögenswerte den Verbindlichkeiten/Schulden gegenüber. Sind nun die Vermögenswerte höher als die Schulden, so entsteht ein Gewinn. Sind diese geringer, so entsteht ein Verlust. Der Verlust muss nicht zur Insolvenz führen, wenn genügend Eigenkapital vorhanden ist, um diesen auszugleichen. Dann verringert sich „nur“ das Eigenkapital und die Eigentümer der Bank verlieren Geld.  Man kann die beiden Seiten der Bilanz aber auch anders interpretieren. Sie stellen nämlich dar, woher das Kapital stammt, welches nötig ist, um damit den Geschäftsbetrieb zu finanzieren und wie es verwendet wird (Mittelherkunft und Mittelverwendung).

BBVereinfacht kann auch gesagt werden, dass das Kapital auf der Aktivseite arbeitet, um auf der Passivseite einen Gewinn zu generieren. Arbeitet das Kapital auf der Aktivseite „schlecht“ so kann aber auch ein Verlust entstehen.

Auf der Aktivseite eines typischen Unternehmens (Nichtbanken) finden sich Positionen wie Anlagevermögen (zum Beispiel Maschinen, aber auch Vorräte an Rohstoffen, die zur Herstellung von Gütern gebraucht werden). Hier finden sich aber auch unterschiedlichste Forderungen, z.B. aus Lieferungen und Leistungen. Bei den Banken sieht es etwas anders aus: Etwas vereinfacht gesagt benötigen Banken keine Maschinen um Güter herzustellen, denn sie „arbeiten nur mit Geld“. Genauer: sie arbeiten mit Geldanlagen. Ein Kredit, den der Häuslebauer von seiner Bank erhalten hat, ist aus Sicht der Bank eine Geldanlage. Soweit so gut. Allerdings gibt es auf den Aktivseiten der Bankbilanzen eine Besonderheit, die in diesem Ausmaß bei anderen Unternehmen wohl kaum zu finden ist. Sie vergeben auch an andere Banken Kredite. Und dies in einem nicht unbeträchtlichen Ausmaß.

BB1Hier unterscheiden sich Banken deutlich von anderen typischen Unternehmen. Oder können Sie sich vorstellen, dass VW seiner Konkurrenz einen Kredit in Höhe von 28% (1) seines ihm zur Verfügung stehenden Geldes als Kredit vergibt?  Wenn VW dies tun würde, müsste der Konzern zukünftig sehr bedacht agieren, um seinen Konkurrenten das Leben nicht zu erschweren. Denn wenn der Mitbewerber aufgrund der erfolgreicheren  VW-Strategie zur Gewinnung von Marktanteilen Verluste macht und dann noch in Insolvenz geht, müsste VW seine Forderungen abschreiben und würde in diesem Fall selbst in Konkurs gehen (Wenn wir die Zahlen von 2010 zugrunde legen, denn da betrug das Eigenkapital von VW 23% der Bilanzsumme, also weniger als das fiktiv an den Konkurrenten verliehenen Geldes).

Nun hinkt dieses Beispiel ein wenig, denn die Kreditvergabe des Bankensektors insgesamt verteilt sich ja auf verschiedene Banken. Fällt eine kleinere Bank aus, so muss dies nicht gleich eine große Bank in den Abgrund reißen.

Allerdings sind Banken wesentlich empfindlicher gegen Kreditausfälle als andere Unternehmen, denn ihr Eigenkapitalpolster ist kleiner und es ist nicht einfach zusätzliche Vorsorge zu bilden. Gegen Kreditausfälle kann man versorgen durch Erhöhung des Eigenkapitals oder durch nicht ausgeschüttete Gewinne. Macht ein Unternehmen mit dem ihm zur Verfügung gestellten Eigenkapital gute Gewinne, so muss es nicht alle Gewinne ausschütten sondern kann Reserven bilden.

Um schnell hohe Gewinne zu machen, sollte das vorhandene und für die „Produktion“ zur Verfügung stehende Kapital (dies findet sich auf der Passivseite der Bilanz)  möglichst effizient eingesetzt werden. Vernachlässigt man einmal, dass auf der Passivseite auch der Gewinn bzw. Verlust erfasst wird, entspricht dieses Kapital der Bilanzsumme.

Wie viel Kapital/Bilanzsumme benötigen nun aber typische Unternehmen und Banken, um damit welche Gewinne zu erzielen? Erschreckend viel! So hat die Deutsche Bank in 2010 fast das 10-fache Kapital (Bilanzsumme, nicht Eigenkapital) im Vergleich zu VW benötigt, um einen Gewinn zu erzielen, der dennoch gerade ein Drittel des VW Gewinns betrug.

BB§Verglichen mit „normalen“ Unternehmen sind Banken also  ineffizient. Dies mag zwar strukturelle oder branchenbezogene Gründe haben. Aber es muss dann an dieser Stelle nun doch die Frage gestellt werden, ob nur die Forderungen nach höherem Eigenkapital zu mehr Sicherheit führt.

Zunächst aber muss gefragt werden, wer überhaupt das zusätzliche Eigenkapital in die Banken investieren soll? Lukrativ wäre dies selbst bei unserem größten Institut der Deutschen Bank in 2010 nicht gewesen. Jedenfalls dann nicht, wenn man nur den absoluten Gewinn betrachtet (nicht irgendwelche Börsenbewertungen).

bb5Nehmen wir weiter an, dass es in der Bankenbranche tatsächlich durch deren typischen Besonderheiten nur mit einer hohen Bilanzsumme möglich ist, absolut gesehen einigermaßen große Gewinne zu erzielen, wer wird dann den Banken dafür die Kredite geben (2)?  Und dies noch unter der Berücksichtigung, dass die Banken dieses Kapital dann wieder bei anderen Banken investieren (also Konkurrenten Kredite gewähren), die den gleichen Branchenrisiken unterliegen.

Eine kleine Randbemerkung hierzu: Ein guter Bankberater wird seinem Kunden raten zu diversifizieren und kein Klumpenrisiko zu bilden und nicht zu hoch in ineffiziente Branchen zu investieren. Trägt der Schuster hier die schlechtesten Schuhe?

  • Sollten unter diesen Aspekten nicht auch Regulierungsmaßnahmen hinsichtlich der Kreditvergabe der Banken untereinander überlegt werden, statt primär auf die Höhe des Eigenkapitals abzustellen?
  • Man könnte natürlich auch eine weitere Frage stellen: Wie macht man Banken effizienter und damit sicherer?

Allein ein höheres Eigenkapital mag zwar beruhigend sein, scheint aber eher eine oberflächliche Überlegung. Und sollte es zu den vorgenannten Fragen keine Lösungen geben, scheint ein konsequentes Trennbankensystem zumindest ein erster Schritt in Richtung mehr Sicherheit.

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Anmerkungen:

  1. Als Besonderheit muss hierbei vermerkt werden, dass ein Großteil der Kredite Buchkredite sind. Buchkredite umfassen neben der Form klassischer Darlehen auch Kontokorrentlinien. Kontokorrentlinien zwischen Banken sind sinnvoll, um immer die Zahlungsfähigkeit sicher zu stellen.
  2. Man könnte jetzt ironisch sagen: Eine Gruppe von Kreditgebern wird wohl nie verschwinden- die „Festgeldsparer“. Spaß beiseite: Es sollte tatsächlich alles getan werden, dass diese Gruppe von Kreditgebern nicht verschwindet. Denn Festgeldanlagen sind prinzipiell sowohl für Sparer als auch die Banken sinnvoll. Dazu wird aber auf Dauer erforderlich sein, dass Bankensystem tatsächlich und durchdacht sicherer zu machen.

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