Seriöse und unseriöse Anbieter von geschlossenen Fonds


Wünschenswert wäre es schon zu wissen, welche Angebote von seriösen Emissionshäuser stammen. Denn trotz aller Kritik gibt es durchaus wirtschaftlich sinnvolle Gründe für diese Art der Geldanlage (1). Das Analysehaus FondsMedia will jetzt mit dem Transparenz & Performance Report Edition 2013 Anlegern und Beratern eine Orientierunghilfe zu geben (2). Dazu sind die Top Ten der Emissionshäuser des Jahres 2012 untersucht worden. Die schlechte Nachricht gleich vorweg: 26% des im vergangenen Jahr platzierten Eigenkapitals ordnet FondsMedia Anbietern zu, die hinsichtlich Transparenz und Performance negativ abschneiden. Die gute Nachricht: immerhin 74% des bei den Top-Anbietern angelegtem Kapital sind laut der Untersuchung bei positiv beurteilten Initiatoren angelegt. Wie es aber bei Studien so ist, ist auch für diese zu fragen, ob denn tatsächlichTransparenz geschaffen wird.  Die FondsMedia Studie kommt zu folgendem Ergebnis:

GFO FondsMedia Top Ten

Um als Anleger und auch als Berater das Ergebnis der Studie richtig einzuordnen, muss aber beachtet werden:

Im Jahr 2012 gab es 174 Anbieter, die mindestens 5 Mio Euro Eigenkapital eingeworben hatten (3). Diese Anbieter haben zusammen 3,14 Milliarden Eigenkapital von privaten Anlegern erhalten (zzgl. 1,36 Milliarden Eigenkapital von institutionellen Investoren). Die untersuchten Top Ten haben es in der Summe auf insgesamt 1,414 Milliarden Eigenkapital gebracht. Somit werden in der FondsMedia Studie immerhin 45% des Gesamtmarktes analysiert. Der Anteil des von Initiatoren mit negativer Beurteilung vermittelten Eigenkapitals am Gesamtmarkt sinkt aber damit auf 12%. Dennoch: wenn mehr als jeder zehnte Euro, der in Beteiligungen investiert wird, bei einem Initiator landet, der negativ beurteilt wird, ist das natürlich immer noch zu hoch. Zudem ist zu fragen, wieviele der nicht untersuchten Anbieter als seriös und transparent einzustufen sind?

An dieser Stelle zeigt sich, dass das gewählte Basisjahr möglicherweise zu einem besonders schlechten Ruf der Branche führt. Es gibt durchaus Gründe, die diesen ersten Eindruck relativieren können. 2012 war in Hinblick auf das platzierte Eigenkapital das schlechteste Jahr seit 2005.

Umsatz GFO

Viele große Anbieter, die den Markt vor 2008 dominierten, erscheinen in 2012 nicht mehr unter den zehn größten Anbietern. Dies bedeutet nun nicht, dass sie vom Markt verschwunden sind. Und es bedeutet ebenfalls nicht, dass diese Gesellschaften intransparent sind oder in der Vergangenheit keine gute Performance lieferten. Nur erscheinen sie nicht unter den Gesellschaften, die in den letzten Jahren große Absatzvolumen zu verzeichnen hatten. Für diese ehemals großen Anbieter ging es nicht mehr primär darum, hohe Umsatzvolumen zu erzielen, sondern zunächst mussten diese Unternehmen Maßnahmen ergreifen, um ihr eigenes Überleben zu sichern. Dies hat übrigens nichts mit den bis dato von Ihnen konzipierten Fonds zu tun, denn diese sind (in der Regel) von den Initiatoren unabhängige Gesellschaften.

Zwischenzeitlich haben sich einige der ehemals größten Anbieter erfolgreich restrukturiert. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die Aussage in Zukunft darstellen wird, dass mehr als jeder zehnte Euro bei schlecht beurteilten Initiatoren landet, wenn zumindest ein Teil dieser Initiatoren wieder aktiv auf dem Markt tätig wird. Aber auch einige Newcomer haben nach einem zunächst erfolgversprechenden Start in Folge der Absatzkrise ihr Angebot eingeschränkt.

Der relativ hohe Anteil der negativ beurteilten Anbieter geschlossener Fonds erklärt sich also auch durch das reduzierte Angebot seriöser Anbieter. Dies ist u.a.eine Reaktion auf die gesunkene Nachfrage in Folge der anhaltenden Verunsicherung über die Entwicklung der Finanzmärkte.

Allerdings muss beachtet werden, dass der Markt für geschlossene Fonds kein reiner Käufermarkt ist. Zu vermuten ist, dass er in weiten Teilen auch ein Verkäufermarkt ist. Seriöse Verkäufer und Berater haben sich in der Vergangenheit der Situation angepasst. Somit war das durch sie vermittelte Volumen zwangsläufig kleiner. Es gibt aber auch Berater und Vermittler, die stark auf emotionale Beweggründe der potentiellen Kunden abstellen. Diese  Verkäufer finden naturgemäß gerade in „Krisenzeiten“ auch weniger rational entscheidende Kunden. Und auch so kann der relativ hohe Anteil der negativ beurteilten Anbieter erklärt werden. Ausdrücklich soll aber darauf hingewiesen werden, dass nicht jeder Berater/Vermittler, der Angebote der negativ beurteilten Anbieter verkauft hat, vorsätzlich gegen Interessen der Kunden gehandelt hat. Dieses Thema soll aber an dieser Stelle nicht weiter behandelt werden.

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Anmerkungen:

(1) Gründe für Anlagen in geschlossene Fonds können sein: Gezielte Investition in ein oder mehrere bekannte Anlageobjekte. Erträge sollen nicht den Börsenschwankungen unterliegen. Nutzung des Doppelbesteuerungsabkommen. Viele weitere Gründe sind möglich. Es darf aber bei einer Anlageentscheidung nicht übersehen werden, dass geschlossene Fonds schwer handelbar sind und sie ein Totalverlustrisiko beinhalten.

(2) Wir beziehen uns auf einen Artikel in procontra

(3) Zahlen stammen vom VGF (Verband geschlossener Fonds)

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