Aktienmärkte: Mit einigen Glaubensgrundsätzen aufräumen


Die deutlich gestiegenen Aktienkursen auf vielen Märkten lassen sich kaum mit positiven Konjunkturerwartungen begründen. Natürlich gibt es auch heute noch in der Welt Regionen mit positiven Wachstumsraten. Diese fallen aber oft kleiner aus als erwartet. Und trotz der eher schlechten Stimmung für die Realwirtschaft steigen Aktienkurse. Natürlich gibt es dafür Erklärungen. Meist handelt es sich aber um ex-post- Erklärungen und häufig sind die Argumentationen aus der Vergangenheit abgeleitet. Wir meinen aber, dass Erfahrungen und Erkenntnisse, die in der Vergangenheit gewonnen wurden, nur dann uneingeschränkt als Wegweiser für die Zukunft gelten sollten, wenn die Zukunft durch die gleichen Rahmenbedingungen gekennzeichnet ist, wie es die Vergangenheit war.

Aktien Verschiedene Nachrichten der vergangenen Wochen regen an, über alte „Weisheiten“ zu reflektieren:

  • Sind Aktien tatsächlich Sachwerte?
  • Bedeuten sinkende Zinsen, dass Aktienkurse steigen?
  • Folgen Aktienkursentwicklungen einem (unveränderlichen) Muster?
Repräsentieren Aktien Sachwerte?
Bekannt ist sicher die gern genutzte Aussage, dass hinter Aktien Sachwerte stehen. Aber welche Aussagekraft beinhaltet dies für die Anleger? Sind  die Unternehmen, an denen sich der Anleger mit Aktien beteiligt unvergänglich wie Gold? Sicher nicht, auch Unternehmen verschwinden immer einmal wieder vom Markt. Gemeint ist vielleicht, dass den Unternehmen materielle Werte wie Maschinen und Gebäuden gehören. Aber dies sind in vielen Fällen nicht die einzigen Vermögenswerte, es gibt auch immaterielle Werte, wie Lizenzen und mehr. Nun werden einige Anleger oder auch Berater argumentieren, dies sei nicht so eng zu sehen. Im Gegensatz zu dem ach so viel „gedruckten“ Papiergeld, stehen hinter Aktien doch irgendwie reale Werte (und würden so für bestimmte Szenarien Sicherheit bieten). Ein Irrtum, wie eine Meldung der FAZ (1)  vom Februar zeigt: 72% der Vermögenswerte der DAX Unternehmen sind liquide oder fast liquide, also sicher keine Sachwerte.
Treiben (nur) die niedrigen Zinsen die Aktienkurse?
Eine weitere ältere Weisheit lautet: Wenn die Zinsen festverzinslicher Wertpapiere sinken, würden Aktienkurse steigen. Bestätigt die Entwicklung der Aktienkurse in letzter Zeit nicht genau diese Aussage?  Wie heißt es doch so schön? Rentenpapiere werfen keine Rendite ab, es herrscht also Anlagenotstand. Somit wird wohl eine hohe Nachfrage nach Aktien herrschen, die die Kurse nach oben treibt. Achtung, wer so denkt, zieht womöglich voreilig falsche Schlussfolgerungen. Zum einen kann gar nicht jeder Investor auf Aktien ausweichen, weil die Anlagevorschriften dies nicht zulassen (z.B. Lebensversicherungsgesellschaften). Aktienkurse können aber auch bei relativ geringer Nachfrage steigen (also auch dann, wenn nicht „alle Welt“ in Aktien flüchtet). Einfach dann, wenn das Angebot sehr knapp ist.  Und dies scheint zumindest für den Schweizer Aktienmarkt der Fall zu sein, wie die Zeitung Finanz und Wirtschaft im Mai (2) berichtet. Nicht die niedrigen Zinsen (allein), sondern das knappe Angebot haben die Kurse getrieben.
Zudem muss bei der Niedrigzinsargumentation der Home-Bias (3) beachtet werden. Bei uns in Deutschland sind die Sparzinsen tatsächlich extrem niedrig und so könnte auch bei dem „Normalsparer“ der Risikoappetit steigen. Dann geht möglicherweise irgendwann der Run auf Aktien wieder los. Weil man aber gern das kauft, was man kennt (zu kennen glaubt), wird wahrscheinlich wieder primär in deutsche Aktien investiert. Weil dies typischerweise in einem Herdentrieb erfolgt, könne wohl nicht so schnell etwas schief gehen, könnte man meinen. Möglicherweise würde diese Argumentation auch zutreffen, wenn nicht 58% der DAX-Aktien in ausländischem Besitz wären (4). Und für ausländische Investoren ist das Niedrigzinsniveau deutscher Spareinlagen nur von eingeschränkter Bedeutung.
Gibt es unveränderliche Muster der Aktienmärkte?
Womit wir jetzt beim Thema der Marktteilnehmer sind. Die Kursentwicklung von Aktien wird in letzter Konsequenz immer von den Erwartungen der Marktteilnehmer bestimmt (das Thema Hochfrequenzhandel wird an dieser Stelle einmal vernachlässigt). Dies ist sicher ein Grund dafür, dass es Muster der Kursentwicklungen geben kann. An diese typischen Verläufe könnte sich der Investor also orientieren. Zum Beispiel könnte die buy and hold-Strategie hieraus abgeleitet werden. Aber was geschieht, wenn neue Marktteilnehmer auftreten? Es wäre nur Zufall, wenn die Muster weiterhin gelten würden. Wahrscheinlicher ist, dass zunächst sehr starke Kursschwankungen auftreten. Bullen und Bären werden also bildlich gesprochen tanzen. Sie meinen, dies könne nicht mehr geschehen, nachdem die Aktienmärkte inzwischen so globalisiert sind? Dann haben Sie möglicherweise die Zentralbanken übersehen, die zunehmend auf den Aktienmärkten als Akteure auftreten (5).
Es mag tatsächlich sinnvolle Gründe geben, die für in Zukunft steigende Aktenkurse sprechen. Wichtig ist es für den Anleger aber, sich umfassend mit den Einflussfaktoren für die Aktienkursentwicklung zu beschäftigen, damit er auch die „richtigen“ Einflussfaktoren beobachtet. Denn diese können zum Beispiel Signale zum rechtzeitigen Ausstieg geben. Man sollte aber noch besser Realist sein und erkennen, dass es wohl kaum möglich ist alle Einflussfaktoren kennen zu können.Prüfen Sie deshalb genau, wie hoch ihr persönliches Risikobudget sein darf.
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Anmerkungen:
(2) Finanz und Wirtschaft: Anleger trotz Börsenhausse vorsichtig
(3) Home Bias : Neigung der Anleger in der Region zu investieren, inder er zuhause ist.
(5) FONDS professionell: Notenbanken im Kaufrausch

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