Fondkongress Mannheim 2013 : Taleb und natürlich Investmentfonds


Zurück von unserem diesjährigen Besuch des Fondskongresses will ich meine ersten subjektiven Eindruck aus meinem Notizbuch (um ehrlich zu sein, nicht aus dem Notizbuch sondern vom Ipad)  und den vielen Unterlagen aus dem Tragetaschen hier kurz vorstellen. Über die einzelnen Investmentfonds werde ich nach genauerer Analyse später detailliert berichten.

Gesammelte Impressionen vom Fondskongress Mannheim 2013 co/ FORAIM
Gesammelte Impressionen vom Fondskongress Mannheim 2013
co/ FORAIM

Vielleicht bin ich ein untypischer Kongressbesucher, denn mich interessieren die vielen Vorträge weniger als die Kontakte und Informationen direkt von den  Ausstellern (es geht einfach schneller, sich gezielt Informationen an den Ständen zu holen, als jeweils langen Vorträgen zuzuhören). Dass ich dieses Jahr eine Ausnahme machte, und sich diese dann noch auf den Auftaktvortrag des Kongresses bezog, lag an dem Star-Referenten:  Nassim Nicholas Taleb

Ich habe es nicht bereut, frühzeitig zu erscheinen. Taleb, der mich schon durch seine Bücher überzeugt hatte, konnte auch als Referent  zu 100 % überzeugen. Natürlich bezog sich sein Vortrag auf das Thema seines aktuellen Buches: Fragilität (Zerbrechlichkeit). An dieser Stelle möchte ich nur einige Aussagen unkommentiert wiedergegeben:

  • “Risiken sind nicht messbar, Fragilität durchaus“
  • “Wir sollten erkennen, dass es möglich ist, von Problemen zu profitieren. Die Luftfahrtindustrie ist ein Beispiel, denn  jedes Problem (Absturz) wird genau analysiert und führt zu einer Erhöhung der Sicherheit der Flugzeuge. (Die Analogie zum Thema Banken ist offensichtlich. Ob hier der gleiche Erfolg für die Zukunft zu sehen sein, scheint aber fraglich…)
  • Zu Greenspan: „Der Versuch, Schwankungen im Markt auszugleichen, macht Systeme nur fragiler. Im Gegenteil, wir brauchen Stressoren (wenn wir sie denn nutzen, um daraus zu lernen) denn sie liefern die Erkenntnis die notwendig sind, um Systeme stabiler zu machen.“

Zu den Standbesuchen:

Es scheint so, als böten die Aktienmärkte dieses Jahr besondere Chancen. Die Überschrift „Spezialist für aktive Aktienfonds“ ließ mich einen kurzen Stopp bei martincurrie machen. Unter „aktiv“ verstehe ich das Gegenteil von buy  and hold. Also habe ich einen relativ hohen Umschlag innerhalb der Fonds erwartet. Die ersten Zahlen habe ich, bin gespannt, was eine genaue Auswertung als Ergebnis liefert.

Solange die Finanz– und Schuldenkrise weiter schwellt, werden auch die Geldströme zwischen den verschiedenen Nationen auf der Suche nach Sicherheit und Rendite weiterhin viel Bewegung zeigen. Daher halte ich immer Ausschau nach Investmentfonds, die einen  Großteil oder zumindest wesentlichen Teil  ihrer Rendite aus der Differenz unterschiedlichster Währungspaare beziehen. Bei Amundi  bin ich auf den Amundi Funds Bond Global Aggregate –AU aufmerksam geworden. Bisher war ich in diesem Anlagefeld mit dem Templeton Global Bond recht zufrieden, dessen Rendite zu immerhin fast zur Hälfte aus dem Bereich Währungen stammt. Aber es ist immer besser mehrere Pfeile im Köcher zu haben oder auch Investmentfonds innerhalb einer Anlageklasse zu diversifizieren. Insoweit gilt es auch diesen Amundi  Fonds näher zu betrachten. In diesen Bereich könnte auch der GAM Star Dynamic Global Bond gehören. An diesem Stand hatte ich allerdings nur ein kurzes Gespräch; aber man soll ja nacharbeiten …

An dem Thema Immobilien kommt wohl kein Berater vorbei. Es wird allerdings häufig übersehen, dass es sehr viele unterschiedliche Möglichkeiten gibt, hier zu investieren. Ein Immobilieninvest, welches an der Börse gehandelt wird, weist natürlich ganz andere Merkmale auf als die typische Realimmobilie. Mit REITS wird in die Aktien börsennotierter Immobilienunternehmen investiert. Interessant fand ich es, dass F&C Investment hier einen Long/Short Fonds anbietet. Man kann sich natürlich fragen, warum neben den bekannten und  nicht auf bestimmten Märkten spezialisierten Long/Short Fonds jetzt noch einen solchen Fonds für den Bereich der Immobilien benötigt wird? Ich denke aber schon, dass es sich lohnen könnte, über diesen Ansatz nachzudenken. Ich bleibe jedenfalls dran.

Dexia, eine Gesellschaft, die mir als Spezialist für alternative Strategien bekannt ist, versucht jetzt mit dem Johannes Führ Multi Asset Protect, den Geschmack des breiten Publikums zutreffen: Alle Anlagenklassen und dann noch eine (weiche) Wertsicherungsgarantie. Auf den ersten Blick begeistert mich so etwas nicht, dazu habe  zuviel derartige Versprechungen ohne echten Erfolg erlebt. Aber eine subjektive Abneigung soll nicht ausschlaggebend sein. Also auch hier gilt für mich: objektiv und genau anschauen.

Einen Risk-Parity Ansatz auf Länderebene in den Schwellenländern bietet Lombard Odier mit den LO Fonds Emerging Equity Risk Parity. Die meisten Emerging Market Fonds scheinen mir gezielte Positionen (Länder, Branchen) einzugehen. Eine Gleichgewichtung der Länderrisiken dagegen reduziert etwas den Wetten–Charakter. Damit gehört dieser Fonds für mich auf die Watchliste.

Ich vermute, dass Deep Value Fonds grundsätzlich andere Eigenschaften und Auswirkungen in einem Depot haben können, als Value Fonds (und auch dividendenorientierte Fonds). Nielsen Capital Management verfolgt mit dem Nielsen –Global Value einen solchen Ansatz. Hierzu werde ich später in diesem Blog sicherlich mehr berichten.

Im Bereich europäische Aktion Small-Caps habe ich bisher gerne einen Fonds von Danske Invest eingesetzt. Es bot sich daher an, auch diese Gesellschaft zu besuchen. Der von mir eingesetzte Investmentfonds verfolgt einen konsequenten  Bottom- up Ansatz und arbeitet nicht Benchmark orientiert.  Eine nachdenkenswerte  Äußerung möchte ich hierzu zitieren: „Benchmark ist Risiko“

Natürlich waren auch die großen  und bekannten Player wie DWS, Fidelity, FvS,Carmignac und weitere vertreten. Diese Gesellschaften zeichnen sich aber auch durch umfangreiche Presse– und PR-Arbeit aus, so dass es mir als Zeitverschwendung erschien, deren Stände zu besuchen. Letztendlich sollte das Ziel eines Kongressbesuches sein, neues oder wenig bekanntes zu entdecken und hieraus Anregung zu ziehen. Einige kleinere und weniger bekannte Gesellschaften hatte ich bereits bei früheren Besuchen entdeckt und deren Fonds in unser engeres Angebot aufgenommen, hierzu gehörte unter anderem der DNCA Invest Eurose und der Wohnselect D von Wertgrund. Diese beiden Fonds haben die Anliegerziele sehr zufrieden stellend erfüllt.  Ein positives Ergebnis war natürlich Anlass genug auch  die Stände auch dieser Gesellschaften zu besuchen, um ihren Vertretern ein positives Feedback zu geben.

_____________________________________________________________________

Disclaimer: Schon aufgrund der Kürze dieser Darstellungen ist der Artikel nicht geeignet, hieraus Anlageempfehlungen zu ersehen.

2 Gedanken zu “Fondkongress Mannheim 2013 : Taleb und natürlich Investmentfonds

  1. Sehr geehrter Herr Wehmeier, Engagement ist gut, allerdings würde ich mich mehr über konkret sachbezogene Kommentare freuen. Es werden sich in Zukunft hier sicherlich auch Artikel finden, wo Ihre allgemeinen Ausführungen einen konkreten Ansatzpunkt finden werden. Dann wäre eine sachliche Diskusssion möglich und dann passen auch Weltanschauungen.
    Freundliche Grüße

  2. Der Vater aller Dinge

    „Die Werte schaffende Arbeit, diese einzige Quelle des Wohlstands, wird durch den Geldstreik lahm gelegt. Fleiß, Erfindungsgeist, Sparsamkeit, Wohlstand graben sich im Konjunkturzyklus selbst ihr Grab, führen zwangsläufig zu Arbeitslosigkeit, Armut und Not. Es liegt eine tiefe Tragik in diesem Zusammenhang. Je fleißiger, erfindungsreicher und sparsamer die Arbeitenden sind, umso früher sinkt der Sachkapitalzins unter die Rentabilitätsgrenze, umso früher müssen Geldstreik und Wirtschaftskrise eintreten.

    Es ist das Unglück der Arbeitenden, dass ihnen im Kapitalismus dauernd ein Teil ihres Arbeitsertrages vorenthalten wird und in die Taschen der Zinsbezieher fließt. Aber es ist der Gipfelpunkt der Tragödie, dass sie nur deshalb in die Not fast dauernder Unterbeschäftigung gestoßen werden, weil die Zinsbezieher das ihnen zufließende arbeitslose Einkommen, soweit nicht zum Verbrauch bestimmt, nur dann investieren, wenn neuer Zins winkt.

    In völliger Verkennung der Krisenursache spricht man von einer allgemeinen „Überproduktion“ als Folge der „planlosen“ und „chaotischen“ „freien“ Wirtschaft und versucht durch „Planwirtschaft“ dem Preisverfall Einhalt zu gebieten.

    In solchen Zeiten schreit – nein, brüllt – alles nach der „starken Hand“, nach einem Führer. Das war schon so, als im alten Athen im Verlauf einer Wirtschaftskrise der weise Solon zum Gesetzgeber mit allen Vollmachten eines Diktators bestellt wurde und war nicht anders in der 1929 einsetzenden Weltwirtschaftskrise, in der allgemein die Vollmachten der Regierungen totalitäre Formen annahmen. Erst wenn die Arbeitslosigkeit lang genug gedauert hat, um das Sachkapital durch das Wachstum der Bevölkerung, natürlichen Verschleiß usw. so zu verknappen, dass die erwartete (nicht tatsächliche) Rendite den Geldzinsfuß übersteigt, oder wenn durch Kriegsrüstungen usw. das Rentabilitätsprinzip wieder hergestellt ist, lässt sich das Geld auf neue Investitionen ein und gibt den Weg frei für einen neuen Aufschwung. Der Zyklus wiederholt sich. Er bedeutet dauernde Massenarmut.“

    Otto Valentin (aus „Die Lösung der Sozialen Frage“, 1952)

    Von allen bisherigen, durch eine seit jeher fehlerhafte Geld- und Bodenordnung ausgelösten allgemeinen Wirtschaftskrisen unterscheidet sich die gegenwärtige „Finanz- und Schuldenkrise“ dadurch, dass der Krieg nur solange der Vater aller Dinge sein konnte, wie es noch keine Atomwaffen gab.

    Damit stehen wir heute vor der größten anzunehmenden Katastrophe der Weltkulturgeschichte, die auch ohne Atomkrieg unsere ganze „moderne Zivilisation“ auslöschen kann – und zwar umso schneller, je länger der finale Zusammenbruch des Geldkreislaufs zuvor von der „hohen Politik“ durch Erhöhung der Staatsverschuldungen und Geldmengenausweitungen hinausgezögert wurde!

    Der Weisheit letzter Schluss

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s