53% Liquidität: Versagen im Privatbanking mit Folgen für Anleger und Gesellschaft?


McKinsey berichtet in einer Pressemitteilung zum Private Banking: „Gutes Jahr für Vermögende, schwieriges Jahr für viele Banken“. Tatsächlich war danach das vergangene Jahr für die Vermögenden ein erfolgreiches Jahr, stiegen doch die verwalteten Vermögen der Privatbanking-Kunden um 7% aufgrund von Kursgewinnen. Schauen wir aber einmal nach vorne: Zuletzt enthielten die aktuell verwalteten Vermögen 53% liquiditätsnahe Vermögenswerte, wie Zinspapiere, Tages- und Termingeldkonten.

o Prozent 2Nun sind Liquiditätspositionen grundsätzlich von Bedeutung, aber ein guter Berater  erörtert die Beweggründe für das Halten von Cash mit den Kunden und hilft bei der Ermittlung der sinnvollen Höhe der Liquiditätsquote.

Es gibt unterschiedliche Motive für das Halten von Cash:

  1. Liquidität wird für laufende Ausgaben benötigt
  2. Liquidität wird absehbar für größere private Ausgaben oder Investitionen benötigt
  3. Liquidität wird bevorzugt, weil bei allen anderen Assetklassen Verluste befürchtet werden
  4. Liquidität wird vorgehalten, weil günstige Einstiegspunkte in andere Assetklassen erwartet werden (Timing)

zu 1: Gerade bei größeren Vermögen ist es nicht denkbar, dass 53% des Vermögens für laufende Ausgaben benötigt werden. Unwahrscheinlicher Grund!

zu 2: Auch hier ist diese Quote bei größeren Vermögen unwahrscheinlich. Zudem sollte bei Investitionen auch die Möglichkeit einer zinsgünstigen Fremdfinanzierung erwogen werden.

zu 3: Wäre es so, so wäre bei den Vermögensverwaltern eine gewisse Hilfslosigkeit zu vermuten. Und/oder die Konzentration auf die „typischen“ Assetklassen Aktien und Renten führt dazu, dass „alternative“ Assets vernachlässigt werden. Zudem ist hier zu fragen, welche Crash-Szenarien befürchtet werden. Sicherlich ist ganz aktuell bei uns kein Bankenchrash zu befürchten. Als „schwarzen Schwan“ sollte man dieses Szenario aber auch nicht bezeichnen (Zypern). In einem solchen Fall könnten sich die sicheren Positionen als unsicher darstellen.

zu 4: Allgemein wird angenommen, optimales Timing sei kaum möglich. Zudem müssten dann bei den Vermögensverwaltern Vorstellungen über günstige Einstiegszeitpunkte für andere Assets bestehen. Diese sollten idealerweise zeitlich und inhaltlich quantifizierbar sein. „Man meint wahrscheinliche Zukunftszenarien zu kennen.“ Dann wäre es aber in einigen Fällen sicher möglich, schon heute zu investieren. Meint man dies nicht, könnte die unter Punkt 3 genannte Gefahr auftreten.

Natürlich ist es Aufgabe der Privatbanker Verluste zu vermeiden. Aber warum wird hier in der Regel eine Kalenderjahresperformance des Gesamtdepots als Maßstab genommen? Würde die Performance  für den Anlagehorizont gemessen, bis zu dem das Geld benötigt wird, könnte möglicherweise in vielen Fällen die Investitionsquote höher ausfallen.

Was wären die Vorteile?

  • Der Investor hätte die Chance, langfristig eine höhere Rendite erreichen.
  • Die Erträge im Privatbanking könnten höher ausfallen.
  • Das Wirtschaftswachstum könnte steigen (Tagesgeld allein führt zu keinem höheren Wirtschaftswachstum, es sei denn die Banken würden dieses Geld als Kredite für die Realwirtschaft zur Verfügung stellen. Dies würde aber wieder aus Sicht der Banken die Gefahren aufgrund einer nichtfristenkongruenten Finanzierung erhöhen)

Vielleicht sollte man aber auch einen – noch nicht diskutierten – möglichen politischen Aspekt mit in Betracht ziehen. Was könnte geschehen, wenn erkannt wird, das große Vermögen unproduktiv lagern? Würden dies nicht die Begehrlichkeiten einiger Fiskalpolitiker erhöhen.

So richtig lässt die Strategie des Cash-Halten in diesem Umfang keine Vorteile erkennen.

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