Unternehmen sollen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, aber keine Wahlempfehlung geben


Eindeutig sind wir, FORAIM, dafür, dass Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen sollen. Eigentlich ist dies eine Selbstverständlichkeit auch aus rein ökonomischer Sicht des Unternehmens, denn ein Unternehmen kann auf Dauer nicht erfolgreich sein und damit nicht wirtschaftlich überleben, wenn es sich nicht entsprechend den Bedürfnissen der Kunden verhält. Aber bedeutet „gesellschaftliche Verantwortung übernehmen“ auch, dass Wahlempfehlungen gegeben werden dürfen?

wahl

Die Barmenia Krankenversicherung tat dies in Ihrem Kundenschreiben vom 13.9.2013 recht eindeutig (1). Sie warnt in Hinblick auf die Bundestagswahl vor der Bürgerversicherung (Einheitskrankenversicherung) und nennt namentlich die Parteien, die eine Bürgerversicherung einführen wollen. Ihr Brief schliesst mit dem Satz:

„Wir setzen uns für den Erhalt unseres bewährten Gesundheitssystems ein. Bitte unterstützen Sie uns dabei.“

Die Bitte um Unterstützung – bestimmte Parteien nicht zu wählen – ist indirekt natürlich eine Wahlempfehlung, auch wenn eine Sprecherin der Barmenia mitteilte, dass man „keine Wahlempfehlung“ geben wollte, sondern lediglich einen „gedanklichen Anstoß“ (2). Besonders zu bedenken sei, dass eine Bürgerversicherung zum Verlust vieler Arbeitsplätze führen würde.

Schwache Argumente in unseren Augen. Wenn die Gesellschaft einen Wandel will, besteht immer die Gefahr, dass Arbeitsplätze verloren gehen können. Dem muss aber das Unternehmen und deren Mitarbeiter nicht hilflos zusehen. Vielmehr muss ein gutes Management Szenarien entwickeln, wie das Unternehmen unter geänderten Rahmenbedingungen weiter bestehen kann. Hierauf hätte die Barmenia ihre Energien konzentrieren sollen, statt ihre Kunden zu bitten, doch für deren Überleben zu stimmen.

Nachtrag: Auch wir als Finanzdienstleister sind vielfältig vom Wandel betroffen, zum Teil hervorgerufen durch die Finanzkrise. Wir rufen aber unsere Kunden nicht auf, Parteien zu wählen, die sicherstellen, dass das „alte System“ erhalten bleibt und bitten unsere Kunden nicht, die Parteien zu wählen, die uns auch für die Zukunft möglichst hohe Provisionen sichern. Unser Wahlaufruf lautet: Bitte gehen Sie wählen und wählen Sie die Partei, die Ihren persönlichen Verstellungen entspricht.

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(1) Hier der Kundenbrief der Barmenia

(2) Entnommen aus procontra-online

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