Magisches Dreieck: Vergangener Zauber von Tagesgeld und offenen Immobilienfonds


Mit Anlagen, die allen Kriterien des magischen Dreiecks erfüllen sollen, ist es wie mit der Magie.

ZaubereiMagie funkioniert, wenn wir daran glauben, wenn wir uns auf das Zauberstück fixieren, wenn wir uns ablenken lassen, und wenn das Kunststück unseren Erwartungen entspricht. Ganz besonders wichtig ist aber: das System muss geschlossen ist. Dies möchten wir hier zeigen an einem Beispiel aus nicht so ferner Vergangenheit und einer immer noch (?) aktuellen Anlageform.

Die drei Elemente des magischen Dreiecks sind: Liquidität (das angelegte Geld ist jederzeit verfügbar), Rendite (die Anlage bringt möglichst jederzeit eine positive Rendite) und Sicherheit (das angelegte Geld ist vor Verlust geschützt). Idealerweise sollte eine Anlage all diese Voraussetzungen erfüllen, aber das wäre Zauberei. Dennoch, zuweilen wird geglaubt, dieser Zauber würde sich in der Realität – zumindest – teilweise erfüllen lassen.

Das Beispiel aus nicht so ferner Vergangenheit: Offene Immobilienfonds

Wie die nachstehende Graphik zeigt, gab es in der Vergangenheit offene Immmobilienfonds wie den CS Euroreal, der auf Monatsbasis über lange Zeit eine fast gleichmässige positive Rendite hatte.

CSBis zur ersten Schliessung im Oktober 2008 konnte der Anleger jederzeit über sein Geld verfügen. Diese Anlageform galt häufig als Inbegriff einer sicheren Anlage.

Offene Immobilienfonds erfüllten die Anforderungen, die auch Magie erfüllen muss:

  • Es wurde sich auf die gleichmäßige Rendite der Vergangenheit fixiert und auf den allgemeinen Konsens, die Anlage sei sicher.
  • Die Illusion wurde zusätzlich genährt, weil in Immobilien investiert wird. Mit Immobilien wird fast immer ungefragt Sicherheit assoziiert. Seltsam, Menschen scheinen nur die Immobilien zu kennen, die immer im Preis steigen. Und damit sich die Menschen ihre illusionen nicht zerstören, wählen sie  immer einen Betrachtungszeitraum, in dem eine positive Rendite erreicht wurde.
  • Das System war auch geschlossen. Dadurch, dass keine Marktbewertung erfolgte (die Immobilen wurden durch Gutachter bewertet), gab es keine Störungen durch die Realität (In der Realität schwanken Immobilien natürlich im Wert).

Offene Immobilienfonds als Kapitalanlage waren also ein Zauberstück. Es wurden nur die  Beurteilungskriterien gesehen, die den Vorstellungen entsprachen. Die Ablenkung war perfekt. Dabei wäre es einfaches gewesen, diese Fonds zu entlarven. Man hätte sich beispielweise nur die Liquiditätsquote in den Fonds anschauen müssen. Andererseits muss man zugeben, dass dieses Zauberstück sehr gut funktionierte.

Gibt es eine Renaissance? Wohl kaum, denn die Änderungen der Verfügbarkeit durch das AIFM-Umsetzungsgesetz mit einer Mindesthaltefrist von 2 Jahren für Neuanlagen wird sicherlich viele Anleger von einem Investment abhalten. Diese Änderung kommt allerdings als generelle Regelung erst mit Inkrafttreten des Gesetzes am 22.Juli 2013 zum Tragen.

Wer aber nicht an Zauberei glaubt, sondern diese Anlageklasse ganz nüchtern betrachtet, kann noch abwägen, ob er nicht doch noch vor dem Stichtag Anlagen im Bereich der offenen Immobilienfonds tätigen möchte. Dazu ist aber eine sehr genaue Analyse des Marktes notwendig und es sind die Risiken und Chancen gegeneinander abzuwägen.

Eine immer noch aktuelle (?) Anlageform: Tagesgeld

Die Rendite ist zwar inzwischen extrem gering, aber relativ gleichmässig und die Anlage gilt als sicher. Wir lassen uns auch hier ablenken:

Sicherheit: Man weiß, es gibt Sicherungseinrichtungen, die das Sparguthaben absichern. Aber auch hier kommt wieder die Ablenkung zum Tragen. Wenn es alle – auch die Banken – sagen, es sei sicher, warum sollte man das überprüfen? Allerdings der Zauber verflüchtigt sich (bzw. sollte sich eigentlich verflüchtigen), wenn man in die Satzungen der Sicherungseinrichtungen schaut. Siehe da, es besteht keinen Rechtsanspruch.

Besonders gern lassen wir uns in „angespannter“ Stimmung verzaubern.

So im Herbst 2008, als die Kanzlerin und der Finanzminister Peer Steinbrück vor die Fernsehkameras traten. Um den Zauber komplett zu machen, sprach die Kanzlerin eine Staatsgarantie aus! Und es wurde geglaubt. Das war Zauber – Fixierung bei Ausblenden der Realitäten – pur. Denn wir alle glaubten daran, und vergassen, wie unsere Demokratie funktioniert (der Bundestag wäre notwendg gewesen, es hätte eines Gesetzes zur Staatsgarantie bedurft.)

Der Zauber war sogar so perfekt, dass wir alle unsere tief verinnerlichte Ansichten über Politikerversprechen vergaßen (wer glaubt schon an Wahlversprechen?). Wir könnten allerdings wieder vernünftig werden, wenn wir die im September 2009 von Peer Steinbrück getroffene Aussage zur Staatsgarantie für die Zukunft in Erinnerung behalten würden.

In einem Spiegel Interview antwortete er auf die Frage, was geschehen wäre, wenn die Staatsgarantie fällig geworden wäre?

Gezahlt natürlich … (aber) wohlweislich offen gelassen, was unter dem Begriff Spareinlagen genau zu verstehen ist.“

Aber dann müssten wir uns ja mit der Realität auseinandersetzen.

Ernsthaft sollten wir bei Festgeldanlagen daran denken, dass auch diese Magie sein könnten. Man kann sich einer Magie sehr wohl hingeben. Nur ist die Frage, ob die Vorstellung einmal enden könnte. Jeder von uns muss selbst entscheiden, wie lange er im Theater bleiben möchte. In Zypern ist schon einmal der Vorhang gefallen.

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