Zukunft gestalten mit der Lebensversicherung ohne Zukunft?


Das Niedrigzinsniveau belastet das Geschäftsmodell der deutschen konventionellen Lebens – und Rentenversicherungen extrem. Wir vertreten diese Meinung seit langem und sehen uns jetzt ausgerechnet durch Diskussionsmodelle eines Lebensversicherungsverbandes  bestätigt.

LV Sparkassen

Lebensversicherungen hatten in Ansätzen seit eh und je mit Einschränkungen Aspekte einer Solidargemeinschaft. Dazu trug zum Beispiel bei, dass so genannte stille Reserven gebildet werden und die Schwankungen des Kapitalmarktes für den einzelnen Vorsorgesparer geglättet werden konnten. Anders als in einem Depot von festverzinslichen Wertpapieren wurde der Vermögenszuwachs nicht durch einen Vergleich der einzelnen Anlagenwerte zu Beginn und zum Ende eines Jahres ermittelt. Zumindest brauchte dabei nicht der Marktwert zu Grunde gelegt werden. Solange Vermögensgegenstände im Anlagevermögen gehalten werden, konnte in der Regel der Anschaffungswert zugrunde gelegt werden. Prinzipiell entspricht dies ja einem Bedürfnis vieler Sparer: Ihre Kapitalanlagen sollen sich kontinuierlich positiv entwickeln. Auf der anderen Seite besteht natürlich das individuelle Bestreben selbst möglichst viel an Gewinnen zu partizipieren. Dieser Aspekt ist maßgeblich für die Forderung vieler Versicherungsnehmer bei einer Beendigung Ihres Vertrages einen Anteil an den Bewertungsreserven (hier spiegeln sich die stillen Reserven wieder) teilzuhaben. In einem sich kontinuierlich positiv entwickelnden Markt für Geldanlagen ist diese Forderung auch nicht sonderlich problematisch zu erfüllen. Nur bekanntlich geht es nicht immer aufwärts, und somit kann logischerweise statt einer stillen Reserve auch eine stille Last entstehen. Dies sehen die Lebensversicherungsgesellschaften natürlich auch und fordern im Gegenzug zu der Beteiligung der Sparer an den stillen Reserven, in Zukunft auch eine Beteiligung an den stillen Lasten (1). Damit geht die einstige, wenn auch eingeschränkte, Berechenbarkeit der Lebensversicherung verloren. Wer soll dann eigentlich diese Verträge abschließen?

Genau diese Frage stellen sich jetzt auch die Sparkassen.  In einem internen Papier heißt es „Ein Weiter-so, (könne es bei den Versicherern) angesichts der großen Herausforderungen nicht geben“. (2). Konkret bedeutet dies, dass im Rahmen eines so genannten „Run-Off“ das Geschäft eingestellt und die Altverträge stillgelegt oder abgewickelt werden könnten.

Bedeutet dies nun, dass es in Zukunft überhaupt keine Lebensversicherungen alten Stils mehr geben wird und dass alle bestehenden konventionellen Lebensversicherungen infrage gestellt werden müssen?

Wir glauben, dass sehr viele Gesellschaften und damit deren Kunden davon betroffen sein könnten. Allerdings gibt es eine Strategie, wie auch konventionellen Lebensversicherungen das niedrige Zinsniveau überstehen können, so dass deren Kunden eine halbwegs planbare zusätzliche Altersversorgung damit aufbauen können. Wie dies möglich ist und worauf Sie als Versicherungsnehmer achten sollten, werden wir demnächst in einer Fortsetzung zu diesem Thema hier im Blog berichten.

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(1) Zu den Überlegungen des GDV hinsichtlich der Beteiligung an stillen Lasten

(2) Im Manager Magazin wird über das interne Papier der Sparkassen berichtet

4 Gedanken zu “Zukunft gestalten mit der Lebensversicherung ohne Zukunft?

  1. Danke für den Artikel! Mir geht es im moment so, dass die konstanten Beiträge meiner Lebensversicherung über die letzten Jahre mich zum Denken angeregt haben, wie sinnvoll denn diese fianzielle Belastung für die kommenden Jahre noch ist und auch, obwohl mir Bekannte bis jetzt von einer Kündigung abgeraten haben, besteht ja andererseits auch noch die Möglichkeit, die Versicherung weiterzuverkaufen. Mit diesem Beitrag jedoch stellt sich mir die Frage, den Gedanken wirklich weiterführen zu müssen, denn da neue Verträge anscheinend nun anders konditioniert werden, bin ich mit meinem alten Vertrag vielleicht noch gut bedient und sollte ihn beibehalten.

    Nichtsdestotrotz, danke nochmal für den Beitrag!

    1. Wir freuen uns, natürlich wenn Mitwettbewerber (im weiteren Sinne) unsere Reichweite im Netz so positiv einschätzen, dass Sie hier Links auf Ihre Homepage platzieren. Wir würden aber Offenheit schätzen: Was hat Jochen Schmittens mit Policen-Direkt zu tun? Wir halten es da mehr mit dem Motto „Transparenz und Offenheit“

  2. Liebe Francesca, ich vermute Sie haben nur das Stichwort Lebensversicherung gelesen und dann ganz schnell gedacht, da kann ich preiswert Werbung machen. Ich glaube das funktioniert nicht. Wer den Artikel langsam liest, wird sich fragen, ob er überhaupt eine konventionelle Lebens- und Rentenversicherung abschliessen sollte. Und welche dann in Frage kommen, hat weniger „mit preiswert“ zu tun, als der Überlebensfähigkeit. Und dieses Thema erfassen Vergleichsrechner nicht.

  3. Es ist wichtig Lebensversicherungen immer vor dem Abschluss in einem Vergleich Rechner zu untersuchen, ob es sich wirklich um die günstigste Lebensversicherung handelt. Wenn nicht, sollte man gleich kündigen oder eine Risikoversicherung abschliessen.

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