„Immer wieder eingehende Beschwerden“ gegen Leistungsunwilligkeit der Versicherungen


Das Justizministerium befasst sich aktuell mit „immer wieder eingehende Beschwerden“ (1), die sich auf Leistungsunwilligkeit der Versicherungsgesellschaften beziehen. Unbestritten gibt es Fälle, in denen die Versicherungsgesellschaften nicht so regulieren, wie es sich der Versicherungsnehmer wünscht. Und es wird zweifelsohne auch Fälle geben, in denen das Verhalten einzelner Versicherungsgesellschaften nicht nachzuvollziehen ist. Aber was heisst „immer wieder eingehende Beschwerden“ eigentlich in Zahlen? Berechtigt ist diese Frage schon, denn es wird von Frau Aigner wieder einmal ein Gesetz geplant. Wir haben hierzu keine Zahlen vom Bundesjustizministerium ausgewertet (gibt es diese eigentlich?) sondern von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) und dem Gesamtverband der Versicherungen. Die BAFin ist die Behörde, bei der sich jeder Versicherungsnehmer über seine Gesellschaft und deren Verhalten beschwerden kann (und sollte, wenn es berechtigt ist!).

Die BAFIn hat die Anzahl der Beschwerden nach Gesellschaften und Versicherungsarten gegliedert veröffentlicht. Darauf basierend haben wir ermittelt, zu jedem wievielten Versicherungsvertrag, gegliedert nach der Versicherungssparte, es Beschwerden gab.

VERSICHERUNGSVERTRAG

Auffällig ist hier zunächst, dass die Unfallversicherung, anders als in jüngster Vergangenheit in der Presse dargestellt, doch zu sehr wenig Klagen veranlasst. Aber diese Betrachtung ist unvollständig, denn es kommt nicht primär auf die Relation Beschwerde je bestehenden Vertrag an. Denn der Anlass zu Beschwerde besteht sehr häufig – nicht immer – dann wenn die Versicherung leisten sollte. Von daher haben wir die Anzahl der Beschwerden auch einmal in Relation zu den Schadenfällen gesetzt. Und hier zeigt sich dann ein gegenläufiges Ergebnis:

VERSICHERUNGSFALL Von allen hier genannten Sparten nimmt die Unfallversicherung  die schlechteste Position ein. Zu jedem 2.560-sten Schaden gab es eine Beschwerde. Es lohnt sich aber die Zahlen auch aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Die Gesamtzahl der Versicherungsfälle bei der Unfallversicherung betrug ca. 850.000 im Jahr 2011 und nur in 332 Fällen gab es Beschwerden bei der BAFin.

Nun ist es mit Zahlen und derer Interpretation so eine Sache. Denn es bleiben Fragen offen:

  • Was ist ein Versicherungsfall? Dies kann durchaus subjektiv unterschiedlich gesehen werden.
  • Nicht jede Beschwerde wird an die BAFin gemeldet.
  • usw.

Fraglich bleibt aber denoch, ob aufgrund dieser Zahlen tatsächlich noch ein weiteres Gesetz notwendig ist. Mir zumindest ist die Aussage .. immer wieder eingehende … doch etwas zu schwammig.

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(1) Meldung der Süddeutschen Zeitung – online 21.3.2013

2 Gedanken zu “„Immer wieder eingehende Beschwerden“ gegen Leistungsunwilligkeit der Versicherungen

  1. Meine Schwiegermutter wurde von einem Auto angefahren.
    Sie erlitt dabei ein Polytrauma, mit Schädelhirntrauma, und diverse schwere Frakturen.
    Aufgrund eines Hämato-Pneumothorax litt sie danach ebenfalls unter einer respiratorischen Insuffizienz, sodaß sie ständig nicht invasiv beatmet werden mußte.
    Die Sauerstoffsättigung sackte trotzdem immer wieder auf bedenkliche Werte ab und die körperlichen Schäden durch den entstehenden Überdruck vor der Lunge und absterbenden
    Hirnzellen wurden immer ausgeprägter.
    Nach 5,5 Monaten schwerem Krankheitsverlauf verstarb meine Schwiegermutter an den Folgen, ihrer Verletzungen, was man in diesem Fall als “ Erlösung“ ansehen muß.

    Der Totenschein weist aus: Herzversagen nach Polytrauma, Langzeitbeatmung und COPD.

    Die private Unfallversicherung bei der Nürnberger Versicherung begründet ihre Ablehnung damit, daß auf dem Totenschein keine unnatürliche Todesursache angekreutzt war, denn für den ausstelnenden Arzt war dieser Verlauf eine natürliche Folge des Unfalls.

    Vom Rechtsanwalt aus wurde in unserem Beisein am Tag nach dem Versterben dem Sachbearbeiter der Totenschein gefaxt, mit der Frage, ob diese Unterlagen für die Versicherung ausreichend sei, oder ob eine Obduktion gewünscht wäre.
    Der Sachbearbeiter erklärte . daß dieser Totenschein ausreichend wäre, die Leiche also kremiert werden könnte.
    Allerdings hat die Staatsanwaltschaft eine Obduktion angeordnet, nach deren Ergebnis nun ein
    Vefahren wegen fahrlässiger Tötung gegen den Fahrer der Unfallautos eröffnet wurde.

    Diese Versicherungsangestellten können nur unfreundlich und haben keinerlei Schulung genossen, wie man mit Hinterbliebenen umgeht. “ Die gehen im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen.“
    Meine Erfahrung : Wenn man den Schwerstverletzten als Pflegefall versorgen muß, dann erhält man von Versicherungen, Banken, Ämtern und Behörden in doppelter und dreifacher Ausführung soviel zu tun, daß man keiner Vollzeitbeschäftigung nachgehen kann, oder aber man bekommt seinen sterbenden Angehörigen kaum mehr zu Gesicht.
    Und der Umgang ist einfach nur pietätlos.
    Auf diese langwierige Konversation kann man besser verzichten und sich in dieser
    Zeit mit seinem schwerverletzten Angehörigen beschäftigen, denn damit verplempert man nur seine Zeit.
    Es ist nicht zu erwarten, daß man von einer privaten Unfallversicherung gerade bei
    einem Unfallverletzten, dessen Tod zu erwarten ist irgendeine Erleichterung oder Leistung erhält, denn es ist für die Versicherungen billiger den Tod abzuwarten.
    Und nach dem Tod, den Schaden dann abzuweisen. Sorry, aber in dem Fall ist es sinnvoller, wenn man eine solche Un-Versicherung nicht besitzt, die einem mehr Belastungen zumutet,
    als man zu diesem Zeitpunkt nötig hätte.
    Ohne Rechtschutzversicherung des Verstorbenen, ( diese Ansprüche kann man nicht über die eigene Rechtschutzversicherung abwickeln) kommen dann zu den Pflege-und Bestattungskosten auch noch diese Kosten auf die Hinterbliebenen zu.
    Ein etwaiger hinterbliebener Senior ist überhaupt nicht in der Lage, sich dagegen zu wehren, wenn die Versicherung explizit als Senioren -Unfallversicherung ab 80 Jahre abgeschlossen wurde, es sei denn die Seniorin war mit einem 30 jährigen verheiratet.
    Letztlich erhielt ich in der Zeit vom Unfallgeschehen bis zum Tod der Schwiegermutter,
    verschiedene unterschiedlich lautende Versicherungsschreiben, in denen sich die Versicherungssumme bei 100 % iger Invalidität vom 24.4.2012 ( 165 375 €) bis zum 1.5. 2013
    (also weit nach dem gemeldeten Unfall) auf 15 500€ reduziert wurde.

    Liebe Grüße C.M

    1. So hätte alles nicht ablaufen sollen. In der Zeit, in der Sie Unterstützung benötigt hätten, blieb diese anscheinend aus. Sie schildern diesen in jeder Beziehung bedauernswerten „Fall“ zwar sehr ausführlich, dennoch können wir nur ansatzweise Stellung beziehen.
      Möglicherweise hat sich die Versicherung zwar „rechtmäßig“ verhalten, aber die Kundenorientierung hätte besser ablaufen müssen. „Rechtmässig“, weil nach den AUB99 aufgrund 2.1.1.2 gilt: „Kein Anspruch auf Invaliditätsleistung besteht, wenn die versicherte Person unfallbedingt innerhalb eines Jahres nach dem Unfall stirbt“.Dies scheint ja leider der Fall (unfallbedingt) gewesen zu sein. Deswegen, so vermuten wir, haben Sie nur die Todesfallsumme erhalten. Und es scheint -so aus der Ferne- eben keinen Anspruch für die Invaliditätsleistung zu geben. (Das wird aber Ihr Anwalt genauer sagen können)
      Eine andere Frage ist aber, ob es nicht möglich gewesen wäre, Ihnen bzw. Ihrer Schwiegermutter vorab mindestens eine Teilzahlung in Höhe der Todesfallleistung auszuzahlen. Ein weiterer Punkt scheint uns die Kommunikation zu sein: Dass kein Anspruch besteht, wenn innerhalb eines Jahres der Tod -unfallbedingt- eintritt, sollte möglichst früh von der Gesellschaft oder von Ihrem Vermittler angesprochen werden. Schon allein, deshalb um entsprechend zu disponieren.
      Letzendlich können wir hier nur Vermutungen anstellen.
      Wir sprachen in unserem Blogbeitrag auch die BaFin als Beschwerdestelle an. Haben Sie sich an diese gewandt? Das wäre schon deshalb wichtig, damit dort aufgrund ausreichender Informationen Entscheidungen hinsichtlich weiterer Schutzmassnahmen für die Versicherten initiiert werden können.

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