Geldanlagen: Machen Sie nur das, was Sie kennen


so lautet ein immer wiederkehrender Rat an die Anleger. Bei genauer Betrachtung scheint aber zu gelten: Der Sparer, der macht, was er kennt, geht ein hohes Risiko ein, welches er nicht kennt. Lassen Sie uns diese etwas paradoxe Aussage auflösen.

Man kann wohl festhalten, dass jeder Anleger die klassischen Sparformen wie Tagesgeld, Sparbücher und Sparbriefe gut kennt. Derivate dagegen bilden die Anlageform, zu  denen die meisten Sparer die geringsten Kenntnisse haben. Dazwischen gibt es viele andere Anlageformen, wie Aktien, Renten, Wandelanleihen etc., die in unterschiedlichem Ausmaß bekannt sind.Wählt der Anleger nun die ihm am besten bekannteste Anlageform, zum Beispiel eine Tagesgeldanlage, so geht er ohne dass ihm dies  in der Regel vollumfänglich bewusst ist, ein hohes Risiko ein. Dieses Risiko kann man unterschiedlich betrachten:

  • Wenn der Anleger sich nicht weiter intensiv damit befassen, was Tagesgeld eigentlich ist, zu vertraut er einfach auf die Rückzahlungsfähigkeit der Bank. Etwas wissenschaftlicher ausgedrückt geht er ein Emittentenrisiko ein.
  • Befasst sich der Anleger dagegen nur ein wenig mehr damit, was Tagesgeld eigentlich ist, so wird er feststellen, dass diese Sparform  in einem etwas weiteren Sinne all die Anlageformen beinhaltet, die ihm wahrscheinlich weniger gut bekannt sind und häufig auch weniger zusagen. Einfach gesagt, stehen hinter dem Tagesgeld auch Anlageformen wie Aktien, Renten, Wandelanleihen und natürlich Derivate.

Um diese Aussage etwas besser zu verstehen, muss man sich die Bilanz einer Bank genauer betrachten. Es ist an dieser Stelle wichtig, einmal kurz zu erklären was eine Bilanz ist: Eine Bilanz stellt alle Vermögenswerte, die eine Bank hat den Schulden (Verpflichtungen) gegenüber. Festgeld oder Spareinlagen sind genau genommen Kredite, die die Sparer  an die Banken vergeben. Die Bank ist damit verpflichtet dem Anleger  auf Anforderung sein Geld zurückzuzahlen. Aus Sicht der Bank handelt es sich hierbei also um Schulden (Verbindlichkeiten).

Welche Vermögenswerte und welche Verbindlichkeiten haben Banken nun? Die Bundesbank veröffentlicht regelmäßig hier zu entsprechende Zahlen. Ende Januar 2013 ergab sich folgendes Bild für alle Banken in Deutschland zusammen.Das Vermögen aller Bank (also die Summe der Forderungen die die Banken gegenüber anderen haben) stellte sich wie folgt dar (alle Werte in Mrd.Euro) :

Bankaktiva

Mit diesem Vermögen müssen die Banken  jederzeit in der Lage sein, alle bestehenden Verpflichtungen (Schulden gegenüber anderen) zu erfüllen. Welche Verpflichtungen aller Banken in Deutschland gab es nun Ende Januar 2013?

BankpassivaFür Sie als Sparer sind zunächst einmal die Verpflichtung interessant, die die Banken Ihnen gegenüber zu erfüllen haben. Aus der oben genannten Summe aller Verpflichtungen betrachten wir hier nun die typischen Verpflichtungen, die die Banken gegenüber den Sparer haben und die dieser typische Anleger gut kennt:

Verpflichtung gegenüber Sparern

Diesen Verpflichtungen in Höhe von 4.614 Milliarden € müssen nun auch entsprechende Vermögenswerte  gegenüberstehen, damit die Banken in der Lage sind diese Summen aufzubringen, wenn die Kunden wieder über ihre Anlagen verfügen möchten. Wenn Sie als Anlieger wie anfangs gesagt nur die Anlagen tätigen sollten, die Sie kennen, dann dürfen wir an dieser Stelle zunächst nur die Vermögenswerte der Bank betrachten, die der typische Anleger verstehen kann. Dies sind die Kredite, die die Banken vergeben. (Dies entspricht ja auch einer weit verbreiteten Betrachtungsweise, nach der  die Banken unsere Sparguthaben dazu verwenden, um damit anderen Menschen oder Unternehmen Kredite zu geben.) Betrachten wir die Summe aller Kredite, die  die Banken (wie allgemein gemeint aus unseren Spareinlagen) vergeben, zu stellt sich folgendes Bild dar

Kredite der Banken

Stellen wir jetzt einmal die Summe der Spareinlagen bei Banken der Summe der Kredite aller Banken über, so werden über 1.367 Milliarden unsere Spareinlagen von Banken für Geschäfte verwandt, die der typische Anleger weniger gut kennt, und dies sind fast 30 % aller Spareinlagen.

Wenn  üblicherweise Sparbücher, Tagesgeld und ähnliches als Anlagen definiert werden, die nahezu jeder Sparer versteht und ihm empfohlen wird, tendenziell eher diese Anlagen zu tätigen, weil der Sparer diese Anlageform  kenne, so erhalten wir diese Empfehlung mindestens für blauäugig.

Es muss zwar nicht bei uns passieren (haben dies die Menschen Zypern eigentlich auch gedacht) aber es hat sich gezeigt, dass auch normale Spareinlagen (aktuell nur über 100.000 €) hohen Verlustrisiken ausgesetzt sind.Aus diesen Gründen meinen  wir , dass die anfängliche Aussage , dass der Sparer, der macht, was er kennt, ein hohes Risiko eingeht, welches er nicht kennt durchaus ihre Berechtigung hat.

Und was ist jetzt zu tun?

Aus der Betrachtung der Bankbilanz leitet sich eine einfache Empfehlung her: Lernen Sie die Produkte, in die Banken investieren,  selbst kennen. Dann kennen Sie

  1. auch im Falle einer Tagesgeldanlage, das Produkt in welches Sie investieren
  2. und Sie sind dann auch nicht mehr gezwungen ihr Geld bei der Bank in Form von Tagesgeld anzulegen, welches dann im weiteren Schritt in alle möglichen denkbaren Anlageformen der Finanzwelt fließt, sondern Sie können dann diese Entscheidung auch direkt selbst treffen.
  3. Sie können dann zudem auch besser beurteilen, ob ihr Gläubiger (die Banken schuldet Ihnen Geld, wenn Sie dort sparen) gut und sinnvoll wirtschaftet. Übrigens, wenn Sie einen Kredit von der Bank benötigt, will die Bank auch sehr genau wissen, was Sie damit machen.

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Anmerkung:

Wir haben bei dieser Betrachtung die Kredite, die Banken an Banken vergeben und die daraus resultierenden Forderungen nicht betrachtet. Auf den ersten Blick mögen zwar diese Position einfach zu verstehen zu sein. Betrachtet man aber wieder genauer, wie die Banken ihre Einlagen verwenden, so  sind hier wie dargestellt die Positionen zu finden, die  der typische Anleger eben nicht versteht. Zudem  hat die jüngere Vergangenheit gezeigt, dass gerade die Kreditbeziehungen der Banken untereinander  hohe Risiken bergen.

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