Krieg wegen einer Drucksache, und was dies mit Ihrer Anlagestrategien zu tun hat


In letzter Zeit mehren sich die Zeitungsartikel mit Überschriften, die den Begriff Währungskrieg beinhalten. Um diese Schlagzeile näher zu beurteilen, muss gefragt werden, was Währungen eigentlich sind? Googlet man hier auf die Schnelle einige Definitionen, so finden wir hierzu überwiegend den Begriff Geld (1). Und damit die berühmte Sache, die im Übermaß gedruckt wird – wie einige meinen.

Also „Krieg wegen einer Drucksache“? Natürlich nicht! Der Begriff „Krieg“ bildet hier die übliche Übertreibung für einen der Weltwirtschaft sicherlich nicht fördernden Abwertungswettlauf. Während der Begriff „Krieg“ nur eine journalistisch etwas martialische Ausdrucksweise darstellt, verführt aber der Begriff „Geld drucken“ zu einer vollkommen falschen Sichtweise, die wiederum falsche Prognosen zur Folge haben kann. Und auch tatsächlich zur Folge hatte.

„Geld drucken“ ist bestenfalls ein Slang der Volkswirte. Es wird zwar tatsächlich Geld auf Papier gedruckt (und Münzen werden geprägt), doch ist dieser Anteil an der Geldmenge verschwindend gering. Ich will hier nicht auf die klassischen Definitionen der Geldmengen M0 bis M3 eingehen, sondern auf das, was die meisten Menschen im täglichen Sprachgebrauch unter Geld verstehen. Und dies ist das Bargeld plus Guthaben auf Girokonten. Von dieser Geldmenge macht das „gedruckte Geld“ nur einen Anteil von 17,8 % aus (2). Geld wird also überwiegend nicht gedruckt. Womit das übliche „Schubkarren Bild“ aus der Weimarer Republik seine Bedeutung heute eigentlich verloren haben müsste.

Hat es aber leider nicht, das Bild ist aus vielen Köpfen nicht verschwunden. Und dies ist im Zusammenhang mit der Aussage „Geld würde gedruckt werden“ eine der Hauptursachen für die Inflationsängste seit Ende 2008. Verständlich mag eine solche Assoziation sein, aber nur, wenn nicht betrachtet wird, was Geld tatsächlich ist. Und was stellt Geld nun tatsächlich dar, jedenfalls der Anteil der noch nicht erklärten 82,2 %? Die Antwort lautet Forderungen. Geld wird also in Form von Krediten geschaffen, die die Zentralbanken an die Geschäftsbanken vergeben. Der wesentliche Unterschied zum „Geld drucken“ liegt darin,dass das „nicht gedruckte Geld“ als Kredit irgendwann zurückgezahlt werden muss. Eine solche Betrachtungsweise des Geldes hätte meiner Meinung nach seit 2008 zu ganz anderen Prognosen, als den bekannten Inflations- oder gar Hyperinflationsprognosen, führen müssen:

1. Es gab Ende 2008 keinen Grund für eine zwingende Assoziation im Zusammenhang mit der Geldmengenausweitung (Ausweitung der Kredite der EZB an Geschäftsbanken), die zu dem Bild der Hyperinflation (Schubkarren voll von gedrücktem Geld) in der Weimarer Republik führen musste.Denn zunächst wird von der EZB immer den Bank das „neu geschaffene“ Geld geliehen.Es gab und gibt keinen zwingenden Automatismus, dass die Banken das Geld tatsächlich an die Realwirtschaft weiter verleihen.

2. Dieses zusätzliche Geld hätte in die reale Wirtschaft gelangen müssen und dieses zusätzliche Geld hätte als zusätzliche Nachfrage auf ein knappes Angebot treffen müssen (Preise und damit Preissteigerungen entstehen in der Regel durch Angebot und Nachfrage)

3. Bei dem gravierenden Einbruch der Weltwirtschaft, der auf die Finanzkrise 2008 folgte, war ein solches Szenario (hohe Nachfrage, knappes Angebot) kaum denkbar. Aber viele Volkswirte, Journalisten und Anlageberater blieben lieber bei der einfachen Gleichung: Geldmengenausweitung gleich Inflation. In unseren Augen war dies ein unverantwortliches lineares „Denken“ (3) (Was konnte aber schon eine kleine, aber „feine“ Finanzberatung gegen diese Angstmache ausrichten? Wir haben die Inflation zwar nicht für alle Zukunft ausgeschlossen, wohl aber hielten wir eine nennenswerte Inflation für die folgenden 3 Jahre für wenig wahrscheinlich)

Kommen wir aber noch mal darauf zurück, was Geld eigentlich ist.

Geld in Form eines Kredites ist letztendlich wesentlich gekennzeichnet durch Vertrauen. Sehr vereinfacht dargestellt stellt Geld letztendlich immer einen Kredit dar, und sonst eigentlich nicht viel mehr anderes.(Übrigens müsste dies auch für eine Gold gedeckte Währung gelten, denn Gold bietet außer einem immateriellen Nutzen überwiegend keinen echten Nutzen). Wie viel Geld tatsächlich wert ist, ist also immer eine Vertrauensfrage. Und weil wir in einer globalisierten Welt mit globalen Handel leben, wird sich eine nationale Geldmengenausweitung (und damit Kredit Ausweitung) naturgemäß in unterschiedlich hohem Vertrauen in die verschiedenen Währungen abspielen.

Wenn jetzt also das Thema Währungen in den Vordergrund gerät, so ist dies für uns genauso wenig überraschend, wie es auch nicht überraschend war dass seit Ende 2008 bis heute keine nennenswerte Inflation eingetreten ist. (Was in Zukunft kommen wird ist ein anderes Thema; aber auch hier ist eine aussage nur dann hilfreich, wenn gesagt wird, wann diese Zukunft beginnt)

Leider wird vielfach die Bedeutung der Währungen  (oder besser der Änderungen der Währungsrelationen) vernachlässigt. Dabei ist dieses Thema sowohl für eine mögliche Inflation relevant (Stichwort: importierte Inflation) als auch für die individuelle Anlagestrategie. Vereinfacht: auch Währungen sind eine Anlageklasse und sollten im Depot berücksichtigt werden. Eine kompakte Darstellung zum Thema Geld – und wie Sie dieses anlegen können-  finden Sie auch hier auf unserer Homepage.

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Anmerkungen

(1) Hier einige Definitionen zu dem Begriff Währungen:

http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/geld.html?referenceKeywordName=Währung

http://www.duden.de/rechtschreibung/Waehrung

http://de.wikipedia.org/wiki/Währung

(2) Zur Geldmenge und Bargeldmenge:

http://www.oenb.at/de/rund_ums_geld/bargeldstatistik/euro_umlaufzahlen/euro-umlauf.jsp

http://de.wikipedia.org/wiki/Geldmenge

(3) Fraglich ob man hier von „Denken“ sprechen darf. Zum Glück hat Kahneman mit seinem Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ eine Definition des Denkens geliefert,mit der auch intuitives (nicht reflektiertes) Verhalten als Denken bezeichnet werden kann. 🙂

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