Jeans, Pizza, Dosenbier und Investitionzuschuss Wagniskapital


Die Idee ist ja gut. Unser Wirtschaftsminister Philipp Rösler geht mit deutschen IT-Unternehmern auf PR-Tour ins Silicon Valley. Und wie ich gelesen habe, sitzt man abends bei Dosenbier und Pizza aus dem Nachbarshop auf dem Balkon zusammen. Auch bei der Kleidung passt man sich an (Die Welt: Rösler mit abgewetzter Jeans).

Ich habe weder etwas gegen abgewetzte Jeans, noch gegen Dosenbier. Und Pizza ist zu gegebener Zeit auch ok. Aber mir ist das alles etwas zu sehr „me-too“. Me-too Produkte sind typische Elemente der Produktpolitik. Produkte, die echte Innovationen darstellen, beinhalten typischerweise hohe Risiken. Sie können aber (müssen nicht) die Chance auf Marktführerschaft bieten. Setzen sich solche Innovationen durch, folgen dann irgendwann abgewandelte Me-too Produkte. Diese können ebenso erfolgreich sein, sind aber eben keine echten Innovationen. Die Strategie, mit Me-too Produkten erfolgreich zu sein, haben vor Jahren z.B. die Japaner angewandt und seit einigen Jahren „Schwellenländer“ wie zum Beispiel China.

Nun wäre es wünschenswert, dass Deutschland im Bereich IT- besser Internet- nicht den Schwellenländer nachahmen muss. Der mit der PR-Tour verbundene Habitus weckt aber solche Assoziationen.

Möglicherweise urteile ich an dieser Stelle etwas streng, denn es gibt ja auch noch andere positive Nachrichten: den frisch ins Leben gerufenen Investitionzuschuss Wagniskapital (1). Kapitalgeber für Wagniskapital können danach einen Zuschuss bis zu 20% erhalten. Die Idee ist grundsätzlich gut. Endlich einmal eine nicht zweckgebundene Subvention!

Allerdings so ganz frei, sollen sich Innovationen nicht entfalten können. So soll Wagniskapital für E-Commerce möglicherweise nicht förderungswürdig sein, wie t3n berichtet. Zudem wendet sich der Zuschuss primär an externe Kapitalgeber. „Mit dem Unternehmen verbundene Personen“ sind von der Förderung ausdrücklich ausgeschlossen. Hierzu gehören zum Beispiel im Unternehmen angestellte Personen. Hier stellen sich folgende Fragen:

  • Wie war das eigentlich mit der alten Idee, die Arbeitnehmer an den Betrieben zu beteiligen?
  • Warum sollen die „wirklichen“ Innovatoren nicht an dem möglichen Erfolg ihres Unternehmens teilhaben, indem es auch ihnen als Mitarbeiter ermöglicht wird, sich gefördert an ihrem Unternehmen zu beteiligen.

Obwohl wir uns vom Habitus her sehr innovativ geben, werden wir wohl doch „typisch deutsch innovativ“ bleiben. Da muss ich wohl doch meine Analogie zu den „Me-too“ Produkten revidieren.

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