Hilft die Orientierung an Risikoklassen bei der Investmentfondsauswahl? Beispiel: Defensive Anlagestrategie


Es ist verständlich, dass Sparer  auch bei Geldanlagen eine einfache Orientierungshilfe suchen. Schließlich kennt man dies auch aus anderen Produktbereichen (Benotung durch Stiftung Warentest oder die in der Vergangenheit  viel diskutierte Ampellösung bei Lebensmitteln). Jedes Produkt, und auch eine Geldanlage ist ein Produkt im weiteren Sinne, soll funktionieren und einfach verständlich sein. Viele Anleger möchten schnell erfassen, welche Risiken eine Kapitalanlage beinhaltet. Eine einfache Orientierungshilfe scheint die Risikoklasse oder Risikokennziffer zu bieten. Ob der  Aspekt der einfachen Verständlichkeit durch  eine Risikokennziffer erfüllt werden kann, möchten wir hier an einem Beispiel  aus der Realität aufzeigen.

Vorweg:  Die Risikoklasse oder Risikokennziffer kann die Erwartungen der Kapitalanleger in vielen Fällen, in denen  es um Risikominimierung geht nur unzureichend befriedigen.  Hieraus resultiert auch gesetzliche Verpflichtung für Anbieter von Geldanlagen zusätzlich  in Form von Produktinformationsblättern, genauer wesentliche Anliegen Information (KID) für Kapitalanlagen, zu informieren.

Diese Produktinformationsblätter nennen dem  Anleger jeweils eine Risikoklassifizierung des einzelnen Investmentfonds in Form einer SRRI Risikokennziffern (1). Die Spannbreite zwischen risikoarmen und risikoreichen Anlagen liegt zwischen 1-7.  Für die Produktinformationsblätter ist diese Risikoklassifizierung zwingend vorgeschrieben.

Neben dieser SRRI-Risikoklassifizierung existiert aber noch eine einfache verständlichere Risiko-Kennziffern mit einer Spanne von 1-5. Dieses Kennziffernsystem liegt vielen standardisierten Beratungen zu Grunde. Vereinfacht gesagt  basiert diese Risikokennziffer auf dem, was man so üblicherweise zur Sicherheit kennt. Hier einige Beispiele zur Risikoklassifizierung:

RK

Wegen des hohen Verbreitungsgrades und weil wir einen Blick in die Vergangenheit werfen möchten (in der diese Risikokennziffern häufiger verwandt wurden) betrachten wir an  dieser Stelle einmal den Anlageerfolg relativ risikoarmer Investmentfonds. Ein sehr risikoscheuer Anleger würde vermutlich nicht über die Risikoklasse 2 hinausgehen, und wenn er zusätzlich das Risiko streuen möchte, könnte er dies theoretisch mit einem defensiv anliegenden Dachfonds  erreichen. Denn der Dachfondsmanager kann ja zur weiteren Risikominmierung zusätzlich diversifizieren, und er kann entsprechend der aktuellen Markteinschätzung sehr schnell handeln. Eigentlich eine ideale Vorgehensweise(2):

  • Beschränkung auf als risikoarm bekannte Investmentfonds
  • Hohe Diversifikationsmöglichkeit
  • Schnelle Reaktionsfähigkeit

Und alles einfach und verständlich in einer Zahl zusammengefasst. Auf was mehr sollte der Anleger vertrauen?

Nun zu dem Ergebnis unserer kurzen Untersuchung:  Sie basiert auf Daten einer Bankplattform und einem professionellen  Auswertungsprogramm für Investmentfonds.  Bankplattformen  oder Investmentfondsplattform sind typische Arbeitsmittel von Investmentfondsberatern. Es sind zwar nicht die einzigen, aber sicher sehr häufig genutzte „Werkzeuge“. Damit bleiben wir bei unser ex-post-Betrachtung  nahe der Realität. Auf einer solche Plattform haben wir  defensiven Dachfonds mit der Risikoklasse 2 selektiert.

Das Ergebnis war eine Auswahl von 34 Investmentfonds, wobei einige nur in Österreich verfügbar waren und andere durch spezielle Anteilsklassen (zum Beispiel durch die Unterscheidung zwischen ausschüttenden und thesaurierenden Investmentfonds) doppelt gezählt wurden. Nach Bereinigung dieser Fonds verblieben 18 Investmentfonds. Meist aufgrund stark reduzierter Fondsvolumina existiert ein größerer Teil dieser Investmentfonds nicht mehr.

Interessant ist das Ergebnis natürlich für das Jahr 2008 in dessen Jahresverlauf der DAX rund 40 % Verluste realisierte.  Für dieses Jahr verbleiben 7 Fonds ( Dies ist die Anzahl der Fonds aus diesem Sektor, die Anfang 2008 existierten und Anfang 2013 auch noch existierte. Es gibt also sehr viel Bewegung im Markt). Das Ergebnis stellte sich wie folgt dar:

RK F

Bestenfalls zwei Fonds kann man also attestierten,deren Ziel einigermaßen gut erreicht zu haben. Aber: Es geht hier nicht um die Kritik an den Ergebnissen der Investmentfonds (Darüber wäre natürlich auch zu diskutieren, sicher ein anderes Mal). Die Kritik richtet sich an der den jeweiligen Fonds zugeordneten Risikoklasse. Denn diese kann den Anleger dazu verleiten, zu glauben, er habe die für ihn passende Anlageform gefunden. Tatsächlich hat der Anleger, der ausschließlich anhand einer solchen Ziffer seine Entscheidung trifft,  nur an in einer Ziffer zusammengefassten „Erfahrung und Kenntnis“ aus vergangenen Zeiten geglaubt. Vergangenheit ist aber ein schlechter Ratgeber für Geldanlagestrategien. Dieser Markt unterliegt permanentem Wandel, warum sollten dann vergangene Erkenntnisse für die Zukunft gelten?

Die neue SRRI Risikokennziffer (1-7) ist zwar wissenschaftlich stringenter, weil sie sich an harten Zahlen (und nicht allgemeinen Kenntnissen) der Vergangenheit orientiert, basiert aber eben auch auf vergangenen Werten.

So bleibt an dieser Stelle zunächst nur die Erkenntnis, dass es anders als bei vielen Produkten kaum möglich ist, dass Risiko von Geldanlagen anhand einer Ziffer einzuschätzen. Beide hier genannten Risikokennziffern schaffen es zwar recht ordentlich, hohe Risiken darzustellen (5 oder 7 bedeutet unstrittig hohes Risiko), aber sie schaffen es nicht mit hoher Wahrscheinlichkeit eine verlässliche Orientierung für risikoarme Geldanlagen zu bieten

Wir sind zwar der Meinung, dass Geldanlagestrategien relativ risikolos gestaltet werden können (mit Ausnahme für den Fall des Zusammenbruchs unseres Finanzsystems), dazu ist aber von beiden Seiten – Anlegern und Beratern – weit mehr gefordert als einer Ziffer zu glauben.

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Anmerkungen:

((1) SRRI: Ist die Abkürzung für Synthetic  Risk Return Indicator.  Damit sollen das Risiko einer Geldanlage anhand historischer Volatilitäten dargestellt werden. Volatilitäten wiederum sind ein Maß für die Schwankungen z.B. des Kurs eines Investmentfonds von einem vergangenen Mittelwert.  Eine noch relativ einfach verständliche aber trotzdem ausführlichere Darstellung findet man zum Beispiel hier: http://www.finanz-seiten.com/finanz-lexikon/95-volatilitaet

(2)  Den Kostenaspekt von Investmentdachfonds vernachlässigen wir an dieser Stelle.

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